06.08.2013, 13:17 Uhr | 0 |

Hoher Preis ist egal Schon 62 Prozent der Handys in Deutschland sind Smartphones

Das Smartphone verdrängt das klassische Mobiltelefon in die Nische: 62 Prozent aller in Deutschland benutzten Handys waren im ersten Quartal dieses Jahres Smartphones. Ein Trend, der wohl nicht mehr umzukehren ist: Für 70 Prozent ist es die vielseitige Funktionalität, die sie zum Smartphone greifen lässt. Der Preis spielt dabei praktisch keine Rolle.

Warten auf das erste iPhone
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Mit dem ersten iPhone von Apple begann der weltweite Siegeszug des Smartphones. Im Bild die ersten Käuferschlangen am 29. Juni 2007 vor einem AT&T-Store in New York. Inzwischen beherrschen Samsung und Apple den Markt für Smartphones. Derzeit erreichen Smartphones einen Anteil von 62 Prozent aller Mobiltelefone in Deutschland. So viele wie noch nie.

Foto: Wikipedia/Padraic Ryan

Das klassische Handy ist endgültig ein Auslaufmodell. Im ersten Quartal des Jahres 2013 waren 62 Prozent aller Handys in Deutschland Smartphones. Ein halbes Jahr zuvor waren es noch 54 Prozent. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Marktforscher von Nielsen. Es ist vor allem das deutliche Mehr an Funktionalität, das die Menschen zum Kauf von Smartphones motiviert. 70 Prozent gaben an, dass die Funktionalität das ausschlaggebende Kriterium war, ein Smartphone zu erwerben.

iPhone-Nutzer sind extrem markentreu

Bei iPhone-Nutzern ist die Funktionalität sogar noch viel wichtiger. Hier sind es sogar 77 Prozent, für die die Funktionalität überproportional wichtig ist. Die Apple-Jünger sind auch – wen wundert es – ziemlich markentreu: 12 Prozent gaben an, dass ihnen die Marke ziemlich wichtig ist. Geht es um ein neues Smartphone, so sind die iPhone-Nutzer schon fast so etwas wie eine verschworenen Gemeinschaft: 93 Prozent von ihnen wollen sich wieder ein iPhone zulegen. Verblüffend: Exakt genauso viele wollen dem iOS-Betriebssystem treu bleiben.

Bei den anderen Smartphone-Nutzern fanden hingegen nur sieben Prozent, dass ihnen die Marke wichtig ist. Das spiegelt sich auch in der Frage der Neuanschaffung wieder. So sind es beim Hersteller Samsung, der in Deutschland die meisten Smartphones absetzt, immerhin 73 Prozent, die sich auch beim nächsten Smartphone wieder für ein Modell der Koreaner entscheiden wollen. Beim Betriebssystem Android sind es nur 62 Prozent, bei denen die Zufriedenheit so groß ist, dass sie auch beim nächsten Smartphone unter Androids Fittiche bleiben wollen.

Der Preis ist nur für acht Prozent ausschlaggebend

Interessant ist auch, dass der Preis nur für acht Prozent der Smartphoner eine wesentliche Rolle spielt. Aber immerhin haben alle großen Smartphone-Hersteller inzwischen reagiert und ihren Flaggschiffen eine preiswertere Mini-Ausgabe an die Seite gestellt.

Platzhirsch in Deutschland ist weiterhin sehr unangefochten die koreanische Firma Samsung. 41 Prozent besitzen hierzulande ein Smartphone von Samsung, Apples iPhone bleibt dabei mit 21 Prozent Anteil weit abgeschlagen auf Platz 2. Schlusslichter sind der einstige Handy-Riese Nokia mit 9 Prozent, Sony Mobile mit 8 Prozent und LG mit 3 Prozent. 61 Prozent nutzen das Google-Betriebssystem Android, Apples iOS kommt auf 21 Prozent der Geräte zum Einsatz.

SMS ist am populärsten

Bei all den Features und Möglichkeiten, die so ein modernes Smartphone von Hause aus mitbringt, ist es ausgerechnet die altbackene SMS, die sich immer noch größter Beliebtheit erfreut. Die Analysten von Nielsen haben erstaunlicherweise herausgefunden, dass die SMS das populärste Feature auf dem Smartphone ist. Ausgerechnet die SMS, die ein Abfallprodukt der mobilen Kommunikation ist, denn sie war ursprünglich ein Teil des Signalisierungskanals zum Rufaufbau.

Früher wurde es sogar kostenlos angeboten, kurze Textnachrichten von bis zu 160 Zeichen über ein mobiles Endgerät zu verschicken. Die etwas seltsame Begrenzung auf die 160 Zeichen ergibt sich aus der Tatsache, dass die meisten Postkarten und Telexe um 1985, als der Short Messenger Service (SMS) entwickelt wurde, eben nicht mehr als 160 Zeichen transportieren.

