22.10.2014, 15:51 Uhr | 0 |

Schweizer Stahlbaupreis 2014 Architekten begeistern Jury mit virtuosen Stahlbauten

Wie kreativ und virtuos man im Umgang mit Stahl sein kann, beweisen vier Preisträger des Schweizer Stahlbaupreises 2014: Zu ihnen zählen Architekten der Baseler Birsbrücke, die den Stahlkoloss sensibel an die Landschaft angepasst haben. Eine Anerkennung erhielt die 344 Meter lange Panoramabrücke in Sigriswil. 

Die 344 Meter lange Hängebrücke in Sigriswil
Á

Kein Preis, aber eine Anerkennung, erhielt die Hängebrücke in Sigriswil im Kanton Bern. Sie ist ein Teil des Panoramarundweges Thunersee und spannt sich 344 Meter lang über eine 178 Meter tiefe Schlucht. 

Foto: Urs Schott

Vor wenigen Tagen ist er zum fünften Mal vergeben worden – der Schweizer Stahlbaupreis Prix Acier, den das Stahlbau-Zentrum Schweiz alle drei Jahre ausschreibt. Aus den eingereichten 35 Projekten, alles Neubauten, hat die Jury insgesamt vier Bauten mit Auszeichnungen und noch einmal vier mit Anerkennungen prämiert.

Was die prämierten Objekte – ein Straßenbahndepot, ein Ausbildungszentrum, eine Brücke und eine Fußgängerverbindung – gemeinsam haben, ist offensichtlich: Sie alle haben die Möglichkeiten, die der Baustoff Stahl bietet, technisch und architektonisch virtuos ausgenutzt.

Birsbrücke bei Basel: große Spannweite bei leichter Konstruktion

So hat die 75,5 Meter lange Birsbrücke bei Basel eine Konstruktionshöhe von lediglich 68 Zentimetern, was einer 72-fachen Spannweite entspricht. Schlank und leicht, mit einem sanften Bogen, führt die Brücke über die Birs in einem stark frequentierten Naherholungsgebiet von Basel. Die Vorgabe, sich der sensiblen Landschaft anzupassen, haben die Architekten Christ & Gantenbein aus Basel in den Augen der Jury meisterhaft gelöst.

Das Problem der Eigenfrequenzen der Brücke, das bei solchen Leichtbauweisen auftreten kann, haben die Architekten vermieden, indem sie die gesamte Spannweite in zwei Felder unterteilt haben: eine Spannweite mit 50,5 und eine mit 25 Meter. So kann die Brücke schlank und trotzdem steif sein.

Stahl lässt sich gut kombinieren – mit Glas, Beton, Edelstahl oder Holz

Bei den beiden Stahlgebäuden, die den Wettbewerb gewonnen haben, sind Spannweiten und leichte Bauweise auch ein Thema, aber hier kommt auch die gute Kombinationsmöglichkeit von Stahl mit anderen Materialien zum Zuge. Beim Ausbildungszentrum Arca des Baumeisterverbandes im Gewerbegebiet von Gordola ist das Sichtbeton, auf der die leichte Stahlkonstruktion steht. Fenster und Türen sind in Leichtmetallbauweise hergestellt, die Fassade ist eine dünne Edelstahlhaut.

Weil das 129 Meter lange und 29 Meter breite Gebäude in einem Hochwassergebiet steht, haben die Architekten Durisch + Nolli das Ganze auf eine tischartige Betonplatte gestellt, unter der jetzt Lagermöglichkeiten und Parkplätze entstanden sind.

Auch das Straßenbahndepot in Bern mit seiner 200 Meter langen Halle, entworfen vom Büro Penzel Valier aus Zürich, kombiniert die Stahlfachwerkträger mit einem weiteren Material. In diesem Falle ist es Glas, das nicht nur hervorragende Belichtungsverhältnisse bringt, sondern auch das Innenklima so günstig beeinflusst, dass die Sonneneinstrahlung je nach Jahreszeit ausreicht, um ohne Heizenergie auszukommen.

Die Jury überzeugte, wie sehr hier „die gestalterischen und ingenieurtechnischen Belange ineinander übergehen“.

Fußgängerverbindung als Raumskulptur

Das vierte prämierte Bauwerk aus Stahl hat nicht nur eine funktionale Aufgabe, sondern fast schon eine skulpturale Qualität. Die Raumskulptur ist eine überdachte Fußgängerverbindung zwischen den beiden Standorten der Kantonsschule in Chur. Die Jury war beeindruckt von der klaren architektonischen Ausformulierung der filigranen Stahlkonstruktion, unter der die Passanten trockenen Fußes einen beachtlichen Höhenunterschied überwinden können.

Für die vier Anerkennungen des diesjährigen Stahlbaupreises ist die Jury ebenfalls mit interessanten Projekten fündig geworden. Auch eine weitere Brücke ist darunter. Die Hängebrücke in Sigriswil ist ein Teil des Panoramarundweges Thunersee und spannt sich 344 Meter lang über einer 178 Meter tiefen Schlucht. „Ein filigranes, spinnwebenartiges Gebäude mit spektakulärer Aussicht“, so die Jury. „Es ist das Ergebnis von Mut zur Reduktion, Einfachheit und Leichtigkeit.“ Weitere Anerkennungen erhielten das Swiss Tech Convention Center in Lausanne, das Haus Müller in Zürich und der botanische Garten in Grüningen.

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden