Arbeiten von Zuhause 01.02.2021, 10:03 Uhr

Homeoffice führt laut Studie zu Milliardenschäden

Untersuchungen zeigen: Das Homeoffice-Prinzip könnte Hunderttausende Arbeitsplätze gefährden. Und die Studie zeigt noch einen weiteren sehr überraschenden Effekt.

Kommt eine Homeoffice-Pflicht in Unternehmen?  Foto: panthermedia.net/kasto

Kommt eine Homeoffice-Pflicht in Unternehmen?

Foto: panthermedia.net/kasto

Und plötzlich war das Büro irgendwo zwischen Küchentisch und Wohnzimmercouch. Quasi über Nacht. Homeoffice heißt das Schlagwort, das in der Auswahl für das „Wort des Jahres“ zumindest unter den Top 10 rangieren dürfte.

Gerade in Deutschland galt mobiles Arbeiten in den allermeisten Unternehmen als exotische Angelegenheit – spätestens seit März 2020 gehört Arbeiten im Homeoffice für sehr viele Arbeitnehmer zum Alltag. Jetzt zeigen Untersuchungen: Homeoffice verursacht unter Umständen Milliardenschäden.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
(Senior) Projektmanager*in Niederspannung (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
Grünecker Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB-Firmenlogo
Patentingenieur (m/w/d) der Fachrichtung Physik und/oder Elektrotechnik mit der Möglichkeit zur Ausbildung zum "European Patent Attorney (m/w/d/)" Grünecker Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB
München Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Flugsicherungsingenieur (w/m/d) DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
VAHLE-Firmenlogo
Ingenieur Automatisierungs- und Steuerungstechnik (m/w/d) VAHLE
Kamen, Großraum Dortmund Zum Job 
Grünecker Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB-Firmenlogo
Europäischer Patentanwalt (m/w/d) der Fachrichtung Physik, Informatik, Elektrotechnik oder Nachrichtentechnik Grünecker Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB
München Zum Job 
Grünecker Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB-Firmenlogo
Patentanwalt oder European Patent Attorney (m/w/d) mit technischem Schwerpunkt Life Science / Biotechnologie / Biochemie Grünecker Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB
München Zum Job 
THERMO-SYSTEM Industrie- & Trocknungstechnik GmbH-Firmenlogo
Verfahrenstechniker:in / Vertriebsingenieur:in THERMO-SYSTEM Industrie- & Trocknungstechnik GmbH
Esslingen am Neckar Zum Job 
PNE AG-Firmenlogo
Senior Einkäufer Windenergieanlagen (m/w/d) PNE AG
Husum, Cuxhaven, Hamburg Zum Job 
Dorsch Gruppe-Firmenlogo
(Senior) Projektingenieur (m/w/d) für HKLS technische Gebäudeausrüstung Dorsch Gruppe
Wiesbaden Zum Job 
Siléane über STRATEGY & ACTION International GmbH-Firmenlogo
Sales Manager DACH (m/w/d) Sondermaschinenbau - Robotertechnik, Optik und künstliche Intelligenz für die Industrie Siléane über STRATEGY & ACTION International GmbH
Home-Office Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Landkreis Esslingen-Firmenlogo
Mitarbeiter (m/w/d) Elektro- und Gebäudetechnik beim Amt für Kreisimmobilien und Hochbau für das Sachgebiet Allgemeiner Bau Landkreis Esslingen
Plochingen Zum Job 
ARVOS GmbH SCHMIDTSCHE SCHACK-Firmenlogo
Sales and Tendering Engineer (m/f/d) ARVOS GmbH SCHMIDTSCHE SCHACK
Düsseldorf Zum Job 
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Simulationsingenieur (m/w/d) Strukturmechanik Automotive Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG
Biberach Zum Job 
Stadtwerke Lübeck-Firmenlogo
Ingenieur:in Prozessdatentechnik Stadtwerke Lübeck
Lübeck Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Planer:in / Projektbetreuer:in Netze (w/m/d) - gerne auch Berufseinsteiger:in Berliner Wasserbetriebe
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Bautechniker:in Planung (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Fachexpert:in Netze (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Osnabrück Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) Bauwerksprüfung Die Autobahn GmbH des Bundes
Osnabrück Zum Job 

