18.05.2016, 14:30 Uhr | 0 |

100 Jahre Lebensdauer US Air Force will ihren ältesten Bomber B-52 noch Jahrzehnte einsetzen

Unabhängig von der Bestellung eines neuen strategischen Bombers plant die amerikanische Luftwaffe ihren ältesten Langstreckenbomber, die B-52, noch mehrere Jahrzehnte lang einzusetzen. Dafür soll das Militärflugzeug neue Triebwerke bekommen und auch sonst modernisiert werden. 

Langstreckenbomber B-52 wird in der Luft betankt
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Hier wird eine B-52 in der Luft betankt. Die U.S. Air Force schwört auf die Langstreckenbomber, die bereits seit Jahrzehnten im Einsatz sind und nun für viel Geld für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht werden sollen. 

Foto: Nathan Allen/U.S. Air Force

Die US Air Force betreibt derzeit noch 76 Bomber des Typs B-52, von dem einst mehrere hundert Maschinen geflogen sind. Von den restlichen will sie sich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht trennen. Und investiert nun kräftig in die alten Flieger.

Hohe Waffen-Nutzlast, extreme Reichweite und Sicherheit

Angesichts der extrem schnellen technischen Entwicklung im Flugzeugbau drängt sich die Frage auf, warum dieser alte Bomber so extrem lange im Einsatz bleiben soll. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, zu denen die extreme Reichweite von 12.000 km, die hohe Waffen-Nutzlast von 32 t Bomben und eine Geschwindigkeit von in der Spitze immerhin 1027 km/h gehören.

Vorzüge in dieser Kombination bislang unerreicht

Kein moderner Bomber schafft das bisher. Die neuen Maschinen können viel schneller fliegen und weisen auch andere Vorteile auf. In der Häufung aber ist die B-52 bisher unschlagbar. Das erklärt auch, warum sie vom Vietnam-Krieg bis zum Kampf gegen die ISIS in Syrien bisher jeden amerikanischen Kriegsschauplatz gesehen hat.

Zu den Vorzügen dieser Maschine gehört auch ihre extreme Betriebssicherheit. So gab es in der Vergangenheit sogar einzelne Fälle, in denen B-52 sogar ohne Leitwerk noch notlanden konnten.

Von Boeing entwickelt und gebaut, Triebwerke von Pratt & Whitne 

Die von Boeing entwickelte und gebaute B-52 fliegt mit acht Jet-Triebwerken des Typs TF33 von Pratt & Whitney. Je zwei Motoren sind gemeinsam in einer Gondel unter den Tragflächen aufgehängt. Diese Bauart, die sich daraus erklärt, dass es seinerzeit keine stärkeren Jet-Triebwerke gab, ist extrem selten im Flugzeugbau.

Als die B-52 in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre konzipiert wurde ist sogar die Ausstattung mit Propeller-Turbinen ernsthaft erwogen worden. Später kam es immer wieder zu Planspielen, jeweils zwei Triebwerke durch einen moderneren, viel leistungsstärkeren Motor zu ersetzen. Dies scheiterte an den extremen Kosten, die eine notwendige weitgehend neue Flügelkonstruktion für die alte Maschine mit sich gebracht hätte.

Energiesparende Variante

Bei dem TF33-Motor handelt es sich um das erste so genannte Zweikreis-Jet-Triebwerk, das Pratt & Whitney entwickelt und gebaut hat. In seiner neuesten, besonders Energie sparenden Variante, mit der nun auch die B-52 fliegen soll, wird dieser Motor auch in verschiedene andere Militärflugzeuge eingebaut.

Der vorliegende Plan der US Air Force geht von der Bestellung von insgesamt 650 Motoren dieses Typs aus. Denn die Luftwaffe fordert eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs um mindestens 10 %, auf die Dauer aber bis zu 25 %. Und die Einsatzdauer der Motoren am Flügel des Bombers soll sich von mindestens 15 auf 25 Jahre erhöhen. Das bedeutet, dass dieser TF33-Motor bis zu 25 Jahre im gleichen Flugzeug Dienst tun könnte, ehe eine Grundüberholung fällig ist.

Offizielle Lebens-Einsatzerwartung für die B-52 ist 90 Jahre

Die seit 1952 gebaute B-52 soll mit den neuen Triebwerken eine technisch-wirtschaftliche Lebenserwartung von 90 Jahren erhalten. Bennett Crosswell, Präsident des Militärbereichs von Pratt & Whitney, geht davon aus, dass der Ersatz der Motoren die Lebensdauer deutlich weiter verlängert. So kommt es dann zu der Erwartung einer Einsatzdauer von insgesamt hundert Jahren.

Crosswell weiß, wovon er spricht: Die ältesten TF33-Motoren, die heute noch B-52 Bomber antreiben, sind schon 55 Jahre im Dienst.

Modernisierung extrem teuer 

Einen Haken hat die Modernisierung der B-52: Sie ist äußerst teuer – wobei sich die US Air Force über den erforderlichen Betrag je Maschine bislang ausschweigt. Die hohen Kosten gehen wesentlich darauf zurück, dass es für die meisten Komponenten des Flugzeugs keine Daten in elektronischer Form, sondern lediglich gedruckte Zeichnungen gibt, die erst mühsam umgesetzt werden müssen. Das Original, eine außer Dienst gestellte B-52, ist in der Nähe der berühmten britischen Universitätsstadt Cambridge in Duxford, dem größten europäischen Luftfahrtmuseum zu besichtigen. Die heute noch fliegenden 76 Maschinen haben die Typenbezeichnung B-52H.

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Von Peter Odrich
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