09.07.2014, 08:36 Uhr | 0 |

Einweihung 2020 geplant Route für den Nicaraguakanal vom Atlantik zum Pazifik festgelegt

Nicaragua hat jetzt die Route für die geplante neue Wasserstraße bekanntgegeben, die Atlantik und Pazifik miteinander verbinden soll. Die 278 km lange Wasserstraße soll auch mitten durch den Nicaraguasee im Inneren des Landes führen. Vor allem Umweltschützer kritisieren das Projekt.

Ausbau des Panamakanals
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2015 soll der Ausbau des Panamakanals abgeschlossen sein. Dann beginnt allerdings der Bau des Nicaraguakanals, den auch die größten Containerschiffe der Welt befahren können. Der neue Kanal soll 2020 eröffnen und dem Panamakanal Konkurrenz machen.

Foto: dpa/Alejandro Bolivar

Der Bau eines zweiten Panamakanals, allerdings quer durch das deutlich breitere Nicaragua, ist ein gigantisches Projekt. Schon Ende diesen Jahres will das chinesische Unternehmen Hong Kong Nicaragua Canal Development Investment (HKND) mit dem Bau der Wasserstraße beginnen. Jetzt hat HKND sich für eine der fünf zur Debatte stehenden Routen entschieden.

Der neue Kanal wird 278 Kilometer lang

Der Nicaraguakanal soll 278 Kilometer lang werden und eine Breite von 230 bis 530 Metern haben. An der Flussmündung des Rio Punta Gorda an der Karibikküste Nicaraguas soll die Wasserstraße beginnen. Von dort aus wird sie durch das Landesinnere und durch den Nicaraguasee bis hin zur Mündung des Rio Brito in den Pazifik verlaufen. Zwei Schleusen auf dem Weg sollen die Wasserstandsunterschiede ausgleichen.

Die Fahrt durch den gesamten Kanal wird nur 30 Stunden dauern. Das ist erstaunlich schnell, bedenkt man, dass der Panamakanal mit 82 Kilometern deutlich kürzer ist. Für die Durchfahrt brauchen Schiffe 15 Stunden. Allerdings braucht der Panamakanal drei Schleusen, um auf der kürzeren Strecke die Niveauunterschiede auszugleichen. 

Der neue Nicaraguakanal wäre für die Schifffahrt besonders interessant, weil er durch seine Breite und die enorme Tiefe von 28 Metern auch für besonders große Schiffe geeignet ist. Derzeit ist der 100 Jahre alte Panamakanal auf Schiffe mit maximal 4600 Standardcontainern (TEU) begrenzt. Nach dem aktuell laufenden Ausbau des Kanals, der 2015 abgeschlossen sein soll, können auch Schiffe mit maximal 12.000 TEU den Panamakanal passieren.

Kritik an der Streckenführung durch den Nicaraguasee

Umweltschützer kritisieren bereits vor Baubeginn die geplante Route. So ist der Kanal etwa doppelt so tief wie der Nicaraguasee, das größte Trinkwasserreservoir Mittelamerikas. Ökologen fürchten, dass der neue Kanal Salzwasser in den Südwassersee einträgt. Außerdem besteht die Gefahr einer Schiffshavarie, die durch Ölaustritt das Trinkwasser verseuchen würde. Zudem müssen für den Kanal etwa 400.000 Hektar Regenwald und Sumpfgebiete weichen müssten. Der Verlauf der Flüsse müsste geändert werden durch Vertiefungen, Verbreiterungen und Begradigungen.

Doch das bettelarme Nicaragua erhofft sich von dem Kanal einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Der chinesische Investor HKND will insgesamt 40 Milliarden Dollar in den Bau des Kanals investieren. Dazu gehören außerdem zwei Tiefseehäfen mit Freihandelszonen, Öllagern und Pipelines, der Bau von Eisenbahnstrecken, einem internationalen Flughafen, Immobilien- und Tourismusprojekten.

Finanziert werden sollen die Investitionen aus dem Betrieb des Kanals. HKND hat für 50 Jahre die Lizenz für Bau und Betrieb des Kanals erworben mit der Möglichkeit, die Lizenz für weitere 50 Jahre zu verlängern. Die Einnahmen für eine Passage kann HKND selbst festlegen.

Chinesen besitzen Kanallizenz für mindestens 50 Jahre

Der Betreiber rechnet mit 5100 Schiffen jährlich, die den Kanal nutzen werden. Dabei will Nicaragua davon profitieren, dass auch die größten Containerschiffe der Welt, die Post-Panamax-Klasse, den Kanal befahren können. Das sind Schiffe mit einer Ladekapazität von 400.000 Tonnen.

Allein der Kanal will dauerhaft 2000 Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt fünf Prozent des Welthandels könnten nach Angaben des chinesischen Unternehmers über den Nicaraguakanal abgewickelt werden. Die Eröffnung ist für 2020 geplant.

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Von Petra Funk
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