Beratung 02.09.2011, 00:00 Uhr

Durch kleine Übungen Ausgeglichenheit als Ingenieur erlangen

Ausgeglichenheit wünschen sich viele Ingenieure, doch die wenigsten können sie im Alltag erreichen. Kleine Übungen helfen Ihnen dabei, sich Ihres Verhaltens bewusst zu werden und auf Ärger und Probleme anders zu reagieren. Schon eine Test-Woche kann Ihre Einstellung grundlegend beeinflussen.

Ausgeglichenheit kann durchaus leicht geübt werden!

Ausgeglichenheit kann durchaus leicht geübt werden!

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Ausgeglichenheit ist nicht bei allen Ingenieuren an der Tagesordnung, und Unfreundlichkeit hat viele Gesichter, fängt an beim grimmigen Gucken, setzt sich fort über unhöfliches Verhalten, Sarkasmus, Provokation und Desinteresse am anderen und endet bei verbalen Attacken. Wenn wir Glück haben, weist uns ein wohlwollender Kollege auf unser Verhalten hin: „Sagen Sie mal, kann es sein, dass Sie heute schräg drauf sind?!“ Und mit noch mehr Glück sind wir bereit, die Kritik anzunehmen und unser Verhalten zu verändern.

Meist aber rechtfertigen wir unsere Unfreundlichkeit: „Ist doch auch kein Wunder bei all dem Ärger, den ich hier habe!“ Es ist keine große Kunst, freundlich zu sein, wenn die Sonne scheint, alle Menschen liebenswürdig und die Umstände perfekt sind, aber es ist sehr Wohl eine Kunst, auch dann freundlich zu bleiben, wenn der Tag sich gerade nicht als „Lustspiel“ präsentiert. Erst in schwierigen Momenten können Sie Ihre Ausgeglichenheit als Ingenieur demonstrieren.

Ausgeglichenheit können Ingenieure durch kleine Korrekturen erreichen

Ausgeglichenheit ist Ingenieuren nicht angeboren, sondern vielmehr ein Knopf im Gehirn, den man an- oder ausschalten kann. Wir können uns regelrecht vornehmen, freundlich zu sein. Vielleicht ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, den Knopf anzuknipsen. Sie sind gut erholt aus dem Urlaub zurück und möchten sich diese Erholung so lange wie möglich im Alltag erhalten? Dann fangen Sie doch einmal mit einem kleinen Experiment an und nehmen sich vor, eine Woche lang besonders freundlich zu sein. Legen Sie Ihr gesamtes Augenmerk darauf und nehmen es sich jeden Morgen – am besten schon vor dem Aufstehen – erneut vor.

Damit brauchen Sie gar keine Wunder zu vollbringen, sondern nur ein paar winzige Korrekturen vorzunehmen, auch wenn die Welt sich noch nicht verändert hat. Beim Bäcker drängelt sich auch jetzt jemand vor, aber Sie entscheiden sich, das zu ignorieren, weil es ohnehin gerade so lecker riecht und es auf drei Minuten wirklich nicht ankommt. Das ist Ausgeglichenheit für Ingenieure! Oder Sie sagen schlicht und Ihr Gegenüber anlächelnd: „Entschuldigen Sie bitte, ich bin vor Ihnen dran.“ Die Kinder trödeln wie gehabt, aber Sie sagen nur sachlich und ganz ruhig: „Bitte beeilt euch, ihr wollt ja in fünf Minuten das Haus verlassen.“

Ausgeglichenheit im Umgang mit anderen Menschen üben

Auf die Frage des Partners oder der Partnerin, ob Sie später noch einen Kasten Wasser mitbringen können, reagieren Sie nicht wie so oft allergisch, sondern Sie antworten einfach: „Klar, mache ich gerne“ oder auch „Sei mir nicht böse, Schatz, aber heute schaffe ich es nicht.“ Beim Autofahren hören Sie sich auf keinen Fall all die negativen Meldungen im Radio an, sondern legen sich Ihre „Gute-Laune-Musik“ ein, konzentrieren sich auf die positiven Gefühle, die sie Ihnen macht und schon werden Sie all die unfähigen Autofahrer, von denen Sie nicht wissen, wie die zu ihrem Führerschein gekommen sind, gar nicht mehr registrieren. Diese Ausgeglichenheit können Sie bei der Arbeit als Ingenieur fortsetzen.

Im Büro lächeln Sie alle an, die Ihnen begegnen und grüßen sie freundlich, und beim Fehler des Mitarbeiters, gehen Sie mit dem Angebot vielleicht schnell mal zu ihm rüber und bitten ihn, den kleinen Fehler, der ihm unterlaufen ist, zu korrigieren. Bei der Gelegenheit könnten Sie ihn auch gleich einmal fragen, ob sein Hund wieder gesund ist oder die Schwiegermutter wieder abgereist. Diese Ausgeglichenheit wird auch anderen Ingenieuren schnell auffallen.

