Karriereperspektiven

Klare berufliche Ziele vor Stellenwechsel definieren

Nach dem Prinzip des „kick and rush“ robbt sich der technische Geschäftsführer eines Energieversorgungsunternehmens von einem vermeintlich interessanten Stellenangebot zum nächsten. Er hofft, dass sich so irgendwann der neue Arbeitgeber findet, lässt aber persönliche, berufliche Ziele außer Acht.

Berufliche Ziele sollten realistisch sein.

Berufliche Ziele sollten realistisch sein.

Foto: panthermedia.net/MP2

Auf diese Weise gehen gehen Führungskräfte und hochkarätige Fachspezialisten häufig beim Stellenwechsel vor. Berufliche Ziele, also alles, was Toparbeitskräfte im Tagesgeschäft umsetzen, um Schlüsselprojekte erfolgreich zu managen, scheint beim Stellenwechsel vergessen. Doch das improvisierte Vorgehen führt selten zur bestmöglichen Alternative und birgt ein erhebliches Risiko des beruflichen Fehlschlags.

Wenn Sie über kurz oder lang einen entscheidenden Stellenwechsel planen, dann verfahren Sie mit System. Entwickeln Sie vorab berufliche Ziele: Leicht fällt es, die angestrebten Positionen und Aufgabenbereiche zu definieren. Schwieriger wird es bei den Branchen. Welche interessanten neuen Branchen gibt es für Sie? Müssen Sie wirklich in der gleichen Branche bleiben oder nehmen Sie sich so die besten Möglichkeiten? Wer weiß schon als gestandener Chemie-Ingenieur oder promovierter Physiker um Chancen in der Mikrosystemtechnik?

Berufliche Ziele müssen realistisch sein

Viele kennen diese Branche nicht oder glauben, dort werden Computerchips hergestellt. Detaillierte Verzeichnisse helfen, die passenden Branchen für berufliche Ziele zu finden. Ebenfalls sollten Sie klare Vorstellungen zur Region, dem Einkommen, der Unternehmensgröße entwickeln. Stellen Sie in diesem Sinne alle Ihre Wünsche und persönlichen Nebenbedingungen zusammen – gründlich, ehrlich und realistisch. Es empfiehlt sich, das so gewonnene System, abgesehen von absoluten Muss-Zielen, flexibel zu handhaben.

Ein promovierter Bauingenieur aus dem Produktmanagement formulierte neben der Position Vertriebs-/Marketingleiter ein „Dreibein“: Branche/Unternehmen – High-Tech- oder Luxusprodukte, Unternehmensgröße – ab 1000 Mitarbeiter, Region – deutsche oder europäische Großstadt, Nebenbedingung – Möglichkeiten zum Gleitschirmfliegen. Der Produktmanager ist bereit, für bestimmte berufliche Ziele entsprechende Abstriche bei den anderen zu dulden. Doch was nützen die konkretesten Visionen, sind sie am Arbeitsmarkt nicht umsetzbar? Denken Sie kritisch über die eigenen Ansprüche nach. Formulieren Sie nur wenige Muss-Ziele. Beispielsweise nennt ein technischer Leiter mit dem Ziel Alleingeschäftsführer im Coaching ausschließlich Machtziele und Geldziele als Wechselmotive. Alles andere ist ihm unwichtig. Loten Sie die Ziele unter Umständen mit einem Experten aus.

Berufliche Ziele logisch dokumentieren

Sind Sie sicher, was Sie wollen, gilt es, den „zwingenden“ Lebenslauf und die verkaufsträchtigen Bewerbungsunterlagen für berufliche Ziele zu erstellen: Es muss erkennbar sein, dass Sie in logischer Konsequenz den nächsten Karriereschritt vornehmen. Jetzt folgen die operativen Schritte. Wer nicht über entscheidende persönliche Kontakte verfügt, um die eine oder andere Alternative aus dem Zylinder zu zaubern, muss offen über den Arbeitsmarkt gehen. Klotzen statt kleckern, ist dabei wörtlich zu nehmen, will man das eigene Potenzial wirklich aufdecken.

Initiativbewerbungen und eigene Stellengesuche stehen für Führungs- und Fachkräfte dabei im Mittelpunkt. Flankierend sehe ich das Bewerben auf Stellenanzeigen. Damit Sie in Ruhe nach neuen Arbeitgebern ausschauen können, sollte in der schriftlichen Bewerbung der Name des aktuellen Arbeitgebers nicht fallen. Eine Indiskretion, und mit der Ruhe ist es vorbei. Am Ende des gesamten Prozesses sollten etliche Vorstellungsgespräche stehen, in denen die Alternativen gegenüber dem Status quo in Sachen „berufliche Ziele“ gründlich abgewogen werden. Schade, dass sich nicht jeder Zeit nimmt, die oben beschriebene Entdeckungsreise anzutreten.

Von der Zieldefinition bis zur Vorlage vertragsreifer Stellenangebote können leicht sechs bis zwölf Monate vergehen. Schließlich ist ein Stellenwechsel kein Waschmaschinenkauf: Und wer den vermeintlich hohen Zeitaufwand zur Erfüllung der beruflichen Ziele scheut, muss eben die Arbeiten delegieren – oder weiterhin improvisieren.

 

Von von Karriere-Coach Bernd Andersch, andersch-consulting.de

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