Engpass der Fusionsenergie 29.01.2026, 18:48 Uhr

Der härteste Fusions-Test beginnt: UNITY-3 soll Tritium-Problem lösen

UNITY-3 soll das größte Problem der Fusion lösen: Tritium. Am ORNL startet der weltweit härteste Test für Brutblankets.

UNITY-1-Decken- und Thermocyclus-Testanlage von Kyoto Fusioneering

Die UNITY-1-Decken- und Thermocyclus-Testanlage von Kyoto Fusioneering wird die neue Infrastruktur für die Prüfung von Brutdecken ergänzen, die gemeinsam mit ORNL entwickelt wird.

Foto: Kyoto Fusioneering

Die größte offene Baustelle der Fusionsenergie ist nicht das Plasma. Es ist der Brennstoff. Tritium ist selten, radioaktiv und lässt sich nicht einfach aus der Steckdose beziehen. Wer Fusion dauerhaft betreiben will, muss Tritium im Reaktor selbst erzeugen. Genau hier setzt ein neues Großprojekt an.

Am Oak Ridge National Laboratory entsteht mit UNITY-3 eine Testanlage, die weltweit erstmals Brutblankets unter realistischen Fusionsbedingungen prüfen soll. Partner ist Kyoto Fusioneering, koordiniert wird das Vorhaben durch das U.S. Department of Energy.

Warum Tritium über Erfolg oder Scheitern entscheidet

Fusionsreaktoren verbrennen Deuterium und Tritium. Deuterium ist im Wasser reichlich vorhanden. Tritium dagegen kommt in der Natur kaum vor. Heute stammt es fast ausschließlich aus Schwerwasserreaktoren. Für eine künftige Fusionsflotte reicht das nicht aus.

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Die Lösung heißt Brutblanket. Diese Hülle umgibt das Plasma und enthält meist Lithium. Trifft ein Neutron aus der Fusion auf Lithium, entsteht Tritium. Klingt simpel. In der Praxis ist es eine der schwierigsten Aufgaben der Fusionstechnik. Die Blanket-Systeme müssen extreme Hitze, starke Neutronenstrahlung und hohe Materialbelastungen aushalten – und dabei zuverlässig Tritium liefern.

UNITY-3: Testen unter Bedingungen wie im Reaktor

UNITY-3 soll genau diese Lücke schließen. Die Anlage wird Blanket-Konzepte unter Bedingungen testen, die echten Fusionsreaktoren sehr nahekommen. Dazu zählen Neutronenflüsse, Temperaturen und Materialbeanspruchungen, wie sie in Pilotanlagen erwartet werden.

Das Ziel ist klar: raus aus Simulationen, rein in belastbare Daten. UNITY-3 soll zeigen, welche Designs funktionieren, wo Materialien versagen und wie sich Tritium sicher gewinnen und abführen lässt. Damit sinkt das Risiko für spätere Fusionspilotanlagen deutlich.

Dr. Darío Gil, Unterstaatssekretär für Wissenschaft im DOE, sagt dazu: „Die Fusionsenergie stellt eine transformative Chance für unsere Energiezukunft dar.“ Die Partnerschaft zeige den Willen, kritische Infrastruktur aufzubauen und messbare Fortschritte zu erzielen.

Teil eines globalen Testprogramms

UNITY-3 ist kein Einzelprojekt. Es ergänzt das bestehende UNITY-Programm von Kyoto Fusioneering. Dazu gehört UNITY-1 in Kyoto, wo Blanket- und Thermokreisläufe getestet werden. UNITY-2 entsteht derzeit in Chalk River in Kanada und widmet sich dem Deuterium-Tritium-Brennstoffkreislauf.

Gemeinsam bilden diese Anlagen eine durchgehende Testkette. Von Materialfragen über Wärmemanagement bis zur Tritium-Handhabung lassen sich so komplette Systeme prüfen – etwas, das bislang weltweit fehlt.

ORNL bringt Material- und Neutronenkompetenz ein

Oak Ridge gilt als Schwergewicht in der Material- und Neutronenforschung. Supercomputer, Neutronenquellen und Fertigungslabore gehören zur Infrastruktur. Genau diese Kombination ist entscheidend für Brutblankets, deren Materialien jahrelang extremen Bedingungen standhalten müssen.

Troy Carter, Direktor der Fusion Energy Division am ORNL, erläutert: „Die Umsetzung der Brutblanket-Technologie von der Theorie in die praktische Anwendung ist entscheidend für die Verwirklichung eines Weges zur Fusionsenergie.“

Industrie trifft Grundlagenforschung

Kyoto Fusioneering verfolgt einen klar industriellen Ansatz. Das Unternehmen entwickelt Komponenten für künftige Fusionskraftwerke, von Plasmaheizung bis Tritiumtechnik. UNITY-3 verbindet diesen Ansatz mit der Forschungsstärke des ORNL.

Bibake Uppal, Leiter von Kyoto Fusioneering America, sagt: „Die Partnerschaft mit dem ORNL ermöglicht es uns, eine der schwierigsten verbleibenden Querschnittsherausforderungen der Fusion anzugehen.“ Gemeint ist die Validierung von Brutblankets in einer nuklearen Umgebung.

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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