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Wasserstoff auf See: Europa entwickelt Brennstoffzelle für 80.000 Betrie…

23. Februar 2026

Großes Frachtschiff auf hoher See
Große Frachtschiffe lassen sich kaum mit Batterien elektrifizieren. Brennstoffzellen könnten eine Alternative sein. Foto: Smarterpix/Alex.Stemmer
Neun Partner wollen eine Schiffs-Brennstoffzelle bauen, die 80.000 h hält. Als wäre das nicht genug, soll sie auch noch einen Rekord brechen.
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Reiner Wasserstoff wird nach wie vor als alternativer Treibstoff für alle Arten von Fahrzeugen diskutiert: Pkw und Lkw, Züge, Flugzeuge… und natürlich Schiffe.

Um den maritimen Verkehr war es jüngst etwas stiller geworden, da eher Wasserstoffderivate wie Methanol als Treibstoffalternative gehandelt wurden. Ein Konsortium aus neun Industrie- und Forschungspartnern will nun den reinen Wasserstoff wieder ins Spiel bringen und entwickelt die erste PEM-Brennstoffzelle im zweistelligen Megawatt-Bereich für die Schifffahrt. Die anvisierte Lebensdauer liegt bei mehr als 80.000 Betriebsstunden. Etwas Vergleichbares gibt es in Europa bisher nicht.

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Das Kick-off des Projekts fand Mitte Februar im finnischen Espoo statt. Was steckt hinter dem überraschenden Vorhaben, und wie realistisch ist es?

Inhaltsverzeichnis

Warum die Schifffahrt dekarbonisieren muss

Der maritime Verkehr verursacht laut der International Maritime Organization (IMO) knapp 3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen – Tendenz steigend. Das ist mehr als der Flugverkehr, dessen Ausstoß laut IEA im Jahr 2023 bei rund 2,5 % lag. Große Schiffe lassen sich genausowenig mit Batterien elektrifizieren wie Flugzeuge: Die Energiedichte reicht nicht für lange Strecken, und die Ladezeiten sind für den kommerziellen Betrieb zu lang.

Wasserstoff-Brennstoffzellen könnten daher auch in diesem ‚hard-to-abate‘-Sektor eine Alternative sein. Sie erzeugen Strom aus Wasserstoff und Sauerstoff, stoßen dabei nur Wasser aus und bieten eine hohe Energiedichte im Verhältnis zum Gewicht. Das macht Wasserstoff gerade für die Schifffahrt interessant: Große Mengen lassen sich an Bord mitführen, was lange Fahrten auf See ermöglicht.

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Die Idee hinter „MiNaMi“

Hier setzt das Projekt MiNaMi an, kurz für „Million Nautical Mile Fuel Cell System„. Wie der Name schon sagt, soll das System über eine Mio. Seemeilen bei 12,5 Knoten zuverlässig funktionieren.

Die Laufzeit des Projekts beträgt vier Jahre bis Ende 2029. Gefördert wird es über das Clean Hydrogen Joint Undertaking im Rahmen von Horizont 2020. Im EU-Auswahlverfahren setzte es sich nach Angaben der Verantwortlichen gegen sieben weitere Bewerbergruppen durch.

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Über 10 MW stapelbare Leistung

Das MiNaMi-System soll nach Angaben dem Konsortium eine Leistung von über 10 MW erreichen. Dabei setzen die Partner auf ein modulares Konzept: Einzelne Brennstoffzellen-Stacks lassen sich kombinieren, um die Leistung je nach Bedarf zu skalieren. Zum Vergleich: Der schwedische Hersteller PowerCell, einer der Projektpartner, hält bislang mit einem 3-MW-System bislang den Rekord für die größte maritime Einzellieferung. Verbaut wurde die Brennstoffzelle in einer europäischen Superjacht.

Der Sprung auf über 10 MW bedeutet jedoch eine andere technologische Dimension. Anders als bei einer Jacht, die zeitweise unter Last fährt, muss ein Frachtschiff oder eine Fähre dauerhaft und zuverlässig laufen. Zum Teil mehrere Wochen am Stück, ohne Werftaufenthalt.

