Mobiles Arbeiten

Homeoffice und Flurfunk: Was Sie jetzt unbedingt beachten müssen

Die Stille Post im Büro kann eine gute Informationsquelle, die Ingenieure und Führungskräfte gezielt für sich nutzen sollten. Aber: Durch das Homeoffice ist sie bedroht.

Flurfunk kann eine hilfreiche Informationsquelle sein - im Homeoffice fällt sie zum Teil weg. Foto: panthermedia.net/AllaSerebrina

Flurfunk kann eine hilfreiche Informationsquelle sein - im Homeoffice fällt sie zum Teil weg.

Foto: panthermedia.net/AllaSerebrina

Klatsch und Tratsch im Büro haben nicht gerade den besten Ruf – obwohl sich wohl jeder ab und an daran beteiligt. Auch Ingenieure, die gern von sich behaupten, davon nichts wissen zu wollen, weil nur der persönliche Einsatz und die Ergebnisse zählen – sonst nichts. Stimmt natürlich. Aber eben nicht ganz.

Denn der kurze Schnack zwischendurch ist nicht so unproduktiv, wie ihm vorgeworfen wird, sondern eine Wohlfühl- und Informationsquelle, um die man keinen Bogen machen sollte. Jetzt im Homeoffice fehlt er für viele aber weitgehend. Arbeitspsychologen wissen: Klatsch und Tratsch wirkt als sozialer Kit, der Teams zusammenhalten kann. Nicht nur eine rein sachliche Arbeitsbeziehung bringt voran, sondern gegenseitiges Interesse, was sich auch durch das Pläuschchen zwischendurch vermittelt. Denn das schafft eine Vertrauensbasis und Verbundenheit.

Ein bisschen Klatsch im Homeoffice

Wenn diese spezielle Art der Kommunikation, und das ist die entscheidende Einschränkung, nicht bösartig, diffamierend und falschinformierend in seiner destruktiven Variante verwendet wird. Lästern, ätzen und fiese Gerüchte streuen ist eben etwas anderes, als sich über inoffizielle Neuigkeiten aus dem Betrieb auszutauschen, Probleme anzuvertrauen und auf diese Weise mit Ungewissheiten umzugehen.

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Ein bisschen Klatsch muss sein – auch im Homeoffice. Das tut dem Team gut, ist aber auch für Führungskräfte wertvoll. Ihnen empfehlen Berater von Kienbaum gar zum „Walk the Talk“. Lauschen, wo es passiert. Sich unter die Mitarbeiter mischen, zuhören und mitbekommen, was sonst sauber unter der Decke bleibt. „Klatsch und Tratsch haben eine Ventilfunktion – es drängen Dinge ans Tageslicht, die im Interesse der Psychohygiene zum Ausdruck gebracht werden müssen“, sagt Claus Peter Müller-Thurau, studierter Psychologe, Trainer und Personalentwickler aus Hamburg. Zunächst einmal vermittele der lockere Plausch ein „Wir-Gefühl“ am Arbeitsplatz, meint Müller-Thurau: „Da begegnen sich ja nicht nur seelenlose Funktionsträger, sozusagen Personalnummern auf zwei Beinen, sondern Menschen mit oft gemeinsamen Bedürfnissen, Hoffnungen und Ängsten.“ Mit einem: „Hast Du schon gehört: Wir verlieren möglicherweise einen wichtigen Kunden“ beginne nicht selten ein Prozess der Seelenreinigung.

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Psychologe und Gerüchteforscher Nicholas DiFonzo vom Rochester Institute of Technology erklärt, dass Gerüchte vor allem bei Unsicherheit und mangelnder Information entstehen. Ein Vakuum, so die verbreitete Befürchtung, dass mit Halbwahrheiten gefüllt wird, um Klar- und Sicherheit zu schaffen. Doch, Überraschung, dem scheint nicht so zu sein: DiFonzo fand heraus, dass die inoffiziellen Infos verlässlicher waren als offizielle Verlautbarungen. Besonders wenn es um anstehende Entlassungen, Beförderungen, Zukunftspläne eines Unternehmens oder Gehälter ging. Zu mindestens 80 Prozent seien die kolportierten Informationen wahr, behauptet der Forscher.

Homeoffice: Ohren auf!

Führungskräfte sollten also emsiges Getuschel nicht per se unterbinden, sondern ein offenes Ohr dafür haben. Dabei könnte ihnen bewusstwerden, wo Desinformation herrscht und mit Aufklärung gegengesteuert werden muss. Was gar nicht geht: Selber mitmischen oder gar mit Gerüchten die Geschicke in eine dem Chef genehme Richtung lenken wollen.

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Abseits aller Absichten kann ein kleiner Tratsch zwischendurch schlicht entspannen, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und das Vertrauen untereinander fördern. Arbeits- und Organisationspsychologen nennen im Wesentlichen drei Gründe, warum geklatscht und getratscht wird:

  • Erstens, um sich Luft zu schaffen, zur Emotionsregulation und um Spannungen zu bewältigen.
  • Zweitens, um „Mikropolitik“ im eigenen Interesse oder im Interesse anderer zu betreiben, also Karrieren zu befördern.
  •  Drittens, um anderen zu schaden.

In jedem Fall erfüllt der vermeintlich lockere Plausch eine nicht unwesentliche Funktion. Dumm nur, dass er vom Trend zum Homeoffice bedroht ist. Wie soll man, allein im häuslichen Arbeitszimmer, ein Gespür für das Verhältnis von Führungskräften zu ihren Mitarbeitern und über das Miteinander in Projektteams entwickeln? Wie lassen sich recht unkompliziert Konflikte vermeiden, wenn Tacheles darüber geredet wird, warum es im Projekt nicht voran geht oder warum Entscheidungen des Chefs eher kontraproduktiv sind? Denn durch das Vortasten auf inoffizieller Ebene kann ein Missstand schließlich mit vereinter Stimme auf offizieller Ebene zur Sprache gebracht werden – und das beizeiten. Warum also nicht virtuell tratschen? Vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber nötig. Einfach sich per Skype, Zoom & Co. mit den Kollegen zum Plausch verabreden oder nach dem offiziellen Meeting länger in der Leitung bleiben. Oder sich auf kurzem Weg per Messenger darüber austauschen, was einem auf den Nägeln brennt. Alles machbar. Nur Führungskräfte dürften es schwer haben, dem „Talk“ zu folgen.

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Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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