Praktische Beispiel für das Training der Ausgeglichenheit für Ingenieure

Sicher fallen Ihnen viele kleine Gesten der Ausgeglichenheit ein, mit denen Sie anderen Ingenieuren und sich selbst den Alltag verschönern können. Sicherheitshalber liste ich hier ein paar Punkte auf, die man aufgrund ihrer Schlichtheit leicht übersieht: Lächeln Sie Menschen in Ihrer Umgebung an, auch die, die Sie nicht kennen und die, die nicht lächeln. Überraschen Sie Ihre Familie einmal mit kleinen Gesten: ein kleines Zettelchen für den Partner oder die Partnerin mit Wünschen für einen schönen Tag, Schokolade für die lieben Kleinen.

Küssen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin – auch nach zehn gemeinsamen Jahren – zum Abschied mal nicht nur so im Vorbeigehen, sondern konzentrieren Sie sich darauf. Sprechen Sie an der einen oder anderen Stelle einmal ein ehrliches Lob aus (für die leckersten Brötchen weit und breit, für das beste Frühstück, den zugeklappten Toilettendeckel, das Haareentfernen aus dem Waschbecken, das Angebot, das in weiten Teilen richtig ist, die gut aufbereitete Information …). Denn Ausgeglichenheit wird durch den Dialog mit anderen Menschen befeuert.

Ausgeglichenheit für Ingenieure äußert sich auch in Komplimenten

Machen Sie Menschen ein ehrliches Kompliment (möglichst nicht sach-, sondern personenbezogen, also nicht „schöne Krawatte“, sondern „Sie haben einen guten Geschmack“ oder „Sie haben ein Händchen dafür, so schöne Krawatten wie diese zu finden, also nicht „das Kleid sieht gut aus“, sondern „du siehst gut aus“). Seien Sie höflich (lassen Sie jemanden im Auto die Vorfahrt, eine Oma die Straße überqueren, halten Sie einem Fremden die Tür auf, grüßen Sie, wenn Sie einen Aufzug betreten …). Verwenden Sie öfter mal das Wort „DANKE“ und betrachten Sie so wenig wie möglich als selbstverständlich, um Ihre Ausgeglichenheit als Ingenieur zu fördern.

Sagen Sie, wenn Sie jemandem einen Gefallen getan haben, nicht „Kein Problem“, sondern „Für Sie habe ich das gerne gemacht“. Kritisieren Sie möglichst wenig und wenn, dann nur das Verhalten und nicht die Person (also nicht „Sie sind immer so oberflächlich“, sondern „hier an dieser Stelle haben Sie nicht alle Faktoren bedacht, bitte korrigieren Sie das). Wenn Sie Vorgesetzte(r) sind, zeigen Sie Ihre Ausgeglichenheit, indem Sie Ihre Mitarbeiter besuchen, erkunden Sie sich nach deren Wohlbefinden. Sprechen Sie Menschen häufiger mit ihrem Namen an.

Negative Aspekte könnten die Ausgeglichenheit für Ingenieure stören

Stellen Sie mehr Fragen und schauen Ihr Gegenüber dabei offen (auch in der Körperhaltung) an. Reden Sie weniger über sich selbst, ihre Probleme oder ihre besonderen Leistungen, sondern stellen Sie den anderen in den Mittelpunkt. Seien Sie großzügig (vielleicht ist es gerade noch schön warm und die Kollegen freuen sich über die Überraschung eines kleinen Eises am Nachmittag oder die Ehefrau über eine langstielige Rose …). Denn Ausgeglichenheit als Ingenieur bedeutet auch, verstärkt an anderen zu denken.

Halten Sie sich hartnäckig aus allen Gesprächen raus, in denen (negativ) über andere gesprochen wird (keine Lästertiraden). Sprechen Sie langsamer, vielleicht ein bisschen leiser und gut betont. Vermeiden Sie in Gesprächen Verallgemeinerungen wie „immer“, „nie“, „dauernd“, „gar nicht“ oder „wieder“. Nehmen Sie die Ideen anderer ernst (also auch nicht: „Ansonsten haben Sie ja schon mal gute Ideen, aber das ist jetzt Quatsch!“). Zeigen Sie anderen, dass Sie ihnen vertrauen und etwas zutrauen. So können Sie Ausgeglichenheit sogar an andere Ingenieure weitergeben.

Die Ausgeglichenheit für Ingenieure eine Woche lang testen

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, und Sie werden das ganz bestimmt tun, weil Sie ein offener und experimentierfreudiger Mensch sind, der gerne wissen möchte, was passiert, wenn Sie „Die Macht der Ausgeglichenheit für Ingenieure“ einmal eine Woche lang testen. Natürlich wissen Sie auch um die „Spiegelneuronen“ und deren Mechanismus, so dass Ihnen jetzt schon klar ist, dass niemand mehr von diesem Experiment profitieren wird als Sie selbst.

Kleiner Tipp noch für die Umsetzung: Sollten Sie an einem Tag doch wieder der Wind und nicht die Sonne sein, ist das kein Drama, aber fangen Sie dann einfach mit der Zeitrechnung von vorne an. Eine Woche am Stück Ausgeglichenheit ist für Sie als Ingenieur das Ziel, und wenn Sie es erreicht haben, dann schauen Sie mal, ob Sie Lust auf mehr haben.

Ein Beitrag von:

  • Renate Eickenberg

    Renate Eickenberg ist Coach, Beraterin sowie Autorin. Sie prüft für Ingenieure und Ingenieurinnen Bewerbungsunterlagen und gibt in Ihren Artikeln Karrieretipps.

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