Plötzlich Homeoffice: Wie Sie produktiv bleiben

Homeoffice: Kosten von 16,7 Milliarden Euro

Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Price Waterhouse Coopers (PWC) für Großbritannien. Dort arbeitete im April letzten Jahres jeder zweite Erwerbstätige von zuhause aus. Sollte sich der Trend fortsetzen und nicht nach und nach die Angestellten in die Büros zurückkehren, könnte das insgesamt ein Loch ins Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 15,3 Milliarden Pfund (etwa 16,7 Milliarden Euro) reißen, so das Fazit der Home-Office-Studie.

Das Ergebnis hat nichts mit der vieldiskutierten Frage zu tun, ob Menschen im Home-Office produktiver sind oder nicht, sondern mit der Infrastruktur, die das traditionelle Arbeiten in Büros am Laufen hält. Denn eine gewaltige Wertschöpfungskette hängt vom Bürojob ab: Gastronomiebetriebe, Immobilienplaner, Makler, Vermieter, Reinigungsunternehmen, IT-Agenturen, Projektentwickler – um nur ein paar offensichtliche Beispiele zu nennen.

„Dass vermehrt Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, hat Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette und entsprechende Ökosysteme von Unternehmen um die Büros großer Firmen. Dazu gehört die Gastronomie, die Mitarbeiter bislang vor allem mittags versorgt haben, Einzelhändler, Verkehrsunternehmen und auch Tankstellen für Pendler“, so Philipp Wackerbeck, Partner bei PWC Strategy& Deutschland gegenüber INGENIEUR.de.

In der Studie heißt es für Großbritannien: „Der Dienstleistungssektor, auf den rund 80 % des britischen BIP entfallen, musste sich plötzlich auf leere Büros einstellen, in denen fast vier von fünf Mitarbeitern von Zuhause arbeiteten.“

Insgesamt könnten „Arbeitsstunden im Umfang von 250.000 Vollzeitstellen wegfallen“. Sprich: Hunderttausende Arbeitsplätze wären in Gefahr, wodurch wiederum die Kaufkraft und das Konsumverhalten sänke – ein Teufelskreis, wenn es denn so eintrifft, wie die Studie prophezeit.

Entwicklung auch in Deutschland denkbar

Eine solche Entwicklung wie in Großbritannien ist durchaus auch in Deutschland denkbar, betroffen wären zum Beispiel auch Bauunternehmen oder Architekten. „Innerhalb des Sektors wird es zunächst unterschiedliche Entwicklungen geben, beispielsweise weg von Aufträgen für Büros oder Hotels hin zu Infrastrukturprojekten“, glaubt Philipp Wackerbeck. Die Unternehmen würden demnach ihr Angebot nach Möglichkeit darauf ausrichten. „Einige Bereiche im und angrenzend an das Baugewerbe spüren möglicherweise negative wirtschaftliche Auswirkungen von Corona. Ein Beispiel ist die sinkende Nachfrage nach Facility Management bei Firmen, die vollständig auf Homeoffice umgestellt haben.“

Andere Unternehmen hingegen hätten dank hoher Auftragsbestände bislang wenig von der Krise gespürt, so Wackerbeck. Und: „Im Industrievergleich ist die ökonomische Lage in der Baubranche solide und wird auf einen attraktiven Wachstumspfad einschwenken, sobald die Zeichen der Volkswirtschaft wieder auf Erholung stehen.“

Bezogen auf die Wertschöpfung ist innerhalb der britischen PWC-Studie allerdings nicht miteinberechnet, ob Mitarbeiter eines Unternehmens effizienter oder weniger effizient im Homeoffice arbeiten. Viele Mitarbeiter stehen dem mobilen Arbeiten zumindest Umfragen zufolge eher positiv gegenüber. 75 Prozent der deutschen wünschen sich, auch unabhängig von Corona, bisweilen von zuhause aus arbeiten zu können, so das Ergebnis einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Mai 2020.

