
Milchverarbeitung erzeugt nicht nur Lebensmittel, sondern auch große Mengen an Reststoffen, sogenannte Nebenströme. Der Molkereikonzern Meggle will einen davon künftig gezielt weiterverwerten: Am Standort in Wasserburg soll De-Laktose-Permeat (DLP) Biogas liefern und gleichzeitig als Quelle für Calciumphosphat dienen.
Das Bundesumweltministerium fördert das Vorhaben mit 7,5 Mio. € aus dem Umweltinnovationsprogramm. Ziel ist es, ein Verfahren im industriellen Maßstab zu erproben, das Energiegewinnung und Rohstoffrückgewinnung miteinander verbindet.
Phosphat aus De-Laktose-Permeat
Ausgangspunkt ist eine neue Milchprotein-Produktion, bei der größere Mengen DLP anfallen. Dieses phosphathaltige Nebenprodukt soll künftig in einem speziell entwickelten Biogasreaktor monovergoren werden. Dabei entsteht Biogas. Gleichzeitig will man Calciumphosphat als verwertbaren Rohstoff zurückgewinnen.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums sind jährlich rund 3.000 t Calciumphosphat vorgesehen. In einem weiteren Aufbereitungsschritt ließen sich daraus etwa 1.000 t hochreines Hydroxylapatit gewinnen. Der Stoff wird unter anderem in der Medizintechnik, der chemischen Industrie und der Lebensmittelindustrie eingesetzt.
Das Projekt knüpft an den bereits länger vorbereiteten Umbau der betriebseigenen Kläranlage von Meggle in Wasserburg an. Planungsunterlagen der Stadt sehen dort eine neue Abwasserbehandlungsanlage sowie eine anaerobe Behandlung mit Biogasfermentern vor. Die bestehende Anlage behandelt ausschließlich betriebliches Abwasser. Nach früheren Angaben ist sie auf rund 90.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt und verarbeitet jährlich etwa 1,5 Mio. m3 Abwasser.
Demonstrationsprojekt im industriellen Maßstab
Im Sommer 2026 stimmte die Stadt Wasserburg zudem einer Änderung der Planung für die Anaerobreaktoren zu. Vorgesehen sind drei Reaktoren mit einer Höhe von bis zu 24 m; für einen weiteren Reaktor besteht eine Option. Damit wird die Infrastruktur für die geplante anaerobe Behandlung am Standort erweitert.
Das Bundesumweltministerium ordnet das Vorhaben als Demonstrationsprojekt im industriellen Maßstab ein. Das Umweltinnovationsprogramm fördert großtechnische Vorhaben, mit denen neue Verfahren erstmals unter industriellen Bedingungen erprobt werden sollen.
Für die Bewertung des Projekts wird deshalb vor allem der spätere Betrieb entscheidend sein. Noch offen sind unter anderem die tatsächlich erreichbare Phosphatausbeute, der Biogasertrag, die Wirtschaftlichkeit und die Übertragbarkeit des Verfahrens auf andere industrielle Standorte.


















