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05.01.2017, 08:11 Uhr | 0 |

Warnung per Ultraschall So lassen sich Schweinswale vor dem Aussterben retten

Sie haben einen siebten Sinn. Und sind doch vom Aussterben bedroht: Schweinswale. Die Jagd auf diese Meeressäuger ist verboten. Aber immer wieder kommt es vor, dass sich die Tiere in der Ostsee in Stellnetzen von Fischern verfangen und ertrinken. Ein neues Warngerät kann künftig viele Leben retten. Wie es funktioniert?

Schweinswal, der im Fischernetz erstickt ist
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Schweinswal, der im Fischernetz erstickt ist.

Foto: Lena Hohls/Deutsches Meeresmuseum

Er nennt sich Gewöhnlicher Schweinswal bzw. schlicht Schweinswal und wird auch als „Kleiner Tümmler“, „Braunfisch“ oder sogar als „Meerschwein“ betitelt. Sein Problem: Als Meeressäuger muss er regelmäßig zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen. Verfangen sich die Tiere in Treibnetzen, ist das ein Todesurteil. 

Netze reflektieren zu wenig Schall

Und die delphinähnlichen Tiere verfangenen sich zunehmend in den Stellnetzen, mit denen vorwiegend vor der deutschen Ostseeküste gefischt wird. Die Echoortung der Tiere versagt, weil die Stellnetze heute aus sehr dünnen Nylonfäden bestehen und kaum Schall reflektieren.

Wahrscheinlich sterben in der Ostsee inzwischen mehr Schweinswale in den Netzen der Fischer, als Kälber geboren werden.  In der zentralen Ostsee tummeln sich rund 500 Exemplare der im Schnitt 1,60 m langen Schweinswale. Nach verschiedenen Schätzungen sterben zwischen 1,8 und 18 % der Tiere, also 9 bis 90 Schweinswale pro Jahr, weil sie als sogenannter Beifang in Fischernetzen landen.

Weniger Stress durch naturgetreue Signale

Das neu entwickelte, programmierbare Warngerät PAL (Porpoise Alert – aufmerksamer Schweinswal) soll die Säugetiere vor dem Ertrinken bewahren. Dabei spricht diese Technik die Sprache der Schweinswale: PAL erzeugt naturgetreue Kommunikationssignale und regt so die Echoortung der Tiere an.

Diese Art der Unterhaltung stresst die Wale weitaus weniger  als die bislang eingesetzten Pinger. Diese Geräte heißen nicht umsonst akustische Vergrämer: Mit den Störgeräuschen, die sie aussenden, halten sie die schreckhaften Tiere weiträumig von ihren natürlichen Lebens- und Nahrungsgründen fern.

Nachteile akustischer Vergrämer

Durch den künstlich erzeugten Krach wird auch die Echoortung der kleinen Wale in Mitleidenschaft gezogen. Mit fatalen Folgen: Sie laufen Gefahr in einem benachbarten Netz zu landen. Viele Pingertypen weisen zudem aufgrund von Form, Gewicht, geringer Haltbarkeit und Sendeleistung sowie schneller Batterieerschöpfung große Nachteile beim Einsatz in der kommerziellen Fischerei auf.

PAL hingegen imitiert die Warnlaute der Tiere auf der Frequenz von 133 kHz. Das ist genau die Tonhöhe, die die Schweinswale ohnehin für Ultraschallorientierung und Kommunikation nutzen. Auf diese vertrauten Geräusche reagieren die Kleinwale mit einer verstärkten Echoortungsaktivität, schärfen ihren akustischen Sinn und erkennen die gefährlichen Netze rechtzeitig.

Sicherheitsabstand statt Flucht

Sie halten Sicherheitsabstand, werden aber nicht in die Flucht geschlagen: Die Schweinswale erhöhen den Mindestabstand zur Schallquelle nur um rund 20 m – verlassen also ihren Lebensraum nicht, sondern machen lediglich einen Bogen um die Netze.

PAL ist schwimmfähig, stoßgedämpft, erreicht mindestens 145 dB und hat eine Batterielebensdauer von bis zu 1,5 Jahren bei Dauereinsatz und bis zu fünf Jahren bei Lagerung. Die Batterie ist austauschbar.

80 % weniger Schweinswale in tödlicher Falle

Die Wirkung von PAL jedenfalls ist enorm: Nach mehrjährigen Versuchsreihen kann davon ausgegangen werden, dass sich in der westlichen Ostsee Beifänge mithilfe dieses Geräts um mehr als 80 % verringern. Insgesamt wurden in mehr als 900 Einsätzen 21 Schweinswale beigefangen: nur drei  in PAL-Netzen, aber 18 in den Kontrollnetzen.

Entwickelt und erprobt wurden die Geräte von den Firmen F3 (Heikendorf) und TB Conrad (Schwedeneck) sowie dem Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock. PAL ist eine Lösung, die auch für Fischer vertretbar ist – im Gegensatz zu den Forderungen von Naturschützern. Denn diese wollen Schutzgebiete ausdehnen und Schonzeiten ohne Fischerei einführen. Dadurch müssten die Fischer generell auf die Fischerei verzichten, ihre Existenz wäre bedroht.

Doch Netze können auch unbeabsichtigt Schaden anrichten, wenn sie nicht mehr gebraucht werden: 10.000 Fischernetze gehen jedes Jahr allein in der Ostsee verloren, reißen sich los im Sturm und werden am Meeresgrund zur tödlichen Falle für Wale und Fische. Umweltschützer wollen diese so genannten Geisternetze mit Schiffen bergen, die Eggen hinter sich herziehen. Wie das funktioniert, lesen Sie hier. Über eine spezielle Bohrtechnik, die den Bau von Windrädern im Meer für empfindliche Wale erträglicher macht, haben wir Sie auf dieser Seite informiert.

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Von Martina Kefer
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