Jahrzehntealte Giganten 18.06.2015, 12:21 Uhr

Amerikas Bomber-Flotte vergreist

Viele Piloten der U.S. Air Force sind nur halb so alt, wie die riesigen Bomber, die sie fliegen. Das Rückgrat der amerikanischen Bomberflotte ist die B-52H. Im Durchschnitt sind die heute noch fliegenden 94 der einst von Boeing gebauten 744 Bomber 53 Jahre alt. Und selbst die neuesten amerikanischen Langstreckenbomber haben schon mindestens 20 Jahre auf dem Buckel.

Auch ohne Ladung ein Schwergewicht: Dass die B-52 (Mitte) immer noch fliegt, verdankt sie ihrer Größe, die das Mitführen von 32 Tonnen Bombenlast ermöglicht.

Auch ohne Ladung ein Schwergewicht: Dass die B-52 (Mitte) immer noch fliegt, verdankt sie ihrer Größe, die das Mitführen von 32 Tonnen Bombenlast ermöglicht.

Foto: Boeing

Die B-52 geht noch auf die Endphase des Zweiten Weltkriegs zurück. 1946 bekam Boeing den Entwicklungs- und Produktionsauftrag. 1962 hob die erste B-52 ab. 1965 kamen diese Bomber in den Truppendienst. Seitdem hat es keinen Krieg gegeben, in dem die Amerikaner diese schweren Bomber nicht einsetzten. Das war in Vietnam so, im Luftkrieg gegen Serbien, im Irak und auch in Afghanistan.

Viele der heute noch eingesetzten Bomber haben ihre Heimatbasis fernab des amerikanischen Festlands – auf den Inseln Guam im Pazifik und Diego Garcia im Indischen Ozean. Dass die B-52 immer noch fliegt, verdankt sie ihrer Größe, die das Mitführen von 32 Tonnen Bombenlast erlaubt sowie ihrer hohen Manövrierfähigkeit und der Spitzengeschwindigkeit von 1037 km/h. Hinzu kommt, dass die B-52 in der Anschaffung mit einem Stückpreis von 9,28 Millionen US-Dollar in den Sechziger Jahren oder damals rund 37 Millionen DM ausgesprochen kostengünstig war.

Unterhalt inzwischen sehr teuer

Die B-52 verfügt über acht Jet-Motoren des Typs Pratt & Whitney JTD3, die bei Volllast Abgasfahnen ausstoßen, die an alte Dieselmotoren erinnern. Trotz vieler Planungen hat sich die U.S. Air Force bisher nicht zur Umstellung auf vier moderne Düsenmotoren entschließen können. Erstens würde das sehr viel Geld kosten und zweitens weiß niemand, wie lange die B-52 tatsächlich eingesetzt werden wird.

Die Kosten für Wartung und Instandsetzung der B-52-Bomber steigen sprunghaft an. Schließlich erreichen sie so langsam Rentenalter.

Die Kosten für Wartung und Instandsetzung der B-52-Bomber steigen sprunghaft an. Schließlich erreichen sie so langsam Rentenalter.

Quelle: Boeing

Die offizielle Planung sieht die Stilllegung dieser Bomberflotte für das Jahr 2040 vor. Dann wären die Maschinen im Schnitt 78 Jahre alt. Generalmajor Garrett Harencak, stellvertretender Stabschef der amerikanischen Bomberflotte, hofft „dass die Air Force nie eine hundert Jahre alte B-52 einsetzen muss”.

Ersatzteile entsprechen nicht mehr heutigen technischen Standards

Wie die Starts und Landungen dieser Bomber jeden Tag aufs Neue dokumentieren, ist es technisch durchaus möglich, sie über viele Jahrzehnte hinweg einzusetzen. Die Kosten für Wartung und Instandsetzung steigen aber sprunghaft immer weiter, weil mit viel Mühe Ersatzteile angefertigt werden müssen, die längst nicht mehr dem heutigen technischen Standard entsprechen. Das gilt für das Material wie für die Herstellungsprozesse und schließlich auch die Montagetechniken.

Waffensysteme für alte Bomber ebenfalls kostenintensiv 

Zugleich müssen die Bomber sogar noch weiterentwickelt werden, weil sich mit der Überalterung immer neue Probleme zeigen – so seit längerem die Anfälligkeit des großen Leitwerks im Heck, das bei extremen Windstärken total abreißen kann. Mehrere Bomber sind deswegen schon abgestürzt, einer allerdings landete wider Erwarten sogar ohne Leitwerk sicher.

Erst im Jahr 2040 soll die Ära der B-52-Bomberflotte der US Air Force nach offiziellen Plänen beendet werden. 

Erst im Jahr 2040 soll die Ära der B-52-Bomberflotte der US Air Force nach offiziellen Plänen beendet werden. 

Quelle: Andy Rain/dpa

Was an Kostenbelastungen für die alten Bomber gilt, trifft auch für manche ihrer Waffensysteme zu, so etwa die Cruise Missiles oder Marschflugkörper, die von den B-52-Bombern im Fluge starten. Auch sie sind mittlerweile so sehr in die Jahre gekommen, dass die Wartung immer schwieriger wird, weil ihre Technik ebenfalls völlig überaltert ist. Und das kostet im Betriebsalltag viel Geld.

Immer wieder Ansätze zum Ersatz der B-52

Soweit bisher Nachfolgemodelle entwickelt wurden, waren diese Flugzeuge extrem teuer. Deshalb wurden davon nur ganz geringe Stückzahlen bestellt, die inzwischen auch schon in die Jahre gekommen sind: Bei der B-1B liegt das Durchschnittsalter inwischen bei 28 Jahren und selbst der “supermoderne” Nurflügel-Bomber B-2 ist durchschnittlich 20 Jahre alt. Seine Abschaffung ist für 2058 geplant. Dann wäre die B-2 63 Jahre alt.

Gegenwärtig wird an einem neuen Langstreckenbomber gearbeitet, dessen Bezeichnung LRS-B lautet. Aber selbst bei Bestellung der bisher anvisierten 100 Exemplare kostete dieser Bomber 550 Millionen US-Dollar das Stück. Meistens aber werden neue Flugzeuge deutlich teurer als bei Beginn der Arbeiten geschätzt. Und wenn dann die Stückzahlen reduziert werden, steigt der Stückpreis nochmals – auf eine Höhe, die sich irgendwann auch Amerika nicht mehr leisten kann. Also werden die alten Bomber immer wieder aufs Neue am Leben erhalten.

Politische Hindernisse für neue Bomber

Einer Verjüngungskur der Bomber stehen aber auch politische Gründe im Weg. Dabei geht es keineswegs nur um jene Politiker, die Verteidigungsbudgets zu Gunsten anderer Programme zusammenstreichen wollen. Zu den Gegnern der Entwicklung neuer strategischer Bomber zählen in den USA auch diejenigen, die nicht wollen, dass diese Flugzeuge Kernwaffen tragen und abfeuern können. Ihr politisches Gewicht in Washington war bisher bemerkenswert groß – bis dieser Tage der russische Präsident Wladimir Putin die Wiederaufnahme der Produktion des russischen Strategischen Bombers Tu-160 bekannt gab.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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