26.01.2015, 11:39 Uhr | 0 |

215 Kubikmeter pro Sekunde Grönlands Schmelzwasserseen lassen Gletscher schneller schmelzen

Gigantische Schmelzwasserseen auf Grönland, die sich mit einem Male leeren und in kurzer Zeit wieder auffüllen, bedrohen die Gletscher in beängstigender Weise. Die Wärme der Wassermassen lassen das Eis noch schneller schmelzen als bisher gedacht. Zwei Forscherteams fanden unabhängig voneinander Hinweise für diese Veränderung.

Entleerter Kratersee auf Grönland
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Das war mal ein Kratersee: Die Luftaufnahme vom April 2014 zeigt links im Bild den Krater, der kurz zuvor noch mit Wasser gefüllt war. Rechts deutlich zu sehen durch großen Risse im Eis, durch die große Wassermassen an den Grund der Gletscher fließen kann.

Foto: Stephen Price/Los Alamos National Lab/The Ohio State University.

Mit dem Schmelzwasser von der Oberfläche kommt Wärme unter das Eis und bildet dort unterirdische Seen zwischen Fels und Eis. Der Eispanzer des Gletschers wird dabei von unten erwärmt, was auch zur Beschleunigung des Eisflusses auf dem Fels führt. Durch immer wieder neues Auffüllen gelangt aber auch immer neue Wärme in das Eisschild. Forscher beobachten diesen Vorgang mit großen Sorgen.

„Diese Wärme, die vom eingeschlossenen Schmelzwasser ausgeht, weicht das umgebende Eis auf, was zu einer Erhöhung des Eisflusses führen kann", beschreibt der Gletscher- und Eisforscher Michael Willis von der Cornell University in Ithacaim US-Staat New York, die dramatische Veränderung in Grönland. Jeden Sommer sehen Wissenschaftler, wie sich strahlend blaue Ströme auf dem grönländischen Eis bilden, wenn warme Luft den Schild schmilzt“, berichtet Robin Bell von der Columbia University in New York im Fachblatt Nature.

40 Jahre alter See in wenigen Wochen abgeflossen

Die Entdeckung machten die beiden Forscherteams im Zuge ganz anderer Forschungsprojekte. Während ein Forscherteam um Ian Howat von der Ohio State University in Columbia eigentlich damit beschäftigt war, im Südwesten Grönlands Satelliten- und Luftaufnahmen für die Erstellung einer Eisschildkarte Grönlands zu machen, entdeckten sie vom Flugzeug aus einen gigantischen Krater nur etwa 50 Kilometer von der Küste entfernt.

25 Milliarden Liter Wasser haben sich in dem etwa 70 Meter tiefen Krater mit einem zwei Kilometer breiten Durchmesser bis zum Jahr 2011 befunden. Dann ist das Wasser des Gletschersees im Herbst 2011 innerhalb von nur wenigen Wochen mit einer Geschwindigkeit von 215 Kubikmeter pro Sekunde abgeflossen. Das dort über 40 Jahre lang angesammelte Wasser lief komplett in das Eisschild. Seitdem hat sich der Gletschersee schon wieder um die Hälfte gefüllt.

„Die Tatsache, dass der See für mehrere Dekaden stabil war und dann nach einigen sehr heißen Sommern innerhalb weniger Wochen oder schneller ablief, könnte ein Signal dafür sein, dass im Eisschild eine fundamentale Veränderung stattfindet", beschreibt Glaziologe Howat die katastrophale Entwicklung im Fachblatt The Cryosphere.

An geologischen Maßstäben gemessen erscheint Howat der extrem schnelle Wasserabfluss katastrophal. Die Entdeckung, dass Wasser in Seen unterhalb des Eises gespeichert werden kann, zeige auch, wie die Wasserzufuhr auf der Oberfläche mit der Wasserzufuhr am Grund verbunden ist.

Auch unterirdische See füllen und leeren sich immer wieder

Eine ähnliche Entdeckung machte Michael Willis von der Cornell University mit seinen Kollegen im Nordosten Grönlands. Auch sie entdeckten einen Krater, der Hinweise auf einen unterirdischen Gletschersee gibt. Den Beweis erbrachten Radarmessungen.

Sie zeigten ein riesiges Wasserreservoir in einem 8,4 Quadratkilometer großen Loch, das sich etwa 540 Meter unter dem Eisschild in 75 Meter Tiefe befindet. Dieser unterirdische Gletschersee hatte sich nach deren Erkenntnissen in zwei Jahren schon zweimal geleert und wieder aufgefüllt.

Steigende Anzahl an oberirdischen Seen

Während die unterirdischen Seen den Forschern große Sorgen bereiten, stellten sie jedoch auch eine zunehmende Zahl an oberirdischen Seen auf Grönland fest, sogar in höheren Lagen im Inneren des Landes. Jetzt befürchten sie, dass auch diese Wassermassen in das Eis fließen könnten. Das würde den Schmelzprozess noch einmal dramatisch beschleunigen, fürchten die Forscher.

Etwa 1,8 Millionen Quadratkilometer Grönlands sind mit dicken dauerhaften Eisflächen bedeckt. Sie bilden das weltweit zweitgrößte Eisschild nach der Antarktis. 

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Von Petra Funk
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