Beratung 05.09.2014, 00:00 Uhr

Fördert eine Entsendung ins Ausland die Karriere des Ingenieurs?

Wenn Ingenieure vor die Frage gestellt werden, ob sie einer Entsendung ins Ausland zustimmen würden, müssen sie viele Faktoren abwägen. Finanziell sind die Vorteile in der Regel verhältnismäßig gering. Dafür sind die beruflichen und menschlichen Erfahrungen enorm.

Bei einer Entsendung muss man flexibel sein.

Bei einer Entsendung muss man flexibel sein.

Foto: iStock / Thinkstock

Entsendung ins Ausland: Lohnt sich das? Diese Frage stellt sich für viele Ingenieure. Bei den meisten deutschen Unternehmen fließt noch immer viel mehr Know-how von den Zentralen in die Auslandsniederlassungen als zurück, und oft ist es ein Ingenieur, dem der Know-how-Transfer bei einer Auslandsentsendung aufgetragen wird.

Lohnt sich eine Entsendung ins Ausland für Ingenieure?

Aber lohnt es sich, für sein Unternehmen ins Ausland zu gehen? Lohnt es sich finanziell? Das ist schwer pauschal zu beantworten, aber die Zeiten üppiger Auslandszulagen sind in den meisten Unternehmen vorbei. Trotzdem kommt eine Entsendung ins Ausland die Arbeitgeber teuer: Die Umzugskosten der Ingenieure werden übernommen, Mietkostenzuschüsse gewährt, gelegentliche Heimflüge erstattet, eine gute Krankenversicherung vor Ort abgeschlossen, die Kosten für die deutsche oder internationale Schule der Nachkommen bezahlt, und manches andere mehr. Das läuft ganz schön ins Geld, aber der Auslandsmitarbeiter hat davon wenig.

Wenn er zuhause bleibt, würden die meisten dieser Kosten gar nicht erst anfallen. In Entwicklungs- und Schwellenländern darf sich der Auslandsmitarbeiter trotzdem reich fühlen: In der Regel verdient er dort ein Vielfaches seiner lokalen Kollegen. Oder er fühlt sich plötzlich arm: Die kostenpflichtigen deutschen oder internationalen Schulen sind auch sehr beliebt bei der lokalen Oberschicht. Und manches Expat-Kind beklagt sich bitterlich, nicht mit den finanziellen Möglichkeiten der Klassenkameraden mithalten zu können! Jedenfalls: Nach wie vor leben die meisten Expats materiell gesehen durchaus angenehm, aber reich werden Ingenieure durch eine Entsendung ins Ausland nicht.

Lohnt sich die Entsendung ins Ausland für Ingenieure im Hinblick auf die Karriere?

Das ist schwer zu messen und die Erfahrungen nach einer Entsendung ins Ausland sind ganz unterschiedlich. Ingenieure sollten zumindest keinen “Karrieresprung“ bei der Rückkehr erwarten! Warum sollte es den auch geben? Wie macht man denn Karriere? Indem man seine Arbeit erfolgreich erledigt, sozial auch ganz geschickt ist, vielleicht auch die richtigen Leute kennt und das Glück hat, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein. Ob man mit seiner Arbeit in München oder Mailand, in Hamburg oder Tokyo erfolgreich ist, kann kein entscheidendes Kriterium sein.

Es ist aber auch nicht irrelevant: Denn natürlich ist es meist ein wenig schwerer, im Ausland so erfolgreich zu sein als zuhause. Es erfordert nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch Flexibilität und die Fähigkeit, die Spielregeln einer fremden Kultur zu verstehen und sich im richtigen Umfang an sie anzupassen. Daher verwundert nicht, dass in immer mehr Unternehmen eine “qualifizierte Auslandserfahrung“ eine Karrierevoraussetzung darstellt. Wohlgemerkt: Karrierevoraussetzung, nicht Karrieregarantie! Die Frage, ob sich eine Entsendung ins Ausland für Ingenieure lohnt, ist also so zu beantworten: Es wäre zumindest dumm, die Chance auf einen Auslandsaufenthalt nicht wahrzunehmen. Auch wenn es bis heute in jedem Unternehmen Mitarbeiter gibt, die auch ohne Auslandserfahrung Karriere machen.