Am 3. Dezember 1992 war es dann soweit: Die erste SMS mit dem Inhalt „Merry Christmas“ wurde von einem Computer aus an ein mobiles Endgerät verschickt. Mit Erfolg. Die SMS wurde zum größten Ertragsbringer der Anbieter mobiler Kommunikation und ist bis heute populär. Aber die anderen Möglichkeiten der mobilen Kommunikation holen auf. So sind das Surfen im Web, E-Mails und der Zugriff auf die sozialen Netzwerke im Kommen und werden wesentlich häufiger genutzt, als in früheren Erhebungen.

Apps und selbst installierte Spiele werden immer beliebter

Es würde auch sehr verwundern, wenn dies anders wäre. Denn wenn einerseits die Funktionalität für jeden zweiten Smartphone-Nutzer so immens wichtig ist, wäre es sonderbar, genau diese Funktionalität nicht zu nutzen. Wer mit einem mobilen Endgerät nur telefonieren will und ein paar SMS absetzen will, für den reicht ein normales Handy aus, das wesentlich billiger ist.

Aber der Trend bestätigt sich auch beim mobilen Spieleverhalten der Smartphone-Nutzer. Die vorinstallierten Spiele werden immer weniger gespielt, gedaddelt wird auf selbst heruntergeladenen Spielen oder gegen andere Gegner im Internet. Das genau sind aber eben die Features, die ein konventionelles Handy nicht bieten kann. Deshalb der Trend zum Smartphone.

Die Deutsche Telekom verkauft in Deutschland mit 39 Prozent die meisten iPhones, gefolgt von Vodafone und O2 mit jeweils 20 Prozent. E-Plus setzt hierzulande am wenigsten Smartphones ab und kommt auf 10 Prozent. Dafür drückt E-Plus aber fast die Hälfte – nämlich 47 Prozent – aller Samsung-Smartphones in den Markt. Die meisten Handynutzer schließen heute einen Vertrag mit einem Provider ab: 77 Prozent sind unter der Haube, nur 23 Prozent wollen vertragsfrei bleiben und setzen auf die Prepaid-Card.

Mobilfunk begann im Jahre 1926 im Zug

Es war auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin in den Zügen der Deutschen Bahn und Reichspost, mit der die Entwicklung des Mobilfunks im Jahre 1926 begann. Auf dieser Strecke wurde Reisenden der 1. Klasse ein Telefondienst im Zug angeboten. Erich Kästner verarbeitete die neue Idee einer Kommunikation ohne Kabel im Jahre 1931 zu einer erstaunlich aktuellen literarischen Idee: In seinem Kinderbuch „Der 35. Mai oder Konrad will in die Südsee“ findet sich eine Stelle, die schmunzeln lässt: „Ein Herr, der vor ihnen auf dem Trottoir langfuhr, trat plötzlich aufs Pflaster, zog einen Telefonhörer aus der Manteltasche, sprach eine Nummer hinein und rief: ‚Gertrud, hör mal, ich komme heute eine Stunde später zum Mittagessen. Ich will vorher noch ins Laboratorium. Wiedersehen, Schatz!‘“ Wer kennt solche wichtigen Mitteilungen heute nicht aus Bus und Bahn.

Wegbereiter für die Smartphones war das iPhone

Es war ein weiter Weg von dem Mann, der seiner Gertrud das verspätete Mittagessen ankündigte, bis zum 9. Januar 2007, als Steve Jobs auf der Macworld Conference & Expo in San Francisco das erste iPhone vorstellte. Staunend sahen die Menschen, wie man durch das Wischen über eine Glasoberfläche Bilder vergrößern und Anwendungen öffnen konnte. Im November 2007 war es dann auch in Europa soweit. Exklusiv über T-Mobile wurde das Wundergerät für 399 Euro in Deutschland verkauft. Damit war der Damm gebrochen. Das schicke Gerät war cool, exklusiv, modern und so derartig funktional und vielseitig, dass der doch recht hohe Preis nicht wirklich ein Problem darstellt.

Dann gab es kein Halten mehr, Deutschland wurde smart. Alles in Allem ist die Abdeckung der deutschen Bevölkerung mit mobilen Endgeräten inzwischen ziemlich gut. Es sind nur noch sechs Prozent der 16- bis 64-Jährigen, die überhaupt kein Mobiltelefon besitzen. Anders gesagt: 94 Prozent aller Deutschen in dieser Altersgruppe haben eines. Und die meisten von ihnen, nämlich 62 Prozent, haben ein Smartphone. Die Totenglocken für das normale Handy, sie läuten schon. Vom Festnetzanschluss einmal ganz zu Schweigen.

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Von Detlef Stoller
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