Tesla Roadster fliegt durch die Luft, doch seine Technik hat einen Haken
02. November 2026

Der neue Tesla Roadster kann kopfüber fahren, in die Luft springen und sich während des Sprungs drehen. Möglich machen das zehn Kaltgasdüsen und ein Unterdrucksystem. Neue Angaben des Tesla-Entwicklungschefs zeigen, wie aufwendig die Technik ist.
Ein Auto, das an der Decke fährt und anschließend durch die Luft springt: Tesla hat am 15. Oktober 2026 gezeigt, was der neue Roadster leisten soll. Bei einer Vorführung auf dem SpaceX-Testgelände im texanischen McGregor absolvierte der elektrische Sportwagen mehrere ungewöhnliche Fahrmanöver. Dabei beschleunigte er auf knapp 97 km/h in weniger als einer Sekunde, fuhr kopfüber und drehte sich während eines Sprungs in der Luft.
Die Aufnahmen stammen von einer tatsächlichen Veranstaltung. Auch Zuschauer filmten die Manöver. Was Tesla dabei demonstrierte, ist allerdings kein gewöhnliches Elektroauto. Der Roadster kombiniert einen leistungsstarken elektrischen Antrieb mit einem Unterdrucksystem und zusätzlichen Kaltgasdüsen.
In einem Interview mit dem britischen Automobilmagazin Hagerty erläuterte Tesla-Entwicklungschef Lars Moravy am 22. Oktober weitere technische Einzelheiten. Demnach arbeiten in der extremsten Ausführung zehn Düsen, die aus zwei Druckbehältern mit insgesamt 600 l Volumen versorgt werden.
Inhaltsverzeichnis
Drei Roadster – von der Straßenversion bis zum fliegenden Prototyp
Tesla plant den neuen Roadster in drei Ausführungen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel zusätzliche Technik neben dem eigentlichen Elektroantrieb eingebaut ist.
Alle drei Varianten sollen zwei Elektromotoren besitzen, die ausschließlich die Hinterräder antreiben. Nach Angaben im Hagerty-Interview liefern sie zusammen mehr als 1 MW Leistung und rund 1400 Nm Drehmoment. Der Roadster setzt damit auf Heckantrieb statt auf Allradantrieb.
Die Unterschiede liegen vor allem bei den zusätzlichen Systemen:
| Version | Ausstattung | Beschleunigung auf 60 mph* |
| Performance | Zwei Sitze, aktives Unterdrucksystem | unter 1,6 s |
| Thrust | Zwei Sitze, zusätzlich vier Kaltgasdüsen | unter 0,9 s |
| Rocket | Ein Sitz, insgesamt zehn Kaltgasdüsen | laut Tesla unter 0,59 s |
60 mph entsprechen rund 96,6 km/h. Die Werte sind Herstellerangaben beziehungsweise Entwicklungsziele und keine unabhängig bestätigten Serienfahrzeugwerte.
Die Performance-Version soll für öffentliche Straßen vorgesehen sein. Tesla bezeichnet die Thrust-Ausführung als besonders sportliche Variante für die Rennstrecke. Die Rocket-Version ist dagegen ausdrücklich nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Sie soll nur in begrenztem Umfang und auf Einladung angeboten werden.
Warum Kaltgasdüsen den Roadster so stark beschleunigen
Bei einem normalen Auto gelangt die Antriebskraft über die Reifen auf die Straße. Wie kräftig der Motor auch sein mag: Die Reifen können nur eine begrenzte Kraft übertragen. Wird diese Grenze überschritten, beginnen die Räder durchzudrehen.
Die Kaltgasdüsen des Roadsters umgehen diese Beschränkung teilweise. Sie erzeugen zusätzlichen Vortrieb, ohne dafür die Haftung der Reifen zu benötigen.
Das funktioniert nach dem Rückstoßprinzip. Gas strömt mit hoher Geschwindigkeit aus einer Düse. Dabei wirkt eine Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Zeigt die Düse nach hinten, wird das Fahrzeug nach vorn beschleunigt.