Homeoffice: Aufwertung der Vororte?

Und auch viele Unternehmen haben eher positive Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht – auch in der Industrie beziehungsweise im verarbeitenden Gewerbe, wie etwa im Maschinenbau oder der Autoindustrie. Laut einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) waren in diesem Sektor vor Corona nur in jedem vierten Betrieb Mitarbeiter regelmäßig im Homeoffice. Im Juni waren es etwa 50 Prozent. Wie sich das in Zahlen und Bilanzen auswirken wird, ist derzeit noch nicht recht absehbar.

Haben wir uns auf völlig falsche Zahlen gestützt? Intensivmediziner im Interview

Ein ganz anderer Faktor, der bei der Diskussion über das Arbeiten von Zuhause bislang meist übersehen wurde: Möglicherweise gibt es in manchen Bereichen eine Aufwertung von ländlichen Gebieten gegenüber der Stadt. „Beschäftigte, die früher in innerstädtischen Büros gearbeitet haben, können mehr wirtschaftliche Aktivitäten in die Vororte und ländliche Gebieten bringen“, heißt es in der PWC-Studie. „Es gibt sowohl negative, aber auch positive Effekte, was beispielsweise bereits in Bereichen wie dem Lebensmittelhandel sichtbar ist. Auch eine Verschiebung von Infrastrukturen in den ländlichen Raum wäre möglich, wenn die wirtschaftliche Aktivität und damit die Lebensqualität durch hohe Mieten und Lebenshaltungskosten in Großstädten sinkt“, so Wackerbeck.

Es wird keine Rückkehr in die „Normalität“ geben

Klar ist für ihn: Unternehmen sollten sich anpassen und nicht geduldig auf eine Rückkehr in die „Zeit vor Corona“ hoffen.

„Auf eine ‚Normalisierung‘ können Branchen und Unternehmen nicht warten, da es in den meisten Bereichen keine Rückkehr auf ein ‚Vor-Krisen-Welt‘ geben wird“, sagt der Stratege. Das betreffe vor allem notwendige Transformationen, die durch die Krise gezwungenermaßen in Angriff genommen werden. „Ein viel genanntes Beispiel ist die Digitalisierung, die auch mit der verstärkten Arbeit im Homeoffice zu tun hat. Neue Arbeits- und Geschäftsmodelle sind daher für viele Branchen und die daran geknüpften Ökosysteme relevant. Daher sollten sich Unternehmen damit beschäftigen, wie sie sich strategisch auf die ’neue Normalität‘ ausrichten.“

Im Zuge der jüngsten Corona-Maßnahmen haben Bund und Länder sich inzwischen darauf geeinigt, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten künftig das Arbeiten im Homeoffice überall dort ermöglichen müssen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Studien zeigen: Womöglich verringert sich tatsächlich die Zahl von Neuinfektionen durch Homeoffice. Laut einer Studie von VWLern der Uni Mannheim zum Beispiel sinkt die Zahl der Neuinfektionen um vier Prozent und mehr, wenn die Zahl von Arbeitnehmern im Homeoffice um ein Prozent steigt.

Manchen Kritikern gehen die Maßnahmen angesichts dessen nicht weit genug, sie wollen, dass Arbeitgeber stärker und klarer in die Pflicht genommen werden. Arbeitgeberverbände und manche Ökonomen indes warnen vor Insolvenzwellen.

Weitere interessante Themen zum Home-Office:

Home-Office: Die 5 wichtigsten Vor- und Nachteile

Diese Rechte- und Pflichten müssen Sie im Home-Office beachten

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.