Folge des Dieselskandals 18.11.2016, 12:19 Uhr

VW will 30.000 Arbeitsplätze abbauen

Jetzt müssen doch die Arbeitnehmer bei VW für die Folgen des VW-Skandals bluten: Der Konzern will 30.000 Stellen streichen, davon 23.000 in Deutschland. Diesen massiven Stellenabbau nennen Konzern und Betriebsrat „Zukunftspakt“.

Betriebsversammlung mit VW-Vorstandschef Matthias Müller im März 2016 in Wolfsburg: Damals war von Stellenabbau noch keine Rede. Jetzt hat VW mitgeteilt, das weltweit 30.000 Stellen abgebaut werden, davon 23.000 in deutschen Werken.

Betriebsversammlung mit VW-Vorstandschef Matthias Müller im März 2016 in Wolfsburg: Damals war von Stellenabbau noch keine Rede. Jetzt hat VW mitgeteilt, das weltweit 30.000 Stellen abgebaut werden, davon 23.000 in deutschen Werken.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Während die geschassten Topmanager wie Konzernchef Martin Winterkorn trotz des Skandals nicht auf ihre Millionenabfindungen verzichtet haben, muss jetzt die Belegschaft für die enormen Kosten, die auf den Konzern zukommen, ihren Kopf hinhalten.

Analysten: Dieselskandal kostet bis zu 35 Mrd. Euro

Bislang hat VW 17,8 Milliarden Euro für die Kosten des Dieselskandals zurückgelegt. Unter anderem werden damit der Rückruf von 12 Millionen manipulierten Fahrzeugen bezahlt, die Entschädigung der US-Kunden und der teilweise Rückkauf der Fahrzeuge.

Doch nach Einschätzung der Analysten wird die zurückgelegte Milliardensumme nicht reichen, zumal jetzt die Konzerntochter Audi immer mehr in den Fokus gerät und neue Schadensersatzklagen drohen. Deshalb rechnen Analysten inzwischen damit, dass der VW-Konzern 20 bis 35 Milliarden Euro einplanen muss, um alle Folgekosten des Dieselskandals aufzubringen. Ein Teil des Geldes holt sich VW nun bei den Mitarbeitern.

Stellenabbau soll bis 2020 rund 3,7 Mrd. Euro bringen

Dass VW deshalb einen massiven Stellenabbau einleiten wird, haben Beobachter schon länger vermutet. Jetzt hat der VW-Konzern mitgeteilt, dass das Unternehmen 30.000 seiner weltweit 200.000 Stellen abbauen wird. Davon sind 23.000 Stellen vor allem in Norddeutschland betroffen. Da der VW-Absatz jedoch weiterhin hoch ist, müssen die verbleibenden Mitarbeiter mehr arbeiten. Deshalb haben Konzern und Betriebsrat Mehrarbeit vereinbart.

Zukunftspakt nennt der VW-Konzern den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen, davon 23.000 in Deutschland. Im Bild: VW-Chef Matthias Müller.

Zukunftspakt nennt der VW-Konzern den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen, davon 23.000 in Deutschland. Im Bild: VW-Chef Matthias Müller.

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Bis 2020 will der VW-Konzern dadurch sein Ergebnis um 3,7 Milliarden Euro pro Jahr verbessern. Davon entfallen laut VW 3,0 Milliarden Euro Ergebnisverbesserung auf die deutschen Standorte. Die Produktivität in den deutschen Werken soll um rund 25 % steigen, die operative Umsatzrendite soll sich dadurch auf 4 % bis 2020 verbessern.

Die Zeche des VW-Skandals zahlen damit die Mitarbeiter, die nun in die Arbeitslosigkeit rutschen und in von VW geprägten Standorten wie Wolfsburg kaum Chancen haben, eine andere Arbeit zu finden.

