24.04.2017, 14:11 Uhr | 0 |

Konkurrenz zur ISS Chinas erster Raumfrachter hat erfolgreich an Raumstation angedockt

Die Chinesen schweben im siebten Himmel, denn den erobern sie gerade: Ihr erster selbst entwickelter unbemannter Raumtransporter namens Tianzhou (Himmelsschiff) hat erfolgreich an der Raumstation Tiangong – auf deutsch Himmelspalast – angedockt. Und das ist erst der Anfang der ehrgeizigen chinesischen Raumfahrtpläne.

China schießt ersten Raumfrachter ins All
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Eine Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 7", bestückt mit dem unbemannten Cargo-Raumschiff "Tianzhou 1", startet am 20. April 2017 in Wenchang. Der Jungfernflug von "Tianzhou 1" (Himmlisches Schiff) ist ein wichtiger Schritt für den Bau der geplanten chinesischen Raumstation, die um das Jahr 2022 fertiggestellt werden soll. 

Foto: Ju Zhenhua/Xinhua/AP/dpa

Das Himmelsschiff auf Kurs gebracht hat am Freitag eine Langer-Marsch-7-Trägerrakete. Sie startete mit Tianzhou an Bord von Wenchang auf der Insel Hainan im Südchinesischen Meer ins All. Das Himmelsschiff ist nicht nur das erste von China selbst entwickelte Raumfahrzeug, sondern es dockte auch automatisch am Himmelspalast an. Und selbstständige Kopplungsmanöver sind technisch anspruchsvoll.

China hat Transporter selbst entwickelt

Der gut zehneinhalb Meter lange Raumtransporter Tianzhou 1 funktioniert dabei ähnlich wie die europäischen ATVs (Automated Transfer Verhicle), die für Nachschub auf der Internationalen Raumstation ISS gesorgt haben und deren Missionen im Sommer 2014 endeten. Mit einer Ladungskapazität von 7,7 Tonnen waren die Europäer die Nummer 1 im Weltraum-Transportgeschäft.

Chinas neuer Raumfrachter kann 6,5 t Ladung und Treibstoff ins All bringen. Gebaut wurde das Raumschiff von dem chinesischen Unternehmen China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC). Jetzt ist die Volksrepublik das vierte Land, das einen eigenen Raumtransporter besitzt. Russland hat seinen „Progress“, der aber nur etwa ein Drittel so viel laden kann wie das Himmelsschiff.

Japan verfügt über den HTV-Transporter, den „weißen Storch“ (im Original Kounotori). Die USA nutzen die Raumkapsel Dragon des privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX sowie den Transporter Cygnus der US-Firma Orbital ATK, um Material zur ISS zu fliegen. Aber auch die Dragon hat mit 3,3 Tonnen und die Cygnus mit 3,5 Tonnen deutlich weniger Transportkapazität als der chinesische Transporter.

China will eine eigene Raumstation bauen

Was China im Weltall will? China will in Konkurrenz zur ISS eine eigene Raumstation in einer erdnahmen Umlaufbahn aufbauen. So kreist die Raumstation Tiangong 1 seit 2011 um die Erde, Tiangong 2 seit September 2016. Im Oktober vergangenen Jahres flogen dann die ersten Taikonauten dorthin.

Dabei besteht der Himmelspalast wie sein Vorgänger Tiangong 1, der 2011 ins All geschossen wurde, nur aus einem Modul. Wobei „nur“ vielleicht der falsche Begriff ist: Denn mit diesen beiden Raumstationen bereitet China den Bau einer großen Raumstation in der Erdumlaufbahn für Anfang der 2020er-Jahre vor. Und die könnte ab 2024 womöglich die einzige bemannte dort sein. Denn die ISS-Mission wird nach derzeitigen Planungen zu diesem Zeitpunkt beendet. China wäre dann die einzige Nation mit einem solchen Außenposten im All.

Meilenstein für chinesisches Raumfahrtprogramm

Dass Tianzhou 1 am Samstag automatisch an Chinas Weltraumlabor Tiangong 2 angedockt ist, war nur das erste von drei anvisierten Kopplungsmanövern. Zwei weitere in den nächsten fünf Monaten sollen folgen. Der Erfolg gilt als Meilenstein für die weitere chinesische Raumfahrt.

Sie zeigt, dass die noch junge Raumfahrnation technisch mithalten kann, dem Bau einer großen, aus verschiedenen Modulen bestehenden eigenen Weltraumstation wohl nichts entgegensteht. Auf der ISS haben die Chinesen auf Druck der USA ein Besuchs- und Andockverbot. 

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Von Martina Kefer
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