29.09.2015, 12:23 Uhr | 0 |

Fertigstellung verschiebt sich 600 Brandschutzwände am BER müssen nachgebessert werden

Und wieder kommt der Hauptstadtflughafen wegen Mängel am Brandschutz ins öffentliche Gerede. Diesmal sind es gleich 600 Brandschutzwände, die keine Brandschutzwände sind, sondern einfache Wände. Diese müssen nun nachgebessert werden. Fest steht damit: Die Fertigstellung des Flughafens bis zum März 2016 ist nicht zu schaffen.

Feuerwehrmänner überprüfen den Brandschutz am Haupttstadtflughafen BER
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Immer Ärger mit dem Brandschutz: Am BER müssen 600 deklarierte Brandschutzwände so nachgebessert werden, dass sie auch wirklich den Normen von Brandschutzwänden entsprechen. Das kostet Zeit.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Der Hauptstadtflughafen BER in der Endlosschleife: In nur einer Woche gleich dreimal negativ in den Schlagzeilen der Presse aufzutauchen, ist schon eine reife Leistung. Erst die Nachricht vom einsturzgefährdeten Dach des Terminals, dann die Forderung zahlreicher Politiker am vergangenen Wochenende, es besser mit einem Neubau zu versuchen. Und nun das: 600 Brandschutzwände, die im Terminal verbaut sind, sind gar keine Brandschutzwände.

„Wir haben eine gehörige Zahl von Wänden, die als Brandschutzwände definiert sind, aber so nicht gebaut wurden“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Flughafenausschuss des Brandenburger Landtages. „Man hat dort falsch gemauert. Man hat Gasbetonsteine mit Mörtel verfugt und das ist nicht erlaubt, wenn es sich um Brandschutzwände handelt.“ Üblicherweise ist Beton oder Mauerwerk der Werkstoff der Wahl bei einer Brandschutzwand.

Brandschutzklassen mit Stützen oder Verstärkungen erreichen

Es ist aber durchaus möglich, mit entsprechenden Nachbesserungen an den Wänden, das sind Stützen oder Verstärkungen, die geforderten Brandschutzklassen zu erreichen. Im Ergebnis muss laut Mühlenfeld „nur ein sehr geringer Teil dieser Wände“ komplett eingerissen und neu gebaut werden. Ein Teil davon ist bereits umgesetzt und gehört zu den Sanierungsmaßnahmen am Flughafen. Laut Flughafenchef Mühlenfeld ist das Thema fehlerhafte Brandschutzwände „in den derzeitigen Projektstatus eingepreist“.

Drei bis vier Monate Verzögerung

Die Nachbesserung an den 600 Wänden verursacht eine Bauverzögerung von drei bis vier Monaten auf der Flughafen-Baustelle in Schönefeld. Somit ist klar: Die geplante bauliche Fertigstellung bis zum März 2016 ist nicht mehr zu halten.

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Zufrieden sieht anders aus: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD) und Flughafenchef Karsten Mühlenfeld (re.) am 25. September 2015 in Berlin auf einer Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg . 

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Für Mühlenfeld ist das kein Grund zur Beunruhigung: „Wir haben dann aber noch Potenzial bei der technischen Inbetriebnahme, so dass wir die Möglichkeit haben, im zweiten Halbjahr 2017 fertig zu werden“, sagte der Flughafenchef, der allerdings einräumt, dass der Eröffnungstermin nun „stärker risikobehaftet“ sei.

Abriss und Neubau wird abgelehnt 

Den Vorschlag eines kompletten Neubaus des Flughafens lehnte Mühlenfeld ab. „Dies würde immens viel Zeit und Geld kosten“, sagte er. Auch der Flughafenkoordinator der Brandenburger Landesregierung, Rainer Bretschneider, hält davon wenig. „Was hier plakativ von politischer Seite vorgebracht wird, hilft nicht weiter“, sagte er und machte deutlich, warum ein Neubau keine Option ist: Ein Abriss und Neubau dauert fünf bis sieben Jahre. Hinzu kommt ein vollkommen neues Planfeststellungsverfahren, gegen das in gleich zwei Instanzen prozessiert werden könnte.

Rückkehr zu sachgerechten Äußerungen und zu Lösungen gefordert

„Ich akzeptiere, dass der Bürger und unsere Politiker langsam die Schnauze voll haben von den Hiobsbotschaften“, sagte Bretschneider, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist. „Aber ich verlange auch, dass wir uns wieder sachgerecht äußern und zurückkommen zu Lösungen.“

„Sechs Milliarden Euro Anlagevermögen“

Der CDU-Obmann im Flughafen-Ausschuss, Rainer Genilke sieht das Problem ökonomisch. „Wir haben da in Schönefeld sechs Milliarden Euro Anlagevermögen stehen“, sagte er der Deutschen Presse Agentur und bleibt pragmatisch auf dem Teppich: „Es ist und bleibt ein Flughafen der Provisorien, weil den ständig steigenden Fluggastzahlen planerisch nie Rechnung getragen wurde.“

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Von Detlef Stoller
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