Folgen des Klimawandels 17.12.2014, 13:13 Uhr

Eisschmelze in Grönland geht schneller als gedacht

US-Wissenschaftler warnen: Das arktische Eis schmilzt schneller als bislang angenommen. In den letzten Jahren haben sich jährlich 277 Kubikkilometer Eis in Wasser verwandelt ­– genug, um jedes Jahr fünf Mal den Bodensee zu füllen. 

Allein durch das Schmelzwasser aus Grönland könnte das Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 22 Zentimeter steigen. Der Weltklimarat IPCC ging bislang in schlimmsten Fall von 84 Millimetern aus. 

Allein durch das Schmelzwasser aus Grönland könnte das Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 22 Zentimeter steigen. Der Weltklimarat IPCC ging bislang in schlimmsten Fall von 84 Millimetern aus. 

Foto: Ulrich Scharlack/dpa

Der Klimawandel und die damit eingehende Abschmelze des arktischen Eises sind ein Horrorszenario der Gegenwart. Die Erdbevölkerung kann sich ziemlich sicher auf ein Tauen der Eismassen und einen damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels gefasst machen. Wie ein Team von Wissenschaftlern von der Universität Buffalo im US-Bundesstaat New York jetzt im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichtet, geht das Ganze schneller und dazu komplexer vor sich als bisher gedacht.

Forscher werten NASA-Satellitendaten aus 20 Jahren aus

Die Wissenschaftler aus Buffalo haben Satelliten- und Luftaufnahmen der US-Weltraumagentur NASA aus rund 20 Jahren ausgewertet, die im Rahmen der Missionen ICESat, IceBridge und einer Reihe kleinerer Projekte gesammelt wurden. Daten von fast 100.000 Messpunkten in ganz Grönland standen der internationalen Forschergruppe zur Verfügung. An jeder dieser Stellen war die Eishöhe in den Jahren 1993 bis 2012 mit Hilfe von Laserhöhenmessern beobachtet worden.

Am Jakobshaven-Gletscher in Grönland lässt sich das Tempo der Eisschmelze gut beobachten: Zwischen 2003 und 2012 nahm die Dicke der Eisschicht um bis zu 36 Meter ab. 

Am Jakobshaven-Gletscher in Grönland lässt sich das Tempo der Eisschmelze gut beobachten: Zwischen 2003 und 2012 nahm die Dicke der Eisschicht um bis zu 36 Meter ab. 

Foto: NASA

Die Gruppe um die Geophysikerin Beata Csatho hat im Wesentlichen zwei Dinge festgestellt: Zum einen schmilzt jedes Jahr mehr Eis als gedacht, und zum anderen geschieht das auf sehr komplexe Art und Weise. So seien zum Beispiel in den Jahren 2003 bis 2009 durchschnittlich 243 Gigatonnen Eis pro Jahr geschmolzen. Das sind jedes Jahr 277 Kubikkilometer Eis, die sich jeweils in eine Wassermasse verwandelt haben, die den Bodensee fünfmal füllen würde. Der Effekt auf den Meeresspiegel: ein Plus von 0,68 Millimetern pro Jahr.

Auslassgletscher reagieren unterschiedlich auf Klimawandel

Allerdings, so betonen die Forscher, handele es sich dabei um Durchschnittswerte: das Schmelzverhalten und ebenso die Menge variiere von Jahr zu Jahr, und auch die Region spiele eine Rolle. Je nach örtlichem Klima, geologischen Bedingungen und Wasserhaltigkeit des Untergrunds verhalten sich die 250 Auslassgletscher von mehr als 1,5 Kilometern Breite in Grönland unterschiedlich. Während die einen erwartungsgemäß schrumpfen, je wärmer es wird, scheinen andere zunächst dicker zu werden oder wechseln ihr Verhalten ab – Phänomene, die bei bisherigen Beobachtungen von nur vier einzelnen Gletschern nicht berücksichtigt werden konnten.

Die Forscher werteten Satellitendaten der NASA-Mission ICESat aus, um sich ein Bild über die Geschwindigkeit der Eisschmelze zu machen. 

Die Forscher werteten Satellitendaten der NASA-Mission ICESat aus, um sich ein Bild über die Geschwindigkeit der Eisschmelze zu machen. 

Foto: NASA

Um zukünftige Beobachtungen zu vereinfachen, haben die Forscher die grönländischen Gletscher jetzt in sieben unterschiedliche Gruppen eingeteilt. An diesen ist ablesbar, wie der Gletscher in welchem Maß auf den Klimawandel reagiert und ob er repräsentativ für das große Ganze ist.

Gletscherseen beschleunigen den Schmelzprozess

In Bezug auf die Zukunft ist das Forscherteam wenig optimistisch: Der Schmelzprozess werde eher schneller als langsamer, glauben die Wissenschaftler. Dazu passt auch eine Studie von Forschern der britischen Universität Leeds. Wie sie in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ darlegten, werde der Schmelzprozess durch die entstehenden Gletscherseen noch mehr beschleunigt als angenommen.

Bisher ging man davon aus, dass man die sogenannten supraglazialen Seen bei der Gletscherschmelze eher vernachlässigen könne. Diese Seen entstehen, wenn sich Schmelzwasser in Gletscherspalten sammle. Allerdings zögen die Seen deutlich mehr Sonnenlicht an als gedacht, außerdem geben sie Sickerwasser ab. Beides beschleunigt das Abschmelzen des Eises, was wiederum zu neuen supraglazialen Seen führe. Bis 2060 könne sich der derzeit 56 Kilometer breite Küstenstreifen mit Seen dieser Art auf bis zu 110 Kilometer nahezu verdoppeln, warnen die Briten.

Damit könne der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 22 Zentimeter steigen – allein durch Schmelzwasser aus Grönland, prophezeien die Wissenschaftler. Das wäre knapp viermal so viel pro Jahr wie in den Jahren 2003 bis 2009 und etwa dreimal so viel wie das, was der Weltklimarat IPCC selbst im schlimmsten Fall – 84 Millimeter – schätzt. 

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