Überwachung ohne Besatzung 19.09.2017, 07:29 Uhr

Rolls-Royce entwickelt autonomes Patrouillenboot

Wochenlang Seegebiete überwachen, U-Boote aufspüren und Seeminen suchen: Diese gefährlichen Aufgaben soll in Zukunft ein autonomes Patrouillenboot von Rolls-Royce übernehmen. Es fährt elektrisch und 100 Tage nonstop – ohne eine Menschenseele an Bord. 

Autonomes Schiff von Rolls-Royce: An Bord sind Drohnen, die für Aufklärungsflüge ausschwärmen. Mit zunehmendem Druck auf die Verteidigungsbudgets sieht die Marine die unbemannte Technologie als Weg, um die mit einer Besatzung verbundenen Kosten zu vermeiden. Der Verzicht auf eine Crew an Bord verändert das Schiffsdesign radikal, die Schiffe können kleiner gebaut werden – was sofortige Kosteneinsparungen bringt.

Autonomes Schiff von Rolls-Royce: An Bord sind Drohnen, die für Aufklärungsflüge ausschwärmen. Mit zunehmendem Druck auf die Verteidigungsbudgets sieht die Marine die unbemannte Technologie als Weg, um die mit einer Besatzung verbundenen Kosten zu vermeiden. Der Verzicht auf eine Crew an Bord verändert das Schiffsdesign radikal, die Schiffe können kleiner gebaut werden – was sofortige Kosteneinsparungen bringt.

Foto: Rolls-Royce

Patrouillenfahrten können ganz schön langweilig sein, bedeuten für die Besatzung oftmals tagelanges Rumgeschipper ohne dass irgendetwas passiert. Bis es dann schlimmstenfalls auf einen Schlag gefährlich wird – beispielsweise beim Kontakt mit einem feindlichen U-Boot. Ein Leben zwischen zwei Extremen, für das sich Rolls-Royce eine Alternative ausgedacht hat: ein bislang namenloses Gefährt, das autonom fährt und ohne Besatzung auskommt.

3.000-kWh-Akkus laden über eine Solaranlage

Klassische Schiffsdieselmotoren sucht man im Inneren des Patrouillenbootes vergeblich. Stattdessen kommen zwei Elektromotoren mit 1,5 MW Leistung zum Einsatz, die das 60 m lange Schiff auf 25 Knoten (46 km/h) beschleunigen – dabei verdrängt es rund 700 t Wasser. Energie liefert eine Akkuanlage mit einer Kapazität von 3.000 kWh, die sich während der Fahrt über eine Solaranlage auflädt. Dadurch kann das Schiff bis zu 100 Tage ohne Unterbrechung auf See sein. Ganz ohne Kapitän und Besatzung.

Um autonom fahren zu können, braucht ein Schiff einiges an Technologie – darunter verschiedene Radare, hochauflösende Kameras, Wärmebildverfahren sowie Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen per Laser. Auf welche Kombination Rolls-Royce setzt, ist bislang unbekannt. Sie scheint aber sehr ausgefeilt zu sein. Man habe das weltweit erste intelligente Bewusstseinssystem geschaffen, das Sensoren mit Künstlicher Intelligenz kombiniert, schreibt das Unternehmen. An Bord sind außerdem Drohnen, die von einer Plattform zu Aufklärungsflügen ausschwärmen können. Den Befehl dazu erhalten sie von der Steuerungszentrale an Land.

Autonomes Schiff könnte 2027 in See stechen

„In den nächsten zehn Jahren erwartet Rolls-Royce die Einführung mittelgroßer unbemannter Plattformen – besonders bei führenden Marinen, wenn sich das Konzept von gemischten bemannten und unbemannten Flotten entwickelt“, sagt Benjamin Thorp, Manager für Marineelektrik bei Rolls-Royce.

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Droht Gefahr, könnte die Mission des Schiffes auf die Verfolgung und Überwachung umstellen.

Droht Gefahr, könnte die Mission des Schiffes auf die Verfolgung und Überwachung umstellen.

Quelle: Rolls-Royce

Das Patrouillenboot ist nicht das einzige Projekt, bei dem sich Rolls-Royce mit autonomen Schiffen beschäftigt. Das Unternehmen arbeitet derzeit auch mit dem finnischen Forschungszentrum VTT zusammen, um gemeinsam ferngesteuerte Schiffe zu entwickeln. Bereits 2020 soll das erste Containerschiff mit einer kleinen Crew unterwegs sein. 2025 könnte das erste unbemannte und ferngesteuerte Schiff folgen, das sich allerdings nur in Küstennähe aufhält. Ab 2035 schließlich sollen autonom fahrende Schiffe auf den Ozeanen unterwegs sein.

Erst vor kurzem stach dieses Hochseeschiff vor der schottischen Küste in See. Der Kapitän steuerte das Schiff per Joystick aus 8.000 km Entfernung.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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