07.07.2016, 09:24 Uhr | 1 |

Zuhause Arbeiten Trend zum Homeoffice: Das sind die wichtigsten Vor- und Nachteile

Der Wecker klingelt später, kein Kantinenessen und die Kinderbetreuung ist auch gesichert. Arbeiten im Homeoffice hat viele Vorteile. Auf der anderen Seite stehen fehlende soziale Kontakte, mangelnde Sichtbarkeit und drohende Ablenkung. Was also tun, wenn Ihnen jemand die Möglichkeit zur Telearbeit anbietet?

Schaukeln im Büro
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Feelgood-Managerin Eva Muhr schaukelt in ihrem Büro: Wer im Homeoffice arbeitet, kann sich auch ungewöhnliche Pausen genehmigen, ohne dass die Kollegen lästern.

Foto: Matthias Balk/dpa

Es klingt traumhaft: Der Job ist attraktiv, die Firma namhaft und die Arbeit kann im Homeoffice erledigt werden. Wer da einen Hauptgewinn vermutet und sofort an Vorteile wie Zeitersparnis, Kaffee nach eigenem Wunsch und Flexibilität bei der Zeiteinteilung denkt, hat Recht – ein bisschen.

Denn wie nahezu alles hat auch der Trend zum Homeoffice seine Schattenseiten. Ob die Pros oder die Contras überwiegen, hängt von jedem selbst ab – und natürlich vom jeweiligen Job. Während sich produzierende Berufe aus naheliegenden Gründen in der Regel nicht für die Arbeit von Zuhause aus eignen, bieten viele der klassischen „Schreibtischtäter“-Arbeiten bessere Möglichkeiten. Wenn alles gut läuft, sich jeder an die Regeln hält und nicht gleich in sämtliche Fallen tappt, die dieses Modell mit sich bringt, können Arbeitnehmer und Arbeitgeber beiderseitig profitieren.

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir haben eine Liste mit den jeweils fünf wichtigsten Vor- und Nachteilen zusammengestellt. So sind Sie vorbereitet, wenn Ihnen überraschend die Möglichkeit zum Homeoffice angeboten wird.

Die fünf wichtigste Vorteile des Arbeitens im Homeoffice

1. Zeitersparnis

Während sich die Kollegen, die im Büro arbeiten, am kollektiven Rushhour-Wahnsinn beteiligen, kann man sich noch einmal genüsslich strecken und langsam wach werden. Die Fahrt in vollen Bussen und Bahnen oder das Stehen im Stau mit anschließender, nerviger Parkplatzsuche entfällt: Wenn der tägliche Arbeitsweg 10 m statt 30 km beträgt, ist das schnell mal eine gewonnene Stunde pro Tag. Auf Dauer kommt da so einiges an ersparter Zeit zusammen – wenn man sie nicht direkt wieder bei Facebook & Co. vertrödelt. Aber das Thema „Ablenkung“ steht auf einem anderen Blatt. 

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau arbeitet am 05.07.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einem Homeoffice. Foto: Daniel Naupold/dpa (zu dpa-Korr "Kampf um die Arbeitszeit - Neue Regeln für Homeoffice und Co. nötig?" vom 29.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Wer zuhause arbeitet, sollte sich unbedingt eine Arbeitsatmosphäre schaffen und möglichst wenig ablenken lassen.

Foto: Daniel Naupold/dpa

2. Flexibilität

Die Sonne scheint, die Nachbarin klingelt – warum nicht den Nachmittag beim Kaffee auf dem Balkon verbringen und die Zeit am Abend dranhängen? Der Arzt hat nur einen Termin um 11 Uhr frei? Die Handwerker haben sich angesagt, ohne eine konkrete Zeit zu nennen? Die Schulaufführung des Sohns ist mitten am Nachmittag? Für Telearbeiter sind diese Termine deutlich besser zu koordinieren als für den klassischen Vor-Ort-Arbeitnehmer.

Dabei gibt es allerdings einige Regeln zu beachten, damit die große Freiheit nicht zum Bumerang wird: Das Arbeitspensum muss natürlich erfüllt werden, Termine sind keine reine Deko im Kalender. Sehr hilfreich ist auch eine klare Ansage an die Kollegen, wann man am Schreibtisch sitzt und wann nicht – das erleichtert die Absprache und beugt Gerede vor.

3. Work-Life-Balance

Die Kinder sind zu groß für den Hort, aber den ganzen Nachmittag allein sollen sie auch nicht sein? Die Betreuung hat Ferien, die Tochter ist krank oder der Hund braucht Gesellschaft? Das Haus im Grünen lockt und man kann die größere Entfernung zur Firma einfach ignorieren? Das Homeoffice bietet die perfekte Grundlage für eine gute Work-Life-Balance. Das führt nicht zuletzt dazu, dass viele Eltern mit der Möglichkeit zur Telearbeit früher aus der Elternzeit zurückkehren.

Natürlich kommt es stark auf den Wortteil „Balance“ an: Das (Privat-)Leben darf nicht Überhand nehmen. Wenn der Nachwuchs alle zehn Minuten bespaßt werden will oder der Partner dauernd Redebedarf hat, kommt man zu gar nichts. Konzentrationsphasen und vor allem -möglichkeiten sind auch zu Hause Pflicht.

4. Stressreduktion

Apropos Konzentrationsphasen: Es kann so angenehm sein, wenn der Kollege nicht ständig seine Witze reißt, nicht ewig das Telefon klingelt und man nicht dauernd Angst hat, zu spät zu kommen – zum Meeting, zur Arbeit, zum Termin. Wenn einem nicht permanent der Chef über die Schulter schaut und der Krach aus dem Großraumbüro an den Nerven zehrt. Damit ist das heimische Büro eine effektive Burnout-Prävention – allerdings nur, wenn man nicht im Gegenzug rund um die Uhr erreichbar sein muss oder jetzt halt das Telefon in der eigenen Wohnung alle zwei Minuten klingelt.