Anders als bei einer chemischen Rakete findet dabei keine Verbrennung statt. Das Gas wird unter hohem Druck gespeichert und bei Bedarf freigesetzt. Der Begriff Kaltgastriebwerk bezeichnet genau dieses Prinzip. Das ausströmende Gas muss dabei nicht kalt sein – entscheidend ist, dass seine Energie nicht aus einer Verbrennungsreaktion stammt.
Während der Präsentation war von komprimierter Luft die Rede. Im späteren Hagerty-Interview erklärte Moravy, dass Tesla komprimierten Stickstoff verwendet. Stickstoff ist zwar auch der Hauptbestandteil der Luft, als Arbeitsmedium ist er aber nicht mit gewöhnlicher Druckluft gleichzusetzen.
Die Thrust-Version besitzt laut Moravy vier Kaltgasdüsen am Heck, die von einem 200-l-Druckbehälter versorgt werden. Bei der Rocket-Version kommt ein weiterer Tank mit 400 l Volumen hinzu. Dafür entfällt der Beifahrersitz. Sechs zusätzliche Düsen sind an den Fahrzeugecken und den Seiten angeordnet.
Damit lässt sich der Schub nicht nur zum Beschleunigen einsetzen. Je nachdem, welche Düse aktiviert wird, können auch Kräfte und Drehmomente in anderen Richtungen entstehen.
Warum der Roadster nur kurz in der Luft bleiben kann
Bei der Präsentation sprang die Rocket-Version über mehrere Fahrzeuge und drehte sich während des Sprungs um ihre Längsachse. Tesla demonstrierte damit, dass die Kaltgasdüsen nicht allein für zusätzlichen Vortrieb gedacht sind.
Elon Musk sagte während der Präsentation sinngemäß, das Fahrzeug könne sich wie eine Rakete bewegen. Die Bezeichnung als fliegendes Auto ist dennoch mit Vorsicht zu verwenden.
Der Roadster besitzt weder Tragflächen noch einen dauerhaft arbeitenden Flugantrieb. Die Düsen können ihn für kurze Zeit vom Boden abheben lassen und seine Bewegung beeinflussen. Ein längerer, kontrollierter Flug wurde nicht nachgewiesen.
Die Begrenzung ergibt sich bereits aus dem Antriebsprinzip. Jeder Düseneinsatz verbraucht einen Teil des gespeicherten Gases. Je größer der benötigte Schub und je länger die Düsen arbeiten, desto mehr Gas wird benötigt.
Die Behältergröße allein sagt allerdings noch nicht aus, wie viel Schub zur Verfügung steht. Dafür sind weitere Größen entscheidend:
- Speicherdruck: Er beeinflusst, wie viel Gas im Behälter gespeichert werden kann.
- Massenstrom: Er beschreibt, welche Gasmenge pro Sekunde durch die Düse strömt.
- Ausströmgeschwindigkeit: Zusammen mit dem Massenstrom bestimmt sie wesentlich die Schubkraft.
- Schubdauer: Sie hängt vom verfügbaren Gasvorrat und den Betriebsbedingungen ab.
Tesla hat bislang nicht alle erforderlichen Daten veröffentlicht, um die Schubkraft und die maximale Einsatzdauer der Düsen unabhängig zu berechnen.
Das zweite System: Warum der Roadster kopfüber fahren kann
Für die Fahrt über Kopf braucht der Roadster eine andere Technik. Unter dem Fahrzeug arbeitet ein aktives Unterdrucksystem mit elektrisch betriebenen Ventilatoren.
Diese saugen Luft aus dem Bereich zwischen Fahrzeugboden und Fahrbahn. Dadurch entsteht dort ein geringerer Luftdruck als in der Umgebung. Die Druckdifferenz erzeugt eine zusätzliche Kraft, die das Fahrzeug gegen den Untergrund presst.
Seitliche Abdichtungen sollen verhindern, dass zu viel Luft nachströmt. Je besser die Abdichtung funktioniert, desto weniger Luft müssen die Ventilatoren fördern, um die gewünschte Druckdifferenz aufrechtzuerhalten.
Der Vorteil gegenüber einem klassischen Heckflügel: Das System kann bereits im Stand oder bei geringer Geschwindigkeit eine hohe Anpresskraft erzeugen. Ein aerodynamischer Flügel benötigt dagegen Fahrtwind, um wirksam zu werden.
