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Turbinen für KI: Warum Siemens Energy eine Milliarde in die USA investiert

04. Februar 2026

Einlegen des Läufers in die Gasturbine für das HKW Berlin-Marzahn.
Einlegen des Läufers in die Gasturbine für das HKW Berlin-Marzahn. Foto: Siemens Gas and Power GmbH & Co. KG
Derzeit explodiert der Strombedarf in den USA. Siemens Energy will davon profitieren – und investiert über eine Milliarde US-Dollar. Was mit dem Geld geplant ist.
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Der Strombedarf in den USA steigt so schnell wie seit Jahrzehnten nicht. Größter Treiber ist der Boom bei Rechenzentren und KI. Siemens Energy will davon profitieren: Der Maschinenbauer aus Berlin investiert insgesamt 1 Mrd. US-Dollar in den Ausbau seiner amerikanischen Fertigungskapazitäten.

In den kommenden Jahren sollen hier 1500 neue Stellen entstehen. Was genau hat Siemens mit ihnen vor? Welche Produkte wollen die Deutschen auf dem US-Markt absetzen?

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Turbinen, Transformatoren und Schaltanlagen. Ganz analog, und trotzdem unverzichtbar für das digitale Zeitalter.

Inhaltsverzeichnis

Milliarde für die US-Fertigung

Mit der Ankündigung vom 3. Februar konkretisiert der Konzern Pläne, die er im November beim Kapitalmarkttag in Charlotte vorgestellt hatte. Die neuen Stellen sollen demnach vor allem in den Bereichen Produktion, Betrieb und Engineering entstehen. Heute beschäftigt das Unternehmen in den USA rund 12.000 Menschen an 25 Standorten, darunter acht Fertigungsstätten.

„Siemens Energy produziert seit mehr als einem Jahrhundert in den Vereinigten Staaten – und wir erleben derzeit ein außergewöhnliches Wachstum, wie es nur selten vorkommt“, erklärte Vorstandsvorsitzender Christian Bruch.

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Wenigen deutschen Unternehmen geht es derzeit so gut wie Siemens Energy. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die Berliner einen Gewinn von 1,7 Mrd. €,  2025/26 sollen es zwischen 3 und 4 Mrd. € werden. Auch die frühere Muttergesellschaft Siemens setzt auf die USA: Konzernchef Roland Busch kündigte im November an, in den kommenden drei Jahren 1 Mrd. € in industrielle KI an der US-Westküste zu stecken.

Wohin das Geld fließt

Die Investitionen von Siemens Energy verteilen sich auf sechs Standorte in fünf Bundesstaaten:

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  • In Mississippi entsteht ein komplett neues Werk für Hochspannungsschaltanlagen, zentrale Komponenten im Stromnetz. Bis zu 300 neue Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Auch ein Trainingszentrum für Fachkräfte ist geplant.
  • In North Carolina erweitert Siemens Energy gleich drei Standorte. In Charlotte werden die Kapazitäten für Großtransformatoren ausgebaut und die Fertigung großer Gasturbinen in kleinerem Umfang wieder aufgenommen. In Winston-Salem vergrößert man die Produktion von Gasturbinenkomponenten, in Raleigh den Bereich Netztechnologien. Insgesamt entstehen dort rund 500 neue Jobs.
  • In Florida wird das Werk in Tampa für die Herstellung von Gasturbinen-Schaufeln und Leitschaufeln ausgebaut. In Orlando baut man derweil ein neues Labor für digitale Netztechnologien mit KI in Zusammenarbeit mit Nvidia. Hier zeigt sich das an anderer Stelle diskutierte KI-Paradox: KI steigert den Strombedarf, soll ihn aber zugleich optimieren.
  • In Alabama erweitert Siemens Energy am Standort Fort Payne die Produktion von Kupfer- und Isolationskomponenten für Generatoren und schafft rund 120 zusätzliche Arbeitsplätze.
  • In Painted Post (New York) und Houston (Texas) möchte der Maschinenbauer zudem Standorte für die Fertigung und Wartung von Verdichteranlagen modernisieren, die in Pipelinesystemen zum Einsatz kommen.

Ein interessantes Detail: Siemens Energy entwickelt in den USA Aus- und Weiterbildungsprogramme nach deutschem Vorbild. Das duale Ausbildungsmodell, in Deutschland selbstverständlich, ist in den USA nach wie vor die Ausnahme. Ob es sich dort durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Der kürzlich von der IEA konstatierte Fachkräftemangel in der Energiebranche spräche dafür.