Bei einer Entsendung ins Ausland müssen Ingenieure flexibel sein

Damit die Entsendung ins Ausland für Ingenieure optimal karrieredienlich verläuft, sollte man allerdings ein paar Fehler vermeiden: Einer ist, die Herausforderungen zu unterschätzen! Sie sind doch weltoffen und vorurteilsfrei? Sie haben doch ein Auslandssemester in Spanien gemacht? Na und?! Wieso qualifiziert Sie das für eine Abteilungsleiterposition in Thailand? Es qualifiziert Sie nicht! Als Abteilungsleiter in Thailand müssen Sie vom ersten Tag an Thais führen, müssen sie motivieren und auch kritisieren, müssen von ihnen respektiert werden.

Es ist keine erfolgversprechende Strategie, darauf zu vertrauen, dass Sie mit der Zeit schon herausfinden werden, wie die Thais „ticken“. Wenn Sie bei Ihren Mitarbeitern erstmal „unten durch“ sind, wird die Entsendung ins Ausland für Sie als Ingenieur kaum karrieredienlich. Und das gilt natürlich nicht nur für so exotische Länder wie Thailand, Japan oder Saudi-Arabien. Auch in Frankreich, Italien oder den USA sind die Erwartungen an einen Chef anders als in Deutschland. Überall sind sie anders als in Deutschland!

Eine Entsendung ins Ausland erweitert den Horizont der Ingenieure

Kurz gesagt: Bestehen Sie als Ingenieur bei einer Entsendung ins Ausland auf einer praxisorientierten Vorbereitung auf die lokale Kultur! Sie müssen den Buddhismus nicht kennen, aber Sie müssen wissen, was Thais von Vorgesetzten erwarten. Oder, wenn Sie ihnen etwas beibringen sollen, wie sie zu lernen gelernt haben. Denn sonst funktioniert der Know-how-Transfer nicht! Ein zweiter Fehler besteht darin, nicht aktiv auf alle möglichen Arten den Kontakt zu Menschen in der Zentrale aufrecht zu halten. Aus den Augen, aus dem Sinn, das ist nun mal menschlich! Wer im Ausland „vergessen“ wird und sich nach seiner Rückkehr wundert, dass er die Leute gar nicht kennt, die jetzt für seine weitere Karriere wichtig sind, hat etwas falsch gemacht!

Lohnt sich die Entsendung ins Ausland für Ingenieure menschlich? Ja! Ich habe noch nie einen Rückkehrer getroffen, der nicht gesagt hat, dass er bei der Auslandsentsendung unheimlich viel gelernt habe. Einige wenige haben allerdings nur gelernt, dass das Ausland oder zumindest ihr Einsatzland nichts für sie ist. Wie wichtig ihnen eine deutsche Umgebung ist! Aber selbst das ist eine wichtige Lernerfahrung.

Eine Entsendung ins Ausland bringt reiche Erfahrung für Ingenieure

Die allermeisten haben aber wesentlich mehr gelernt. Manche sogar bestimmte technische Vorgehensweisen, auch wenn es für viele deutsche Ingenieure schwer ist, sich vorzustellen, dass man in diesem Bereich bei einer Entsendung ins Ausland etwas lernen kann. Aber die meisten sprechen davon, dass sie sich persönlich weiterentwickelt haben. Natürlich hätten sie sich in derselben Zeitspanne auch zuhause verändert, aber es hat doch eine ganz andere Qualität: Die ständige Konfrontation mit ganz anderen Werten, Normen, Vorgehensweisen ist nicht immer einfach, aber immer bereichernd! Das ist nun nicht grade „makING money“, aber mancher Reichtum ist eben nicht finanziell!

Andreas Bittner, Geschäftsführender Gesellschafter der IFIM Institut für Interkulturelles Management GmbH. Andreas Bittner bereitet seit dreißig Jahren (auch) Ingenieure auf eine Entsendung ins Ausland vor.
www.ifim.de

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