Das Konsortium: Wer was beiträgt

Koordinator des Projekts ist das Forschungszentrum VTT. Die neun Partner decken mehrere Stationen der Wertschöpfungskette einer Brennstoffzelle ab:

  • PowerCell Sweden liefert die Brennstoffzellen-Stacks.
  • DFDS, eine der größten europäischen Fährreedereien, bringt den konkreten Anwendungsfall aus dem kommerziellen Schiffsbetrieb ein.
  • ABB Marine & Ports übernimmt die Systemintegration.
  • Vaisala steuert Umweltsensorik bei.
  • Die Forschungsinstitute SINTEF (Norwegen), CERTH (Griechenland) und Fondazione Bruno Kessler (Italien) ergänzen das Konsortium auf wissenschaftlicher Seite.

Deutsches Unternehmen liefert Sensorik

Die Allengra GmbH aus Ravenstein bringt Ultraschall-Durchflusssensorik in das Projekt ein. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Lösung eines Problems, das charakteristisch für PEM-Brennstoffzellen ist: In den Mini-Kraftwerken wird nie der gesamte Wasserstoff verbraucht. Ein Teil verlässt das System ungenutzt, vermischt mit Stickstoff und Feuchtigkeit.

An dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird der überschüssige Wasserstoff abgeblasen, was teuer ist und Ressourcen verschwendet. Oder er wird rezirkuliert und erneut der Brennstoffzelle zugeführt. Dafür muss das System aber in Echtzeit wissen, wie viel Wasserstoff noch im Gasgemisch enthalten ist. Genau das messen die Allengra-Sensoren: Sie bestimmen per Ultraschall den Durchfluss und die Gaszusammensetzung gleichzeitig. Damit ermöglichen sie laut Hersteller eine gezielte Rückführung des Wasserstoffs.

Dieser Ansatz kann die Effizienz des Gesamtsystems nach Angaben aus dem Projekt erheblich steigern. Je größer die Brennstoffzelle, desto relevanter wird die Rezirkulation, weil auch die Menge an ungenutztem Wasserstoff wächst.

Warum Ultraschall in Wasserstoff so schwierig ist

Die Messung selbst ist alles andere als trivial. Wasserstoff hat eine sehr geringe Dichte, was die akustischen Signale der Ultraschallwandler abschwächt – besonders im niedrigen Druckbereich zwischen 4 und 60 bar, wie er in Brennstoffzellen üblich ist. Hinzu kommen Anforderungen an die Materialverträglichkeit: Alle Bauteile, die mit Wasserstoff in Kontakt kommen, müssen aus speziell geeignetem Edelstahl gefertigt sein. Feuchtigkeit und Wassertropfen im Gasstrom dürfen die Messung nicht verfälschen.

Nach Angaben der Allengra GmbH ist Wasserstoff unter allen Medien, die das Unternehmen bisher gemessen hat, das anspruchsvollste.

Wo die Brennstoffzelle noch zum Einsatz kommen könnte

Das MiNaMi-System ist primär für den maritimen Einsatz konzipiert. Die Partner sehen aber auch Anwendungspotenzial im Schienenverkehr, bei der stationären Stromerzeugung und bei schweren Arbeitsmaschinen wie Muldenkippern im Bergbau.

Ein konkretes Testschiff oder eine Route stehen noch nicht fest. Die Beteiligung von DFDS als Fährbetreiber legt aber nahe, dass das System perspektivisch auf europäischen Fährrouten erprobt werden könnte. Ein erster Prototyp wird frühestens gegen Ende der Projektlaufzeit erwartet, also voraussichtlich 2028 oder 2029.

Ob Wasserstoff in der Schifffahrt eine Chance hat, ist noch ähnlich unklar wie im Luft- oder Straßenverkehr. Dieses Projekt dürfte einen Teil dazu beitragen, es herauszufinden.



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