Zurück zum alten Arbeitgeber: Wann sich eine Boomerang-Karriere lohnt
21. Oktober 2026

Der neue Job versprach mehr Gehalt, flexiblere Arbeitszeiten, bessere Aufstiegschancen. Stattdessen kam nach einigen Monaten die ernüchternde Erkenntnis: Die Arbeitsbelastung ist höher als erwartet, das Team passt nicht und die versprochenen Entwicklungsmöglichkeiten bleiben aus. Plötzlich erscheint der frühere Arbeitgeber wieder attraktiv. Aber zurückgehen, nachdem man selbst gekündigt hat?
Dieses Phänomen bezeichnet man in der Arbeitswelt als Boomerang-Karriere. Dabei kehren ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Unternehmen zurück, nachdem sie vorher gekündigt hatten. Es stellt sich eine wesentliche Frage: Ist die Rückkehr ein Rückschritt oder treibt es die eigene Karriere sogar voran?
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Boomerang-Mitarbeiter?
- Warum Beschäftigte zum alten Arbeitgeber zurückkehren
- Warum Unternehmen ehemalige Mitarbeiter zurückholen
- Ist die Rückkehr wirklich ein Karrierevorteil?
- Wann die Rückkehr zum alten Arbeitgeber keine gute Idee ist
- Zurück zum Ex-Arbeitgeber: Worauf Beschäftigte achten sollten
- Quellen
Was sind Boomerang-Mitarbeiter?
Ein Boomerang-Mitarbeiter ist jemand, der das Unternehmen aus freien Stücken verlassen hat und zu einem späteren Zeitpunkt ins Unternehmen zurückkehrt. Im Deutschen spricht man auch von Wiedereinstellungen. Die Position kann dabei die gleiche wie vorher sein oder der Wiedereinstieg ins Unternehmen ist mit einer Beförderung verbunden.
Eine Analyse der Königsteiner Gruppe aus dem Jahr 2022 unter bewerbungsaktiven Beschäftigten zeigte beispielsweise, dass 43 % der Befragten sich eine Rückkehr zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber vorstellen könnten. Internationale Arbeitsmarktdaten deuten inzwischen darauf hin, dass solche Wiedereinstellungen zunehmen. Wie verbreitet Boomerang-Karrieren tatsächlich auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind, lässt sich mangels aktueller repräsentativer Zahlen jedoch nicht zuverlässig beziffern.
Ein Beispiel für den Anstieg der Boomerang-Beschäftigten ist der US-amerikanische HR-Dienstleister ADP (Automatic Data Processing, Inc.). Wie das Onlineportal HR Brew 2025 berichtete, waren 35 % der neuen Mitarbeiter im Jahr 2024 Boomerang-Kandidatinnen und -Kandidaten – vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Warum Beschäftigte zum alten Arbeitgeber zurückkehren
Mögliche Gründe für eine Rückkehr könnten zum Beispiel sein:
- Beschäftigte sammeln bei anderen Unternehmen neue Erfahrungen und Qualifikationen und bringen diese Erfahrungen bei ihrer Rückkehr ein
- Der neue Arbeitgeber erfüllt nicht immer die eigenen Erwartungen. Erfüllt der neue Arbeitgeber die Erwartungen nicht, denken manche Beschäftigte bereits darüber nach, in der Probezeit zu kündigen.
- Früherer Arbeitgeber bietet nach dem Weggang attraktivere Arbeitsbedingungen
- Veränderte Führungskräfte oder neue Aufgaben machen eine Rückkehr interessant
- In wirtschaftlich unsicheren Zeiten kann ein bekanntes Arbeitsumfeld Sicherheit vermitteln
Nicht jede Rückkehr entsteht aus Unzufriedenheit. Manche Beschäftigte verlassen ein Unternehmen ganz bewusst, um sich weiterzuentwickeln, und kehren anschließend in einer höheren Position zurück.
Warum Unternehmen ehemalige Mitarbeiter zurückholen
Auch für die Arbeitgeberseite kann es attraktiv sein, ehemalige Beschäftigte zurückzugewinnen. Wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter die Prozesse und Unternehmenskultur bereits kennt, kann sich die Einarbeitungszeit dadurch deutlich verkürzen. Auch die mitgebrachten neuen Fachkenntnisse und Erfahrungen aus anderen Unternehmen können bereichernd für den eigenen Betrieb sein.
