Porträt 27.01.2012, 12:01 Uhr

Sebastian Schenker: Mensch mit Macher-Mentalität

Sebastian Schenker ist ein Mensch, der etwas bewegen will, Dinge anpackt, nicht ewig diskutiert. Deshalb passt er gut in die Produktion, dort werden Ingenieure mit Macher-Mentalität gebraucht. Und wenn die Finger mal schmutzig werden, stört ihn das nicht. In seinem früheren Leben als Banker hatte er zwar immer saubere Hände, aber der Job passte nicht.

Zuerst Banker, dann Ingenieur: Wie passt das zusammen? „Perfekt, wenn man in der Produktion arbeitet“, sagt Sebastian Schenker. Als Bankangestellter müsse man die unterschiedlichsten Menschen verstehen, um sie beraten zu können. In der Produktion sei das nicht anders, und weil viele Unternehmen soziale Fähigkeiten mit fachlichen Kompetenzen gleichsetzen, war seine Banklehre schon die halbe Miete für sein neues Leben als Wirtschaftsingenieur.

Heute, vier Jahre nach Studienabschluss, hört sich das so an, als hätte Schenker genau gewusst, was er mit welchen Konsequenzen tat. Doch das wusste er eben nicht. Woher auch? „Mir kam zugute, dass ich ein Mensch bin, der nicht ewig sinniert oder diskutiert. Ich bin einer, der gerne anpackt, verändert, macht.“

Schenker studiert an der Hochschule in Esslingen Wirtschaftsingenieurwesen

Nach der Realschule absolvierte der heute 29-Jährige eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank Schwäbisch Gmünd, nur wenige Kilometer von seinem Geburtsort Lorch entfernt. Eineinhalb Jahre arbeitete er dort als Kundenberater und war anschließend Zivildienstleistender in einem Altenzentrum. Dem folgte ein einjähriges kaufmännisches Berufskolleg, das er mit der Fachhochschulreife und damit der Zugangsberechtigung für ein Studium abschloss. „Klar, dass nun ein Betriebswirtschaftslehre-Studium die logische Konsequenz gewesen wäre.“ Schenker hat sich auch darüber Gedanken gemacht und „wie ich meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse in einem ganz anderen Umfeld nutzen kann“. Mathematik, Physik hat er in der Schule gemocht, an Technik war er ohnehin interessiert. Und so entschloss er sich, an der Hochschule in Esslingen Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren.

Wirtschaftsingenieure sind Mittler zwischen Technik und Wirtschaft. Sie kennen sich in beiden Welten aus und sind gefragte Leute am Arbeitsmarkt. Das war die andere Hälfte der Miete für sein neues Leben als Wirtschaftsingenieur. Denn einen Job zu finden, sei nicht schwer gewesen, sagt Schenker. Auch dieser Teil hört sich an, als sei von vorneherein klar gewesen, wie die Geschichte ausgeht. War es aber auch diesmal nicht. „Es stimmt, dass ich nicht genau wusste, in welche Richtung ich gehen möchte.“ Wirtschaft oder Technik – diese Frage trieb ihn um. Entsprechend seinem zupackenden Charakter schrieb er sich im „Kompromissfach“ Wirtschaftsingenieurwesen ein.

Sebastian Schenker: Wirtschaftsingenieurwesen ist genau mein Ding

Heute sagt Schenker: „Wirtschaftsingenieurwesen ist genau mein Ding, weil ich ein breites Feld abdecken kann. Ich bin nicht Spezialist, sondern Generalist.“ Ein solcher wollte er sein. Im Studium wählte er den Schwerpunkt Produktionsmanagement und Logistik. Dass er später in der Produktion arbeiten wollte, war ihm klar. „Produktion hat viel mit Dynamik zu tun. Es ist immer etwas los, das gefällt mir.“

Daher verfolgte er diesen Weg konsequent. Sein Praktikum im Studium fand in diesem Bereich statt und in seiner Diplomarbeit ging er der Frage nach, was nach dem Toyota-Produktionssystem kommt. „Weiterentwicklung“, ist seine Antwort auf diese Frage, „beispielsweise durch kundenindividuelle Produktion und stärkere Berücksichtigung von Umwelt- und Klimaschutz.“ Im Toyota-Produktionsprozess geht es unter anderem um Verschwendungsarten, etwa von Material. Aber kaum um Energiefragen, doch die werden in der heutigen Zeit immer wichtiger. Auch aus Kostengründen.

Bereits während seiner Diplomarbeit bei Kärcher am Stammsitz in Winnenden wurde ihm nach Studienabschluss eine Stelle als Assistent der Geschäftsführung angeboten. „Diese Chance für den Berufseinstieg habe ich gerne genutzt, weil sie mir die Möglichkeiten bot, innerhalb kurzer Zeit unterschiedliche Dinge kennenzulernen und Netzwerke zu knüpfen.“ Zweieinhalb Jahre war Schenker Assistent, dann ein knappes Jahr Fachreferent Manufacturing Process Improvement. Seit Juni 2011 leitet er diese Gruppe, die aus drei weiteren Ingenieuren besteht: zwei Maschinenbau-ern und einem Wirtschaftsingenieur.

„Schenker leitet seit 2011 die Gruppe Manufacturing Process Improvement“

„Unsere Aufgabe ist es, die Produktion von Kärcher weltweit zu verbessern.“ Das Kärcher-Produktionssystem ist eine Ableitung von Lean-Production nach dem Toyota-Vorbild-Modell. „Wir bringen neue Ideen ein, entwickeln Methoden und Werkzeuge, halten Schulungen und sorgen dafür, dass Fortschreibungen unseres Produktionssystems in allen Werken der Welt ankommen.“

In einem Projekt geht es um die Verbesserung der Produktionsprozesse bei einem Systemlieferanten in Rumänien. Schenker ist Projektleiter, daher auch oft vor Ort und direkt in der Produktion. Dass dann schon mal die Finger schmutzig werden, stört ihn nicht. Er wollte ja einen Job, der Pragmatismus voraussetzt, bei dem er seine Macher-Mentalität einbringen kann. Leute wie Schenker sind in der Produktion bestens aufgehoben.

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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