Milliarden-Investitionen in Elektromobilität

Zwar hat VW gleichzeitig angekündigt, rund 3,5 Milliarden Euro in neue Bereiche wie die Elektromobilität zu investieren und dort 9.000 neue Stellen zu schaffen. Allerdings können Mitarbeiter aus den konventionellen Bereichen nicht einfach zu Produktionsstätten der Elektrofahrzeuge wechseln. Da sind andere Qualifikationen gefragt, worauf Personalvorstand Karlheinz Blessing hingewiesen hat: „Die Umsetzung des Zukunftspakts wird für viele unserer Beschäftigten große Veränderungen bringen: Sie müssen sich qualifizieren, neue Arbeitsweisen erlernen, neue Aufgaben übernehmen.“

Montage des Antriebssatzes für den e-Golf in Wolfsburg: Neben der Manufaktur in Dresden sollen künftig auch in Wolfsburg und Zwickau Elektroautos gebaut werden. Im Bereich Elektromobilität und Digitalisierung will VW 9.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Montage des Antriebssatzes für den e-Golf in Wolfsburg: Neben der Manufaktur in Dresden sollen künftig auch in Wolfsburg und Zwickau Elektroautos gebaut werden. Im Bereich Elektromobilität und Digitalisierung will VW 9.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Foto: Volkswagen

Immerhin werden künftig Elektroautos nicht nur in der Gläsernen Manufaktur in Dresden gebaut, sondern neu auch in den VW-Werken in Wolfsburg und Zwickau. Dort können also Mitarbeiter aus der konventionellen Fertigung zu den Elektroautos wechseln – nach erfolgter Qualifizierung.

Erstaunlich ist jedoch, wie sich der massive Personalabbau bei VW in der offiziellen Pressemitteilung des Konzerns liest. Da heißt es in der Überschrift sybillinisch:

„Volkswagen schließt Pakt für mehr Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit“.

Im ersten Absatz ist von einem Stellenabbau keine Rede:

„Vorstand und Gesamtbetriebsrat von Volkswagen haben in Wolfsburg nach konstruktiven Verhandlungen einen Zukunftspakt unterzeichnet. Er leitet die Rückkehr der Marke Volkswagen auf einen profitablen Wachstumskurs ein. Das Programm für die deutschen Standorte mit rund 120.000 Mitarbeitern soll die Wettbewerbsfähigkeit der Marke Volkswagen deutlich verbessern und das Unternehmen zukunftsfest machen. Es schafft die Voraussetzungen für den Wandel vom reinen Automobilhersteller zum erfolgreichen Mobilitätsdienstleister im Zeitalter von Digitalisierung und zunehmender Elektromobilität. Im Mittelpunkt steht eine Neuorientierung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Bereits 2020 will die Marke Volkswagen völlig neu aufgestellt sein.“

e-Golf in der Gläsernen Manufaktur in Dresden: 3,5 Milliarden Euro will VW in neue Antriebstechniken investieren.

e-Golf in der Gläsernen Manufaktur in Dresden: 3,5 Milliarden Euro will VW in neue Antriebstechniken investieren.

Foto: Volkswagen

VW-Markenvorstand Herbert Diess zeichnet die Zukunft ebenfalls rosig. „Mit dem Zukunftspakt macht Volkswagen einen großen Schritt nach vorn. Der Zukunftspakt steht für den weitreichenden Umbau der Wertschöpfung, den Aufbau neuer Kompetenzen und für strategische Investitionen“, sagte Diess am Vormittag in Wolfsburg. „Wir stärken Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit, und wir sorgen für die Zukunftssicherung unserer Standorte. Dem sozialverträglichen Abbau von Arbeitsplätzen steht ein Aufbau an anderer Stelle gegenüber.“

Selbst Betriebsratschef Bernd Osterloh war bei der Verkündigung des Abbaus von 30.000 Stellen ausgesprochen gefasst. Er sagte: „Die wichtigste Nachricht ist: Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind sicher. Wir haben vereinbart, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen sind. Wenn ich sehe, was in anderen Unternehmen passiert, ist das ein großer Erfolg in schwierigen Zeiten.“

Hier lesen Sie den Dieselskandal im Überblick.

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