16.08.2013, 09:42 Uhr | 1 |

Tennet hinkt hinterher Drei Windparks in der Nordsee ohne Stromverbindung zum Festland

Vor einer Woche ist der erste deutsche kommerzielle Offshore-Windpark Riffgat nördlich der Insel Borkum eröffnet worden. Doch Strom liefert er vorerst nicht. Es fehlt der Anschluss ans Stromnetz an Land. Jetzt müssen Dieselgeneratoren die Windräder bis Februar 2014 antreiben, um Schäden zu verhindern. Riffgat ist einer von drei Windparks in der Nordsee, die ohne Stromanschluss sind.

Windpark Riffgat
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Mitte Juli wurde das letzte Windrad im Windpark Riffgat vor Borkum installiert und der Park am 10. August offiziell eingeweiht. Doch Strom produzieren kann Riffgat nicht: Es fehlt die Stromanbindung ans Festland.

Foto: EWE

Dieselmotoren für Offshore-Windparks: Diese scheinbar paradoxe Situation haben derzeit drei Windparks in der Nordsee, weil es dem Stromnetzbetreiber Tennet noch nicht gelungen ist, sie ans Stromnetz anzuschließen: der Windpark Riffgat des Oldenburger Betreibers EWE, Borkum West II von Trianel und dem Windpark Meerwind der WindMW.

Richtig sauer ist man bei EWE. Deren Windpark Riffgat mit 30 Maschinen und 108 MW Nennleistung ist seit Ende Juli betriebsbereit und wurde am 10. August offiziell eröffnet. Er kann aber keinen Strom liefern, weil noch 15 km des insgesamt 50 km langen Drehstromkabels ausstehen, das Riffgat mit dem Stromnetz an Land verbindet.

Munitionsfunde verzögern angeblich die Netzanbindung

Tennet begründet die Verzögerungen mit zahlreichen Munitionsfunden aus dem Zweiten Weltkrieg und der schwierigen Bergung im Korridor der Trasse bei Borkum. „Strömungen und schlechte Sicht haben die Arbeiten der Räumkommandos verzögert und es wurde mehr Munition gefunden als in beauftragten Studien prognostiziert“, sagt Henrike Lau, Pressesprecherin bei Tennet.

Nach Abschluss der Räumarbeiten, die sich länger hinzogen als geplant, stand jedoch das Kabellegerschiff nicht mehr zur Verfügung, um den Stromanschluss herzustellen. Es war für einen Folgeauftrag gebucht, ein anderes Schiff am Markt nicht greifbar. Unterm Strich wird Riffgat wohl erst im Februar 2014 am gesetzlich garantierten Netzanschluss hängen, vorgesehen war der März 2013.

EWE: Wir haben schon 2006 auf die Munition hingewiesen

„Wir haben von den Verzögerungen erst aus den Medien erfahren und bereits 2006 auf ein erhebliches Vorkommen alter Munition hingewiesen“, sagt EWE-Sprecher Christian Bartsch. Schließlich sei das ehemalige Verklappungsgebiet für Weltkriegsmunition in allen Seekarten verzeichnet. „Was Tennet da macht, ist grob fahrlässig.“, findet er.

Derzeit fährt EWE die verkabelten Windkraftanlagen im Leerlauf mit Strom aus Dieselgeneratoren. Dieses Trudeln soll für eine gleichmäßige Belastung der Lager in den mit Getrieben ausgestatteten Anlagen von Siemens sorgen. Ohne den Notstrom für die lebenserhaltenden Systeme wäre die Technik schnell kaputt.

Betankung und Treibstoff für die Dieselaggregate muss EWE auf eigene Rechnung organisieren. „Wir bekommen durch die 2013 eingeführte Haftungsumlage für Offshore-Windparks 90 % der Einspeisevergütung erstattet, die die Anlagen im Netzbetrieb erzielt hätten. Eine Erstattung der Nebenkosten sieht der Gesetzgeber aber nicht vor“, so Bartsch.

Netzanschluss bei Borkum II hinkt ein Jahr hinterher

Diese Haftungsregel für verzögerte Netzanschlüsse und betriebsbereite Offshore-Windparks wird auch Trianel für den Windpark Borkum West II in Anspruch nehmen. Der Stadtwer- keverbund hat im Juli mit dem Aufbau seiner Anlagen begonnen, obwohl die Stromversorgung noch nicht gesichert ist. Hier belaufen sich die Ansprüche bereits auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, weil der Netzanschluss um ein Jahr hinterherhinkt. Der soll im vierten Quartal 2013 kommen, weil die von Tennet mit dem Bau beauftragte ABB AG nicht wie vereinbart liefern kann.

Notstrom für die Windräder des Herstellers Areva Wind in Borkum West II liefern zwei Dieselaggregate à 2,4 MW auf der parkinternen Plattform. „Der Notstrom ist nicht nur für die Lager, sondern auch für den aktiven Korrosionsschutz wichtig. Dieser funktioniert bei Areva Wind durch einen permanenten Überdruck in der gesamten Anlage, damit keine salzhaltige Luft eindringt“, weiß Trianel-Sprecher Maik Hünefeld.

Zu klären sind aus Sicht von Trianel Fragen zu den Gewährleistungsansprüchen. Denn die Anlagen sind nicht für langen Notbetrieb, sondern für einen möglichst kontinuierlichen Lastbetrieb gebaut worden. Eine Verschiebung der Installation hätte im Gegenzug zu hohen Kosten geführt

Vor Helgoland entsteht Windpark Meerwind mit 80 Windmühlen

Ähnlich ist die Situation beim Windpark Meerwind von WindMW vor Helgoland. Auch hier ist nicht klar, wann genau der Netzanschluss steht und die zentrale Clusterstation für zwei Windparks endgültig betriebsbereit sein wird. Laut Tennet ist die Gleichstromstation fertig und wird bald ins Baufeld geschleppt. WindMW hatte seit August letzten Jahres alle 80 Fundamente setzen lassen und für den kompletten Aufbau des Windparks zwei Errichterschiffe unter Vertrag genommen.

Trotz der unsicheren Anschlusslage entschied man sich im Juni, mit dem Aufbau der Windmühlen zu beginnen. Weil diese noch nicht mit dem parkinternen Umspannwerk verkabelt sind, wurden gleich 80 Dieselgeneratoren, zwei Tankschiffe und ein Reparaturteam eingekauft.

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Von Torsten Thomas | Präsentiert von VDI Logo
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kommentare
17.09.2013, 06:49 Uhr Rosenstein
Frage an Herrn Thorsten Thomas bzw. die Redaktion :
Warum sind die Windkraftanlagen nicht inselbetriebsfähig ? Im fossilen Kraftwerksbereich spricht man auch von Schwarzstartfähigkeit. Die Windkraftanlagen sollten bei abgeschaltetem oder noch nicht vorhandenem 50Hz Netz zumindest die Eigenversorgung übernehmen können, das sind bei einer 3,6 MW Turbine ca. 100kW bis 150kW an Aggregaten (Klimaanlage, Luftentsalzung, Beleuchtung, Stellantriebe, Steuerung) in der Anlage die funktionsfähig gehalten werden können. Diesel wäre somit überflüssig.
Gruss A.Rosenstein

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