17.08.2017, 13:47 Uhr | 1 |

Ford liefert Basis Die Post baut ihre Elektrotransporter lieber selbst

Die Post macht wirklich ernst als Fahrzeugbauer: Gemeinsam mit Ford hat die Post jetzt einen ausgewachsenen Transporter vorgestellt, der rein elektrisch Waren zustellen soll. Schon im nächsten Jahr könnten im Werk Aachen über 2.000 Transporter auf Basis des Ford Transit vom Band rollen.

StreetScooter XL der Deutschen Post DHL
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Die Deutsche Post DHL baut ihre Elektrotransporter selbst. Die Basis stammt von den Kölner Ford-Werken.

Foto: Lothar Stein/Ford-Werke Köln

Mögliche Fahrverbote für Dieselautos in Städten, die unter hohen Stickoxidkonzentrationen leiden, können die Deutsche Post nicht schrecken. Sie wird nach wie vor Pakete ausliefern können, selbst wenn es um größere Mengen geht. Gerade hat sie den StreetScooter WORK XL vorgestellt, den die Post-Tochter StreetScooter aus Aachen und der Kölner Fahrzeughersteller Ford gemeinsam entwickelt haben.

Der XL ist das bisher größte rein elektrisch angetriebene Auslieferfahrzeug für Pakete. Noch in diesem Jahr sollen 150 dieser Fahrzeuge in Aachen produziert werden. Im nächsten Jahr sollen es schon 2.350 sein.

Die Basis ist ein Ford Transit

Das Modell XL ist der erste StreetScooter, der nicht komplett vom Aachener Unternehmen entwickelt worden ist. Das Unternehmen ist als Ausgründung der RWTH Aachen entstanden, 2014 hatte die Post den kleinen Hersteller übernommen.

Der große StreetScooter XL basiert auf einem Ford Transit, dessen Dieselmotor und Getriebe durch einen elektrischen Antriebsstrang ersetzt worden sind. Er hat ein Ladevolumen von bis zu 20 Kubikmetern, was  etwa 200 Paketen entspricht.

Das Fahrzeug kommt bei einer Motorleistung von 150 Kilowatt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 85 Kilometern pro Stunde. Je nach Größe der eingebauten Batterien – sie haben Kapazitäten zwischen 30 und 90 Kilowattstunden – beträgt die Reichweite 80 bis 200 Kilometer.

Der XL ist für 200 Stopps und Starts pro Schicht ausgelegt. Er wird an 300 Tagen des Jahres in Betrieb sein. Der Ladevorgang dauert lediglich drei Stunden, weil die Stationen, die die Batterien füllen, eine Leistung von stolzen 200 Kilowatt haben.

Jeder Transporter spart fünf Tonnen Kohlendioxid

Der Fahrer kann, wie es bei Fahrzeugen dieser Art üblich ist, direkt in den Laderaum gehen und sich dort die Pakete schnappen, die am Haltepunkt ausgeliefert werden sollen. Die Pakete liegen in Regalen. Durch eine Schiebetür an der rechten Fahrzeugseite verlässt der Paketbote seinen E-Transporter.

Pro Jahr und Fahrzeug spart der XL rund fünf Tonnen Kohlendioxid (CO2) und 1900 Liter Diesel ein. Hochgerechnet auf 2500 Fahrzeuge, die Ende nächsten Jahres in Betrieb sein sollen, sind das jährlich 12.500 Tonnen CO2 und 4,75 Millionen Liter Dieselkraftstoff.

„Der XL ist das optimale Fahrzeug für die Paketzustellung in Großstädten und Ballungsräumen“, unterstreicht Post-Vorstand Jürgen Gerdes. „Er wird uns in die Lage versetzen, die wachsenden Paketmengen noch umweltfreundlicher – nämlich schadstofffrei – und leiser zu bewältigen.“

30.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant

Bisher werden alle StreetScooter sowie die elektrisch angetriebenen Fahrräder, die die Post einsetzt, in Aachen hergestellt. Darunter ist auch der StreetScooter Work, ein kleinerer Transporter, der derzeit in Deutschland Innenstädten für die letzte Meile eingesetzt wird. 10.000 von diesem Transporter will die Post allein in diesem Jahr bauen.

Um den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein, plant der gelbe Riese den Bau eines zweiten Werkes in Nordrhein-Westfalen. Den Standort will Gerdes im Herbst bekanntgeben. „Wenn wir dann an beiden Standorten voll produzieren, könnten wir pro Jahr 30.000 Fahrzeuge ausliefern“, so der Post-Manager.

Die E-Transporter werden nicht nur von der Post genutzt, sondern auch von Drittkunden. Der Fischhändler Deutsche See etwa bringt seine Waren elektrisch zum Kunden.

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Von Wolfgang Kempkens
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kommentare
24.08.2017, 18:35 Uhr Ulrich Bösader
Die 12500 Tonnen Kohlendioxid werden nicht eingespart ,sondern wo anders in die Luft geblasen. Der meiste Strom wird noch in Kraftwerken erzeugt die Kohle oder Gas verbrennen. Ohne diese Kraftwerke wäre eine sichere Stromversorgung vor allem der Industrie in Deutschland noch nicht gewährleistet.

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