Die Idee ist nicht neu. Sogenannte Fan Cars setzen schon seit Jahrzehnten auf aktiv erzeugten Unterdruck. Tesla kombiniert das Prinzip nun mit einem besonders leistungsstarken Elektroantrieb und zusätzlichen Kaltgasdüsen.
Tesla-Entwicklungschef Lars Moravy erklärte während der Roadster-Präsentation, das System könne eine Anpresswirkung von bis zu 2 g erzeugen. Gemeint ist eine zusätzliche Kraft, die in ihrer Größenordnung dem Doppelten der Gewichtskraft des Fahrzeugs entspricht.
Das ist nicht gleichbedeutend mit einer Beschleunigung des Autos von 2 g. Die Angabe beschreibt vielmehr die mögliche Anpresswirkung des Systems.
Damit ein Auto kopfüber an einer Fahrbahn bleibt, muss die Unterdruckkraft mindestens seine Gewichtskraft ausgleichen. Für eine kontrollierte Fahrt sind darüber hinaus weitere Kräfte und Sicherheitsreserven zu berücksichtigen.
Wie zuverlässig die Abdichtung bei Fahrbahnunebenheiten, Bodenwellen oder wechselnder Bodenfreiheit funktioniert, lässt sich anhand der bisher veröffentlichten Informationen nicht beurteilen.
Von 0 auf fast 100 km/h in 0,81 s
Bei der Präsentation zeigte Tesla eine Beschleunigungsfahrt, bei der 0,81 s für den Sprint von 0 auf 60 mph angezeigt wurden. Das entspricht knapp 97 km/h.
Für die Rocket-Version nennt Tesla noch kürzere Zeiten. Im Hagerty-Interview ist von 0,55 s die Rede, wobei dieser Wert mit einem sogenannten Rollout ermittelt werden soll.
Bei dieser Messmethode beginnt die Zeitmessung erst nach einer kurzen Anfahrstrecke. Deshalb lassen sich solche Werte nicht unmittelbar mit Messungen vergleichen, die ab dem vollständigen Stillstand erfolgen.
Auch die Beschleunigungsdistanz ist zu beachten. 60 mph entsprechen 96,6 km/h und nicht 100 km/h. Für einen direkten Vergleich müssen Zielgeschwindigkeit und Messmethode übereinstimmen.
Zum Vergleich: Der elektrische Rimac Nevera R benötigte bei überprüften Beschleunigungsfahrten 2025 rund 1,7 s von 0 auf 100 km/h. Der Rimac ist allerdings ein tatsächlich gebautes Straßenfahrzeug. Teslas Rocket-Roadster ist dagegen ein Demonstrator, dessen extreme Ausführung nicht für öffentliche Straßen vorgesehen ist.
Wie sich solche Werte einordnen lassen und welche Fahrzeuge tatsächlich die höchsten Geschwindigkeiten erreichen, zeigt auch die Übersicht der schnellsten Serienautos der Welt.

600 l Druckgas: Wie oft kann der Roadster seine Düsen einsetzen?
Eine entscheidende Frage ist, wie häufig sich die Kaltgasdüsen hintereinander nutzen lassen. Schließlich muss das ausgestoßene Gas anschließend wieder ersetzt werden.
Die Rocket-Version besitzt nach den Angaben von Moravy zwei Tanks mit zusammen 600 l Behältervolumen. Daraus lässt sich jedoch nicht direkt ableiten, wie lange die Düsen arbeiten können. Entscheidend sind der Speicherdruck, die tatsächlich verfügbare Gasmasse und der Gasverbrauch während eines Manövers.
Hinzu kommt die Wiederbefüllung. Die Druckbehälter benötigen eine geeignete Gasversorgung und eine Anlage, die den erforderlichen Druck aufbauen kann. Das Befüllen beansprucht Zeit und muss innerhalb der zulässigen Betriebsbedingungen erfolgen.
Ein weiterer Unterschied zum normalen Elektroantrieb: Während der Fahrakku durch Rekuperation beim Bremsen Energie zurückgewinnen kann, bleibt das aus den Kaltgasdüsen ausgestoßene Gas nicht im Fahrzeug. Es muss für den nächsten Einsatz neu bereitgestellt werden.
