
Meterdicke Schichten fehlen, der größte Teil des Kometen bleibt: So lässt sich eine neue Berechnung zu 3I/ATLAS zusammenfassen. Allein durch entweichendes Gas hat der interstellare Besucher demnach etwa 0,4 bis 1,25 % seiner ursprünglichen Masse verloren. Hinzu kommt ausgestoßener Staub.
Tessa Frincke und Darryl Seligman von der Michigan State University haben dafür veröffentlichte Messungen ausgewertet. Ihre Studie erschien am 13. Oktober 2026 als angenommenes Manuskript in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.
Inhaltsverzeichnis
Wie aus Gasverlust eine Schichtdicke wird
Nähert sich ein Komet der Sonne, erwärmen sich seine gefrorenen Bestandteile. Eis geht direkt in Gas über – dieser Vorgang heißt Sublimation. Das Material entweicht und trägt zur Gas- und Staubhülle um den Kern bei.
Frincke und Seligman führten Messungen vor und nach der größten Sonnennähe zusammen. Aus den Freisetzungsraten berechneten sie den Masseverlust entlang der Flugbahn. Für die Umrechnung in eine Abtragstiefe nahmen sie einen kugelförmigen Kern mit anfangs 1,3 km Radius und einer kometentypischen Dichte an.
Das Ergebnis: Der Gasverlust entspricht einer rund 1,7 bis 5,2 m dicken Schicht, gleichmäßig über die Oberfläche verteilt. Die tatsächliche Landschaft des Kometen bildet dieser Wert nicht ab. Einzelne Bereiche können stärker oder schwächer abgetragen worden sein.
Wie vielfältig die Aktivität aussieht, zeigen auch die Aufnahmen der ESA-Sonde Juice von 3I/ATLAS: Sie erfassten unter anderem Jets und fadenartige Strukturen in seiner Umgebung.
Staub vergrößert den berechneten Verlust
Mit dem Gas verliert der Komet feste Partikel. Unter Annahme verschiedener Staub-Gas-Massenverhältnisse ergeben sich deshalb auch Abtragstiefen von mehr als 10 m.
Die Spannweite hängt außerdem davon ab, welchen Zeitraum die Rechnung umfasst: nur beobachtete Aktivitätsphasen oder zusätzlich Zeiträume, für die das Team den Ausstoß rechnerisch ergänzt. Die Forschenden bezeichnen ihre Ergebnisse ausdrücklich als Näherungen und Untergrenzen auf Basis lückenhafter Beobachtungsdaten.
Warum die verlorenen Schichten interessant sind
3I/ATLAS transportiert Material aus einem anderen Planetensystem. Doch kosmische Strahlung kann seine äußeren Schichten während der Reise chemisch verändert haben. Die heute gemessene Zusammensetzung muss deshalb nicht unverändert die Bedingungen seiner Entstehung wiedergeben.
Der Abtrag könnte weniger verändertes Material freigelegt haben. Nachgewiesen ist das bislang nicht; wie tief die Erosion reicht, hängt insbesondere von der verlorenen Staubmenge ab. Die Berechnung hilft nun, austretende Stoffe möglichen Tiefen im Kern zuzuordnen.
Dass sich ein genauer Blick auf die Chemie lohnt, zeigt bereits der ungewöhnlich hohe Deuteriumgehalt im Wasser von 3I/ATLAS. Solche Messungen liefern Hinweise auf die Umgebung, in der der Komet entstand. Die neue Arbeit ergänzt dazu eine konkrete Frage: Aus welcher Tiefe stammt das untersuchte Material?
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