03.03.2017, 12:49 Uhr | 1 |

Nur Software steuert Robocar: Der erste autonome Elektrorennwagen ohne Cockpit

Stehen demnächst Software-Ingenieure nach einem Autorennen auf dem Siegertreppchen? Möglich wäre das, wenn der jetzt auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona vorgestellte autonom fahrende Elektrorennwagen Robocar in der Formel E an den Start geht. Auf jeden Fall ist der Rennwagen richtig schnell.

Robocar
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Im Rampenlicht: Roborace-Chef Denis Sverdlov und sein Chefdesigner Daniel Simon (li.) präsentierten auf dem Mobile World Congress in Barcelona das Robocar. Der Rennwagen fährt voll autonom und elektrisch.

Foto: Roborace

Wer fährt am besten ohne Fahrer? Die Rennserie Roborace, die ab diesem Jahr im Rahmen der Formel E starten wird, hat in Barcelona ihr erstes Robocar vorgestellt, einen autonom fahrenden Rennwagen. Bei den Roboraces, die künftig im Rahmenprogramm der Elektro-Rennserie Formel E des Rennsportverbandes FIA stattfinden, ist kein Fahrer an Bord. Die Boliden fahren autonom, gesteuert durch Software.

Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h

Die Eckdaten: Das Robocar ist 4,8 m lang und gut 2 m breit. Karosserie und Fahrgestell sind aus einem Kohlenstofffaser-verstärkten Kunststoff. Angetrieben wird das Rennauto von vier Elektromotoren mit je 300 kW Leistung, mit denen es eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h erreichen kann. Das Gewicht des Autos liegt bei 975 kg. Beschleunigen soll das Robocar in weniger als zwei Sekunden von Null auf 100 km/h.

Für die sichere Navigation auf der Rennstrecke soll ein ganzes Arsenal an Sensoren sorgen: 5 Lidar-, 2 Radar-, 18 Ultraschallsensoren, 2 optische Geschwindigkeitssensoren, 6 KI-Kameras und ein Satellitennavigationssystem. Die Motoren und Akkus der Elektrorenner liefert die britische Firma Charge, Michelin stellt die Reifen.

Das Robocar entworfen hat Daniel Simon. Und das ist kein Unbekannter: Simon entwirft Autos und Motorräder für Autohersteller wie VW und Bugatti sowie für Science-Fiction-Filme der Disney Studios wie Tron Legacy.

Obwohl das Robocar echt cool und futuristisch aussieht, bei diesem Auto kommt es vor allem auf die „inneren Werte“ an – die künstliche Intelligenz. Und die heißt Drive PX2 brain und stammt von Nvidia. Dieses „Gehirn“, ein Nvidia-Chip, schafft bis zu 24 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde.

Entwicklung von Roboterautos vorantreiben

Es ist eine offene KI-Plattform, auf der künftig Ingenieure der verschiedenen Roborace-Teams ihre eigene Software für autonomes Fahren entwickeln können. Roborace-Chef Denis Sverdlov und Chefdesigner Daniel Simon, die das erste gebaute Robocar in Barcelona vorstellten, wollen so die Entwicklung von Roboterautos vorantreiben.

Mit der Formel E gibt es bereits seit 2014 eine Plattform, um E-Mobilität im Kontext von Motorsport vorwärts zu bringen. Im Februar 2016 startete Roborace beim E-Prix in Buenos Aires beim ersten autonomen Rennen mit seinen selbstfahrenden Prototypen namens Devbot 1 und Devbot 2. Beim Devbot handelt es sich um einen Robocar-Vorläufer, der im Gegensatz zu diesem noch eine Fahrerkabine aufweist. Er kann von einem Menschen ebenso wie vom Rechner gesteuert werden.

In Buenos Aires waren beide Devbots fahrerlos unterwegs. Bei einem ging es schief: Wegen zu hoher Geschwindigkeit flog ein Devbot in Argentinien aus der Kurve und landete in der Streckenabsperrung. Jetzt muss das Robocar beweisen, dass es dazu gelernt hat.

Chancengleichheit bei der Hardware

Wann genau das Robocar erstmals vor Publikum auf die Strecke gehen wird, ist noch unklar. Klar formuliert ist das Ziel von Roborace-Chef Sverdlov: „Wir wollen unbedingt eine emotionale Bindung zu fahrerlosen Fahrzeugen schaffen und dadurch Menschen und Roboter näher zusammen bringen.“ Designer Simon hat diese Bindung schon: „Es ist ein großartiges Gefühl, dieses Biest nun von der Leine zu lassen.“

Zumal am Design des Deutschen nichts verändert wird. Alle Teams werden äußerlich das gleiche Robocar verwenden. So soll sichergestellt werden, dass bei der Hardware Chancengleichheit herrscht – und sich alle Bemühungen auf die Weiterentwicklung der Software konzentrieren.

Was fürs Auge haben wir Ihnen hier anzubieten: die Siegerentwürfe der Michelin Design Challenge für das legendäre Langstreckenrennen von Le Mans.

Und eine spektakuläre McLaren-Studie zur Zukunft in der Formel 1 finden Sie auf dieser Seite.

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Von Martina Kefer
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kommentare
03.03.2017, 14:08 Uhr heldheiko
Wie geil ist das denn? Wieso wird sowas nicht stärker medial beworben?

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