Auch der Bauraum ist begrenzt. Bei der Rocket-Version nimmt der zusätzliche 400-l-Tank den Platz des Beifahrers ein. Ventile, Leitungen und Düsen benötigen ebenfalls Platz. Das zusätzliche System erhöht außerdem die Fahrzeugmasse.
Für einen regulären Fahrbetrieb wären daher nicht allein die maximal erreichbaren Beschleunigungswerte entscheidend, sondern ebenso die Häufigkeit und Wiederholbarkeit der Manöver.
Tesla hat seine ursprünglichen Roadster-Pläne deutlich verändert
Als Tesla die zweite Roadster-Generation 2017 vorstellte, kündigte das Unternehmen einen viersitzigen Elektro-Sportwagen mit rund 1000 km Reichweite und einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 400 km/h an.
Die jetzt gezeigte Ausführung unterscheidet sich deutlich davon. Performance und Thrust sollen jeweils zwei Sitzplätze besitzen, die Rocket-Version sogar nur einen. Auch bei der Reichweite fallen die neuen Angaben wesentlich niedriger aus.
Bei der Präsentation sprach Tesla von mehr als 300 Meilen, also rund 480 km. Die Höchstgeschwindigkeit soll mehr als 230 mph beziehungsweise etwa 370 km/h betragen.
Es handelt sich weiterhin um angekündigte Leistungsdaten. Ein unabhängiger Nachweis der Serienreichweite liegt bislang nicht vor.
Dass sehr schnelle Elektroautos auch ohne Kaltgasdüsen hohe Leistungen erreichen, zeigen Fahrzeuge wie der Rimac Nevera. Mehr zu den technischen Unterschieden zwischen den Modellen steht im Beitrag über die schnellsten E-Autos und ihre Antriebstechnik.
Produktionsbeginn erst 2028 angekündigt
Tesla stellte den neuen Roadster bereits 2017 vor. Ursprünglich sollten die ersten Fahrzeuge 2020 ausgeliefert werden. Dieser Termin und mehrere spätere Ankündigungen wurden nicht eingehalten.
Nun nennt Elon Musk das Jahr 2028 als geplanten Produktionsbeginn. Bei der Präsentation sagte er: „We enter production in 2028. Actually.“ Übersetzt: „Wir gehen 2028 in Produktion. Tatsächlich.“
Ein Verkaufspreis für die neuen Varianten wurde bei der Veranstaltung nicht bekannt gegeben. Auch ist noch offen, wann Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden und welche der angekündigten Funktionen tatsächlich in den jeweiligen Serienversionen verfügbar sein werden.
Mit der Vorführung vom Oktober 2026 hat Tesla zumindest gezeigt, dass sich Kaltgasdüsen und ein aktives Unterdrucksystem in einem fahrfähigen Roadster-Demonstrator kombinieren lassen.
Die spektakulärsten Fähigkeiten sind allerdings der nicht straßenzugelassenen Rocket-Version vorbehalten. Wie gut sich die Systeme im wiederholten Einsatz bewähren, müssen weitere Tests zeigen.
Quellen
- Hagerty: The Flying Tesla Roadster (22.10.2026) – Interview mit Tesla-Entwicklungschef Lars Moravy. Wichtigste Quelle für Elektromotoren, Heckantrieb, Stickstoff, Tankvolumen und Düsenanordnung.
- Tesla Roadster Event – Video und Transkript (15.10.2026) – Aufzeichnung der Originalpräsentation, einschließlich Moravys Erläuterung des Saugsystems und Musks Aussage zum Produktionsbeginn.
- Tesla: Offizielle Roadster-Produktseite – Herstellerinformationen zu den angekündigten Ausstattungsvarianten.
- Rimac: Nevera R erzielt 24 Leistungsrekorde (09.07.2025) – Herstellerbericht zu unabhängig überprüften Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsmessungen.
- Associated Press: Tesla’s new Roadster can thrust itself in the air (Oktober 2026) – Unabhängige journalistische Einordnung der Vorführung, des Produktionsplans und der Zulassungshürden.






