5.Reduzierte Kosten

Arbeiten kostet – nicht nur den Arbeitgeber. Tägliche Fahrten, Kleidungs- und Reinigungskosten, Kantinenessen oder der traditionelle Pausenkaffee mit den Kollegen gehen auf Dauer ins Geld. Das kann auch die Pendlerpauschale bei der Steuererklärung nicht rausreißen.

All das sind Kosten, die der Heimarbeiter nicht hat. Wenn man allerdings extra für den Homeoffice-Job eine größere Wohnung braucht, hat sich das Plus in der Geldbörse natürlich erledigt. Es sei denn, man verhandelt noch einmal nach, weil der Arbeitgeber ja keinen Schreibtisch zur Verfügung stellen muss und damit Büromiete spart.

Und das sind die fünf größten Nachteile eines Homeoffice

1. Fehlen von sozialen Kontakten

Wer den täglichen Austausch am Kantinentisch, die kurze Absprache mit dem Kollegen am Nebentisch oder die Inspiration von einem motivierenden Team braucht, hat im Homeoffice leider schlechte Karten. Auch der gerne mal unterschätze Flurfunk, bei dem man doch so einiges über Strategien und Entwicklungen erfährt, fällt weg.

Gelegentliche Abstimmungstelefonate oder Video-Meetings ersetzen das alles nicht. Bei aller Ruhe zum Arbeiten: Das Homeoffice begünstigt das Vereinsamen und den Verlust des Anschlusses. Im schlimmsten Fall kann das zum Karriereknick führen. Experten halten daher eine Begrenzung der Homeoffice-Zeit auf zwei bis zweieinhalb Tage pro Woche sinnvoll, um den Rest der Zeit im Team zu verbringen.

2. Starke Ablenkung

Das Kind schreit, der Laubbläser vorm Fenster nervt, Postdienste und Paketboten geben sich die Klinke in die Hand und Freunde kommen spontan vorbei, weil man ja „zuhause ist und sicher Zeit hat“: Der Ablenkungsfaktor am heimischen Schreibtisch ist nicht zu unterschätzen.

Außerdem gibt es ja noch Twitter, Facebook und den ganzen Rest des Internets – und keine soziale Kontrolle durch die Kollegen. Wenn man sich nicht selbst klare Regeln setzt, tut das niemand – mit entsprechenden Folgen für die Ergebnisse und die Produktivität. Also: Zeiten definieren und einhalten, Freunde auch mal vertrösten und dem Paketboten klarmachen, dass man nicht das Postamt für das komplette Haus ist.

3. Fehlende Motivation

Wenn da kein Team ist, das einen mitzieht, wenn man die Ergebnisse der Arbeit kaum sieht, weil der Blick fürs große Ganze fehlt, und wenn man ja „noch ewig Zeit“ hat und es deswegen nicht so drauf ankommt, wann man anfängt, fehlt irgendwann die Motivation.

Soziale Kontrolle durch die Kollegen kann nerven, aber auch beflügeln: Teamgeist eben. Disziplin, enge Kontakte zu Kollegen und regelmäßiges Feedback können da helfen. Und auch, wenn es eigentlich niemand sieht: raus aus der Jogginghose, rein in die Business-Klamotten. Selbst zuhause: Manch einem verhilft das zu einer professionellen Haltung – im Wortsinn.

4. Vorurteile

Solange Homeoffice in vielen Firmen noch die Ausnahme und nicht die Regel ist, gibt es jede Menge Vorurteile gegenüber denen, die nicht jeden Tag auf der Unternehmensmatte stehen. „Lauer Job“, „zu wenig Engagement“ und „fehlender Karrierewille“ sind da nur einige. Helfen können da klare Absprachen zu Zielen, Aufgaben und Erreichbarkeiten, eigene Disziplin und nicht zuletzt ein Umdenken bei den Vorgesetzten. Problematisch wird’s auch, wenn man vor lauter Angst, als faul zu gelten, viel zu viel arbeitet. Klare Arbeitszeiten müssen in beide Richtungen funktionieren.

5. Vermischung von Beruf und Privat

Das Telefon klingelt gefühlt rund um die Uhr, die Unterlagen liegen in der ganzen Wohnung und auch beim gemütlichen Fernsehabend kreisen die Gedanken noch um den Job? Wer im privaten Umfeld arbeitet, läuft Gefahr, keine klaren Grenzen zu ziehen – weder anderen noch sich selbst gegenüber.

Auch und gerade Heimarbeiter brauchen einen definierten Feierabend und einen festen Platz zum Arbeiten und für die benötigten Unterlagen. Das gilt auch für berufliche Telefonate: Homeoffice darf nicht heißen, dass man jederzeit und immer ansprechbar ist. Das sind die Kollegen aus dem Büro ja auch nicht. Bei BMW zum Beispiel müssen die Kollegen nach Feierabend ausdrücklich nicht mehr erreichbar sein.

Und hier finden Sie die besten Tipps, wie Sie Ihren Arbeitsplatz in Ordnung halten.

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Von Judith Bexten
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kommentare
09.08.2016, 09:21 Uhr JohannaBahlmann
Super spannender Artikel! Die Möglichkeit auf flexible Arbeitsmodelle hat viele Vorteile und sollte mehr etabliert sein: Die GEFTA bietet schon seit Jahren mit Home Office genau das: keine langen Pendelwege und mehr Zeit für Familie! Mehr unter: http://bit.ly/2ahVgin

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