Saudi-Arabien baut Elektroautos – mit Technik aus Deutschland
Ausgerechnet der Ölstaat Saudi-Arabien steigt in den Bau von Elektroautos ein. Unter der neuen Marke Ceer wurden eine Limousine und ein SUV mit dem Namen „Exobot“ vorgestellt. Beide starten mit 850 PS, 112-kWh-Akku und Technik internationaler Partner.
Mit Limousine und SUV zeigt Ceer seine ersten Serienmodelle. Die Elektroautos sollen ab 2027 in Saudi-Arabien produziert und verkauft werden.
Foto: picture alliance/Xinhua/Luo Chen
Saudi-Arabien verdient Milliarden mit Erdöl. Nun will das Königreich auch an Autos verdienen. Diese sollen dann aber ohne Benzin oder Diesel fahren. Die 2022 gegründete Marke Ceer hat dafür ihre ersten beiden Modelle vorgestellt.
Unter dem Namen „Exobot“ kommen eine 5,26 m lange Limousine und ein rund 5,02 m langer SUV. Beide fahren zunächst rein elektrisch und sollen ab Anfang 2027 in Saudi-Arabien verkauft werden. Preise nennt Ceer noch nicht.
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Ceer setzt auf pure Leistung
Zurückhaltung beim ersten eigenen Fahrzeug sieht anders aus: In der ersten Edition arbeiten sowohl in der Limousine als auch im SUV drei Elektromotoren. Zusammen bringen sie es auf 625 kW (850 PS) und ein maximales Drehmoment von 1000 Nm.
Damit soll die Limousine in 2,6 s von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Der SUV braucht laut Ceer 2,9 s. Später soll eine noch stärkere Ausführung mit 1111 PS und 1500 Nm folgen. Bei der Limousine verkürzt sich der Sprint dann wohl auf 2,1 s.
Die Energie dafür liefert ein Akku mit 112 kWh Kapazität. Damit spielt der Exobot beim Energiespeicher in der Klasse großer Elektroautos mit. Zum Vergleich: Der Audi Q8 55 e-tron kommt auf 114 kWh, der aktuelle Mercedes EQS 450+ auf 122 kWh.
Und auch beim Laden setzt Ceer auf hohe Leistung. In beiden Fahrzeugen ist ein 800-V-System verbaut. An einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäule soll sich der Akku laut Hersteller demnach in weniger als 30 min von 10 auf 80 % laden lassen.
670 km Reichweite – mit einem Haken
Bei der Limousine nennt Ceer eine Reichweite von bis zu 670 km, der SUV soll 560 km schaffen.
Die Zahlen sollte man allerdings nicht direkt mit den Reichweiten aktueller Elektroautos in Deutschland vergleichen. Ceer misst nach dem NEDC-Zyklus (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Dieses ältere Prüfverfahren wurde in Europa längst durch WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) ersetzt und liefert in der Regel optimistischere Verbrauchs- und Reichweitenwerte.
Wie weit die Exobots also nach europäischem Standard kommen, ist noch offen.
Flügeltüren und 48-Zoll-Display
Auch optisch hält sich Ceer bei seinen ersten Modellen nicht zurück. Besonders auffällig sind die großen Flügeltüren. Öffnen sich Vorder- und Hintertür, gibt es dazwischen keine klassische B-Säule. Das schafft einen breiten Einstieg, stellt aber auch besondere Anforderungen an die Karosserie. Denn normalerweise trägt die B-Säule wesentlich zur Steifigkeit und zum Seitenaufprallschutz bei. Ceer will die fehlende Säule deshalb unter anderem durch hochfeste Materialien in der Fahrzeugstruktur ausgleichen.
Im Innenraum erstreckt sich ein 48-Zoll-Display nahezu über das gesamte Cockpit. Für die Bedienelemente setzt Ceer auf Touch, nur für häufig genutzte Funktionen wie Klimaanlage und Lautstärke bleiben physische Elemente erhalten.
Technisch interessant ist auch die Lenkung. Der Exobot nutzt Steer-by-Wire. Zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe gibt es damit keine klassische mechanische Verbindung mehr. Sensoren erfassen die Lenkbewegung und übertragen sie elektronisch an die Räder. Hinzu kommen eine mitlenkende Hinterachse und ein aktives Fahrwerk.
Wie viel Saudi-Arabien steckt in den Autos?
Ceer entwickelt und baut die Fahrzeuge zwar in Saudi-Arabien, bei wichtigen Komponenten greift der junge Hersteller aber auf erfahrene Partner aus dem Ausland zurück.
Ceer selbst ist dabei ein Gemeinschaftsprojekt des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) und des taiwanischen Elektronikkonzerns Foxconn. Foxconn entwickelt die elektrische und elektronische Architektur der Fahrzeuge.
Ein Teil der Technologie kommt währenddessen aus Deutschland: BMW hat Ceer Komponententechnologie lizenziert, die bei der Entwicklung der Autos eingesetzt wird.
Rimac Technology gehört ebenso zu den Technikpartnern wie Hyundai Transys. Hinzu kommen zahlreiche weitere Unternehmen für einzelne Komponenten und die Produktionstechnik. Ceer nennt unter anderem Siemens, Lear, Benteler, Schuler und Dürr als Partner.
Trotz dieser internationalen Lieferkette soll ein wesentlicher Teil der Arbeit in Saudi-Arabien stattfinden. Ceer übernimmt nach eigenen Angaben Entwicklung, Konstruktion, Erprobung und Fertigung der Fahrzeuge im Königreich. Produziert werden sollen die Autos im neuen Ceer-Werk in der King Abdullah Economic City. Dort entstehen unter anderem Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei und Endmontage.
Langfristig will Ceer auch mehr Komponenten direkt aus Saudi-Arabien beziehen. Bis 2034 soll der lokale Anteil auf 45 % steigen.
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Warum baut ein Ölstaat Elektroautos?
Saudi-Arabien versucht seit Jahren, seine Wirtschaft breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom Ölgeschäft zu verringern. Eine eigene Automobilindustrie ist Teil dieser Strategie.
Und das ist auch nicht der erste Versuch des Königreichs. Pläne für eine Produktion von Jaguar Land Rover wurden schon vor mehr als zehn Jahren aufgegeben. Toyota entschied sich 2019 ebenfalls gegen eine Produktion in Saudi-Arabien. Als Gründe nannte man unter anderem hohe Arbeitskosten und eine fehlende lokale Zulieferindustrie.
Zulieferer wie Lear, Benteler, Shin Young und Fangxin haben laut Reuters bereits Produktionsstandorte im Land eingerichtet.
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Eigentlich sollten die ersten Autos bereits 2025 kommen
Der Aufbau dauerte jedoch länger als ursprünglich geplant. Bei der Gründung 2022 waren die ersten Fahrzeuge noch für 2025 angekündigt worden. Nun soll die Serienproduktion Anfang 2027 anlaufen.
Zunächst konzentriert sich Ceer auf Saudi-Arabien und die Golfregion. Danach soll die Marke schrittweise in weitere Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas expandieren. Bis 2030 sind fünf weitere Modelle vorgesehen.
Neben Elektroautos sollen auch Plug-in-Hybride und Modelle mit Verbrennungsmotor entstehen.
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