Stuttgart baut Deutschlands größtes Solarfaltdach – es lässt sich bei Unwetter einfahren
30. Oktober 2026

Im Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen wird derzeit nach Angaben der Stadt Stuttgart das größte Solarfaltdach Deutschlands errichtet. Die Anlage überspannt eine Fläche von 17.493 m² und erreicht eine installierte Leistung von 2,745 MW(peak). Damit wird sie zudem zur größten Photovoltaik (PV)-Anlage Stuttgarts.
Das Besondere: Die Solarmodule sind nicht starr montiert, sondern hängen an Stahlseilen. Insgesamt 120 Motoren können die Modulgruppen bei starkem Wind, Schnee oder Hagel einfahren. So sollen die Module bei extremen Wetterbedingungen vor Schäden geschützt werden.
Solarstrom direkt für die Abwasserreinigung
Das Faltdach befindet sich rund 5 m über den Belebungsbecken der biologischen Reinigungsstufe. Die Konstruktion ermöglicht weiterhin den Zugang zu den Becken für Betrieb und Wartung. Die vorhandene Infrastruktur wird damit doppelt genutzt, ohne zusätzliche Freiflächen für die Stromerzeugung zu beanspruchen. „Das Solarfaltdach ist damit nicht einfach eine große PV-Anlage, sondern eine smarte Lösung, die auf bestehende Infrastruktur aufgebaut ist“, sagt Jürgen Mutz, Leiter des Tiefbauamtes.
Mit 5.280 Solarmodulen soll das Solarfaltdach jährlich mehr als 2,2 Mio. kWh Strom erzeugen. Nach Berechnungen der Stadtentwässerung Stuttgart (SES) entspricht das etwa 9 % des Strombedarfs des Hauptklärwerks.
Der Strom lässt sich unmittelbar vor Ort verbrauchen. Zu den großen elektrischen Verbrauchern zählen die Verdichter, die den Sauerstoff für die biologische Abwasserreinigung bereitstellen. Über den bestehenden Mittelspannungsring lässt sich der Solarstrom auch zu weiteren Verbrauchern auf dem Klärwerksgelände transportieren.
11 Mio. € eingeplant – Inbetriebnahme des Solarfaltdachs verzögert sich
Bereits im Juni 2023 hatte der Stuttgarter Gemeinderat das Projekt beschlossen und dafür ein Investitionsvolumen von rund 11 Mio. € vorgesehen. Davon entfielen rund 7,8 Mio. € auf den Auftrag für das Solarfaltdach. Ob sich der ursprüngliche Kostenrahmen weiterhin einhalten lässt, ist aktuell noch nicht bekannt.
Auch der Zeitplan hat sich erheblich verschoben: Laut damaliger Beschlussvorlage sollte die Anlage bereits im März 2025 in Betrieb gehen. Nun ist die erste Stromerzeugung für 2027 vorgesehen. Zwischen ursprünglichem und aktuellem Termin liegen damit gut zwei Jahre. Als Grund für frühere Verzögerungen nannte die Stadt gegenüber der Stuttgarter Zeitung umfangreichere bauliche Anpassungen für die Verankerung und die Stahlstützen.
Technische Integration bei laufendem Klärwerksbetrieb
Im Jahr 2025 wurden Rückbauarbeiten und bauliche Anpassungen an den bestehenden Becken vorgenommen. Seit Juni 2026 läuft die Montage der Tragkonstruktion und der Faltdachgruppen durch das Schweizer Unternehmen dhp Technology. Für die Konstruktion wurden nach Angaben der Stadt rund 250 t Stahl verbaut.
„Die Herausforderung liegt darin, eine PV-Anlage dieser Größe in die laufende Klärwerksinfrastruktur zu integrieren“, erläutert Lars Färber, Chief Operating Officer von dhp Technology.
Die elektrische Anbindung ist für den Winter 2026/2027 vorgesehen. Wenn alles gut läuft, soll das Solarfaltdach dann erstmal im 2. Quartal 2027 Strom liefern.




















