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Der Energiebranche fehlt der Nachwuchs

20. Januar 2026

Der Energiebranche fehlt der Nachwuchs
Vor allem im Stromsektor gibt es einen großen Bedarf an neuen Fachkräften. Foto: Smarterpix/Andrew_shots
Die Energiebranche boomt – und findet trotzdem nicht genug Personal. Ein neuer Report der Internationalen Energieagentur zeigt: Der Fachkräftemangel gefährdet weltweit den Ausbau der Infrastruktur. Deutschland ist besonders betroffen.
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Die Energiewirtschaft ist ein veritabler Jobmotor: Laut dem aktuellen World Energy Employment Report der Internationalen Energieagentur (IEA) waren 2024 weltweit 76 Mio. Menschen im Energiesektor beschäftigt, gut fünf Millionen mehr als noch 2019.

Damit generierte die Branche 2,4 % aller neu geschaffenen Arbeitsplätze. In manchen Ländern ist der Anteil noch höher: In China entstand seit 2022 jeder fünfte neue Job im Energiesektor, in den USA jeder zehnte.

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Und doch reicht das nicht: Mehr als die Hälfte der 700 von der IEA befragten Energieunternehmen meldet kritische Engpässe bei der Personalgewinnung. Damit die Fachkräftelücke bis 2030 nicht wächst, müsste die Zahl der qualifizierten Berufseinsteiger um 40 % steigen.

In Deutschland ist die Lage besonders angespannt. Das zeigen die jüngsten Zahlen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), das am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) angesiedelt ist: Fast 80 % der offenen Stellen für Bauelektriker können demnach nicht besetzt werden. Und in den nächsten 15 Jahren gehen laut einer Deloitte-Analyse voraussichtlich 70 % der Beschäftigten in deutschen Energieversorgungsunternehmen in Rente.

Inhaltsverzeichnis

Woher der Fachkräftebedarf kommt

Der Personalbedarf im Energiebereich beruht vor allem auf dem Stromsektor. Er ist laut IEA inzwischen der größte Arbeitgeber der Branche und hat den klassischen Brennstoffsektor erstmals überholt. Die IEA spricht vom beginnenden „Zeitalter der Elektrizität“. Seit 2019 sind drei Viertel aller neuen Energie-Jobs im Stromsektor entstanden, die Hälfte davon entfiel auf Solar-PV.

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Wo neue Jobs entstehen

Das Jobwachstum konzentriert sich dabei vor allem auf Schwellen- und Entwicklungsländer: Indien verzeichnete 2024 ein Plus von 5,8 %, Indonesien 4,8 %, der Nahe Osten 3,5 %. In den Industrieländern lag das Wachstum dagegen bei nur 0,4 %.

Über die Hälfte meldet kritische Engpässe

Trotz des Booms schlägt die IEA Alarm: Der Fachkräftemangel drohe den Ausbau der Energieinfrastruktur auszubremsen. Die Folgen der Engpässe seien bereits spürbar. Dazu zählten verzögerte Projekte, ein langsamerer Infrastrukturausbau und steigende Kosten.

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Besonders gesucht werden Elektriker, Rohrleitungsbauer, Leitungsmonteure, Anlagenfahrer und Nuklearingenieure. Ein zentrales Problem ist die Altersstruktur: In den Industrieländern kommen auf jeden Berufseinsteiger unter 25 Jahren statistisch 2,4 Beschäftigte, die kurz vor der Rente stehen. Bis 2035 werden zwei von drei Neueinstellungen allein dafür benötigt, ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen.

Die IEA beziffert die nötigen zusätzlichen Investitionen in Ausbildung auf 2,6 Mrd. Dollar jährlich – weniger als 0,1 % der weltweiten Bildungsausgaben.

Re-Skilling als Teil der Lösung

Ein möglicher Hebel wäre das Re-Skilling von Beschäftigten aus fossilen Branchen. Laut IEA verfügen rund zwei Drittel der Öl- und Gas-Beschäftigten über Grundkenntnisse, die mit gezielter Weiterbildung einen Wechsel in andere Energiebereiche ermöglichen würden. Ähnliches gilt für rund die Hälfte der Beschäftigten in fossilen Kraftwerken.

Schwieriger ist die Lage im Kohlebergbau: Hier lassen sich Beschäftigte schwerer umschulen. Das gelte besonders in Ländern mit hohem Anteil informeller Beschäftigung, hebt die IEA hervor. Die Agentur fordert deshalb spezielle Unterstützungsprogramme, um einen gerechten Übergang zu gewährleisten.

KI bedroht keine Jobs

Künstliche Intelligenz werde den Fachkräftemangel vorerst kaum lindern, so der Report: Zwar steigere KI die Produktivität in Verwaltung und Systemüberwachung, doch die akuten Engpässe betreffen vor allem manuelle Tätigkeiten in Bau, Betrieb und Wartung. In diesen Bereichen kann KI derzeit kaum Arbeitskräfte ersetzen.

Für Personen, die über einen Wechsel in die Energiewirtschaft nachdenken, kann dies auch ein Pluspunkt sein: Hier droht so schnell kein Jobverlust durch KI.

Deutschland: Bauelektriker und Betriebstechniker besonders knapp

In Deutschland zeigen die KOFA-Zahlen von 2025 für das Jahr 2024, wie kritisch die Lage bei Berufen ist, die für die Energiewende relevant sind. Im Jahresdurchschnitt 2024 konnten über 18.000 offene Stellen für Bauelektrik-Fachkräfte rechnerisch nicht besetzt werden. Das entspricht fast 80 % aller ausgeschriebenen Stellen in diesem Beruf. Bei Fachkräften für elektrische Betriebstechnik blieben 2024 mehr als 14.000 Stellen unbesetzt, bei Elektrotechnik-Ingenieuren waren es über 8500.

Dabei gelten diese Berufsgruppen als Flaschenhals der Energiewende. Bauelektriker installieren Solaranlagen und Windräder, Betriebstechniker binden erneuerbare Energien ins Stromnetz ein und bauen die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität auf. Im Vergleich zu 2023 haben sich die Engpässe in beiden Berufen nochmals verschärft.

Demografischer Wandel verschärft das Problem

Insgesamt lag die Fachkräftelücke in Deutschland 2024 bei knapp 487.000 unbesetzten Stellen – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr, der vor allem der schwachen Konjunktur geschuldet war. Doch Entwarnung gibt das KOFA nicht: Der demografische Wandel werde die Lage in den kommenden Jahren wieder verschärfen, da die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und weniger Nachwuchs nachrückt.

Laut einer Deloitte-Analyse werden In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren werden voraussichtlich etwa 70 % der Beschäftigten in deutschen Energieversorgungsunternehmen in den Ruhestand gehen. BDEW-Chefin Kerstin Andreae mahnte deshalb: „Die Energiewende darf nicht am Fachkräftemangel scheitern.“

Hier gelangen Sie zu dem vollständigen IEA-Report World Energy Employment 2025.



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