Gerade in technisch spezialisierten Unternehmen können Kenntnisse über Entwicklungsprozesse, Produkte, Anlagen oder interne Schnittstellen wertvoll sein. Wer beispielsweise nach einigen Jahren aus einem anderen Industrieunternehmen zurückkehrt, bringt möglicherweise zusätzliche Erfahrung mit neuen Fertigungsverfahren, Software oder Projektmanagementmethoden mit.
Ist die Rückkehr wirklich ein Karrierevorteil?
Doch ob die Vertrautheit mit dem früheren Arbeitgeber tatsächlich zu besseren Karrierechancen führt, ist wissenschaftlich keineswegs eindeutig.
Eine Studie aus dem Fachjournal Human Resource Management (2021) zeigt beispielsweise, dass Boomerang-Mitarbeiter nicht automatisch erfolgreicher sind, nur weil sie interne Abläufe schon kennen oder den Kolleginnen und Kollegen bekannt sind. Die Forschenden untersuchten dafür unter anderem 1318 zurückgekehrte Führungskräfte und verglichen sie mit externen Neueinstellungen sowie internen Beförderungen. Das Ergebnis: Im ersten Jahr waren die Leistungen vergleichbar. Langfristig entwickelten sich die anderen beiden Gruppen jedoch besser. Außerdem verließen zurückgekehrte Beschäftigte das Unternehmen häufiger erneut.
In bestimmten Positionen haben Rückkehrende allerdings tatsächlich Vorteile. Eine Studie der Academy of Management (2021) verglich dafür 2053 Boomerang-Mitarbeitende mit über 10.000 externen Neueinstellungen in einer großen Gesundheitseinrichtung. Rückkehrer erzielten zunächst bessere Leistungen, insbesondere in Positionen, die eine intensive interne Abstimmung erforderten. Das kann unter anderem auch für Ingenieurberufe spannend sein, in denen interdisziplinäre Zusammenarbeit und Kenntnisse interner Abläufe wichtig sein.
Wann die Rückkehr zum alten Arbeitgeber keine gute Idee ist
Entscheidend ist, warum jemand das Unternehmen ursprünglich verlassen hat. Sind die Probleme weiterhin vorhanden, kann die Rückkehr schnell zur Enttäuschung werden.
Mögliche Risiken sind ungelöste Konflikte mit Vorgesetzten, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten, unveränderte Arbeitsbedingungen oder unrealistische Erwartungen an die frühere Unternehmenskultur.
Auch die Frage, ob Beschäftigte tatsächlich in eine bessere Position zurückkehren oder lediglich wieder ihre frühere Tätigkeit aufnehmen, ist relevant und sollte von Arbeitnehmerseite vor der Rückkehr geklärt werden, beispielsweise in Gesprächen mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen.
Zurück zum Ex-Arbeitgeber: Worauf Beschäftigte achten sollten
Damit der Boomerang nicht in die falsche Richtung fliegt, sollten Beschäftigte vor ihrer Rückkehr einige Aspekte beachten. Folgende Fragen kann man sich beispielsweise stellen, um sicherzugehen, dass man nicht voller Illusionen ins ehemalige Unternehmen zurückkehrt:
- Warum habe ich damals gekündigt und hat sich daran etwas geändert?
- Welche neuen Aufgaben, Verantwortlichkeiten oder Entwicklungsmöglichkeiten erwarten mich?
- Kann ich meine zwischenzeitlich erworbenen Fähigkeiten einbringen?
- Wie haben sich Gehalt und Arbeitsbedingungen entwickelt?
- Würde ich mich auch ohne die gemeinsame Vergangenheit für diesen Arbeitgeber entscheiden?
Wer sich für einen erneuten Einstieg entscheidet, findet in unserem Ratgeber weitere Tipps für die Bewerbung beim früheren Arbeitgeber.




