Berlin bleibt Herz der Turbinenfertigung

Trotz der massiven US-Investitionen betont Siemens Energy, die Hauptproduktion großer Gasturbinen bleibe in Berlin. Bruch sagt dazu:

Was stimmt: Das Werk in Tampa produziert Gasturbinen-Schaufeln und Leitschaufeln, die in der Lieferkette des Berliner Werks eine zentrale Rolle spielen. Mehr US-Nachfrage bedeutet also theoretisch auch mehr Arbeit für Berlin.

Was die USA für Siemens Energy bedeuten

Die wirtschaftliche Bedeutung der USA für Siemens Energy ist beachtlich: 29 % aller Aufträge kamen im vergangenen Geschäftsjahr aus den Vereinigten Staaten. Rund ein Viertel der gesamten US-Stromerzeugung basiert laut Unternehmensangaben auf Technologie von Siemens Energy. Die Präsenz des Konzerns reicht bis ins Jahr 1887 zurück, als in Pittsburgh der erste US-Produktionsstandort eröffnet wurde.

Mega-Trend Rechenzentren

Hinter der Investition steht ein Mega-Trend: Rechenzentren verbrauchen laut der Internationalen Energieagentur (IEA) schon heute 1,5 % des weltweiten Stroms – Tendenz stark steigend. Allein 2024 wurden weltweit 250 neue Rechenzentren gebaut, so viele wie nie zuvor. Nur eins davon kann so viel Strom verbrauchen wie 50.000 Haushalte. Le Monde Diplomatique rechnet vor, dass sich die Expansion auf wenige Weltregionen konzentriert, allen voran die USA. 2024 entfielen 45 % des weltweiten Energieverbrauchs für Rechenzentren auf die USA, gefolgt von China (25 %) und Europa (15 %).

Dass Siemens Energy gerade in Transformatoren, Schaltanlagen und Netztechnik investiert, ist von daher kein Zufall. Laut dem Siemens Infrastructure Transition Monitor 2025 sagen 73 % der befragten Führungskräfte im Energiesektor, dass unzureichende Netzinfrastruktur die Elektrifizierung behindert. Mit anderen Worten: Die Hardware fehlt. Der Maschinen- und Anlagenbauriese aus Deutschland will sie nun in den USA bauen.

Wieso KI gerade in den USA boomt

Der KI-Boom erhält politisch massiven Rückenwind: Kurz nach seinem Amtsantritt gab US-Präsident Donald Trump Ende Januar das Projekt Stargate bekannt, das private Investitionen von 500 Mrd. US-Dollar in neue Rechenzentren vorsieht. Auf nationaler Ebene haben die Investitionen in Rechenzentren und technologische Aktivitäten das BIP der USA allein im dritten Quartal 2025 um 0,5 % steigen lassen, wie S&P Global berichtet.

Die Ankündigung von Siemens Energy lässt sich daher auch als Signal an die US-Regierung verstehen. Unternehmenschef Christian Bruch betonte in seiner Pressemitteilung explizit die Prioritäten Washingtons. Denn die US-Regierung unter Donald Trump setzt verstärkt auf heimische Fertigung und Energieunabhängigkeit. Durch die Investitionsbereitschaft der Deutschen könnte sie sich in ihrem Kurs bestärkt sehen.

Wie groß ist der Strombedarf wirklich?

Wie stark der Strombedarf der USA tatsächlich wächst, ist allerdings schwer vorherzusagen. Das Lawrence Berkeley National Laboratory schätzt, dass US-Rechenzentren 2028 zwischen 325 und 580 TWh verbrauchen werden. Die Differenz von 255 TWh entspricht etwas mehr als der Hälfte des gesamten deutschen Jahresverbrauchs im Jahr 2023.

Siemens Energy betont aber, keine Überkapazitäten schaffen zu wollen. Die Investitionen seien „auf einen effizienten und marktgerechten Kapazitätsausbau ausgerichtet“, heißt es in der Pressemitteilung. Ob Siemens‘ Wette auf Rechenzentren aufgeht, entscheidet am Ende deren Strombedarf. Sollte dieser aufgrund steigender Effizienz oder verbesserter Technologie geringer ausfallen als heute angenommen, könnte sich die angekündigte Milliarden-Investition rückblickend als voreilig erweisen.



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