270 t Netze geborgen 24.06.2016, 11:39 Uhr

Egge soll Wale und Fische vor alten Fischernetzen retten

10.000 Fischernetze gehen jedes Jahr allein in der Ostsee verloren, reißen sich los im Sturm und werden am Meeresgrund zur tödlichen Falle für Wale und Fische. Umweltschützer wollen diese so genannten Geisternetze jetzt bergen. Und zwar mit Schiffen, die Eggen hinter sich herziehen. Erste Erfahrungen gibt es schon.

Im Juli startet ein Pilotprojekt vor Rügen und Usedom. Ein Boot wird eine 200 kg schwere Egge ziehen, um Geisternetze zu bergen. 

Im Juli startet ein Pilotprojekt vor Rügen und Usedom. Ein Boot wird eine 200 kg schwere Egge ziehen, um Geisternetze zu bergen. 

Foto: dpa/Felix Kästle

25.000 herrenlose Fischernetze landen jährlich in den europäischen Meeren, schätzt die Umweltorganisation Greenpeace. In der Ostsee sind es jedes Jahr zwischen 5.500 und 10.000 Netzteile, die Fischerbooten oder der Küstenfischerei verloren gehen. „Sie werden zur lautlosen Falle für Meeressäuger, Seevögel und Fische“, sagt Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. Der Umweltverband hat sich deswegen mit Kollegen aus Schweden, Estland, Finnland und Polen zusammengetan und das Projekt Marelitt Baltic ins Leben gerufen.

Schiffe ziehen Eggen über den Meeresgrund

In der Vergangenheit hatten Taucher Geisternetze geborgen. Das ist allerdings zeit- und kostenaufwendig. Die Projektpartner wollen deswegen eine Alternative testen: eine 200 kg schwere Egge. Das Bodenbearbeitungsgerät mit Zinken kommt eigentlich in der Landwirtschaft zum Einsatz, um die obere Bodenschicht zu lockern. Beim Projekt Marelitt Baltic sollen Schiffe die Egge über den Meeresboden ziehen, um Netze zu bergen.

Im Juli startet ein Test vor Rügen und Usedom. Laut WWF habe Polen schon gute Erfahrungen mit dem Einsatz des 1 m breiten Gerätes gemacht und vergangenes Jahr 270 t Netze geborgen. Aber ist das nicht gefährlich für das Ökosystem? Das will das Projekt ebenfalls untersuchen. 2017 sollen Ergebnisse vorliegen.

Für Fische werden die Geisternetze zur lautlosen Todesfalle. Allein in der Ostsee landen jedes Jahr bis zu 10.000 herrenlose Netze auf dem Meeresboden. 

Für Fische werden die Geisternetze zur lautlosen Todesfalle. Allein in der Ostsee landen jedes Jahr bis zu 10.000 herrenlose Netze auf dem Meeresboden.

Quelle: WWF

Der schwedische Projektpartner experimentiert derweil mit Signalgebern, die Netze beim Verlust leichter findbar machen. Die Forscher experimentieren auch mit Materialien, die sich im Wasser schneller abbauen als das bisher bei Fischernetzen benutzte Nylon und PET. Polen wird an einer Karte mit Hotspots arbeiten, an denen sich besonders viele Netze befinden.

Tönsmeier entwickelt Verwertungsstrategie für Geisternetze

Und was passiert mit den geborgenen Netzen? Darüber macht sich das deutsche Entsorgungsunternehmen Tönsmeier Gedanken, das eine Partnerschaft mit der WWF eingegangen ist. Das Ziel: einen optimalen Prozess entwickeln, der einen umweltfreundlichen Transport und eine effektive Aufbereitung und Verwertung umfasst.

Taucher bei der Bergung eines Geisternetzes: Zukünftig soll eine Egge die Netze einsammeln, die ein Schiff hinter sich herzieht. 

Taucher bei der Bergung eines Geisternetzes: Zukünftig soll eine Egge die Netze einsammeln, die ein Schiff hinter sich herzieht.

Quelle: WWF

„Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass wir zunächst Informationen zur Zusammensetzung, zur Größe und zum Verschmutzungsgrad der geborgenen Netze erhalten“, sagt Michael Krüger, Leiter der Tönsmeier-Forschungsabteilung. „Auf Basis dieser Erkenntnisse können wir dem WWF dann eine nachhaltige Verwertungsstrategie empfehlen.“ Bislang aber ist unklar, wie sich die Geisternetze verwerten lassen.

Auch für den restlichen Plastikmüll im Meer gibt es Entsorgungsansätze. Eine Werft in Lübeck baut beispielsweise einen Katamaran, der zur Müllabfuhr werden soll. Und Milliardäre Jason Dyson will die Weltmeere mit einem riesigen Staubsauger säubern.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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