Eröffnung nach Umbau 27.06.2016, 11:56 Uhr

Panamakanal schleust jetzt mit den weltgrößten Schiebetüren

Sie sind 33 Meter hoch und wiegen 4000 Tonnen: Die Schiebetüren des umgebauten Panamakanals, der am Wochenende nach neunjährigem Umbau in Betrieb gegangen ist. Sie ermöglichen das Schleusen von Meeresgiganten mit 14.000 Containern Ladung.

Dank der 420 m langen Schleusen können nun auch riesige Schiffe mit bis zu 14.000 Containern den Panamakanal nutzen. 

Dank der 420 m langen Schleusen können nun auch riesige Schiffe mit bis zu 14.000 Containern den Panamakanal nutzen. 

Foto: Alejandro Bolivar/dpa

Das war ein gewaltiger Umbau: Seit 2007 haben 40.000 Arbeiter 150 Millionen qm3 Erde und Geröll weggeschafft und mit 12 Millionen t Zement und 192.000 t Stahl gigantische Schleusen an der Atlantik- und Pazifikseite des Panamakanals gebaut. In ihnen finden Schiffe mit 14.000 Containern Platz – in der Vergangenheit war bei 4500 Schluss.

Die Schleusen sind 420 m lang, 55 m breit und 18,3 m tief. Und haben riesige Schiebetüren. „Das sind die größten Schiebetüren der Welt“, erklärt Ingenieur Ricardo Chong. „Sie sind 57 m lang, 10 m breit und zwischen 22 m und 33 m hoch. Eine Tür wiegt 4000 t. Die Schleuse ist wie eine große Kiste mit 2000 Autos darin.“ Die Türen öffnen und schließen in fünf Minuten. Rund drei Stunden dauert es dann, um Schiffe um 28 m auf das Niveau des Gatúnsees anzuheben.

Kanalverwaltung rechnet mit 3 Milliarden $ Jahresumsatz

Der 5,25 Milliarden $ teure Umbau wird sich bezahlt machen. „Nach der Erweiterung können wir wieder 96 Prozent aller Schiffe weltweit schleusen“, sagt Monica Martinez von der Kanalverwaltung. „Wir rechnen damit, dass wir den Frachtdurchsatz von derzeit 300 Millionen Tonnen pro Jahr auf 600 Millionen Tonnen verdoppeln können.“

Die Schleusen arbeiten mit den größten Schiebetüren der Welt. Sie sind 57 m lang, 10 m breit und zwischen 22 m und 33 m hoch. 

Die Schleusen arbeiten mit den größten Schiebetüren der Welt. Sie sind 57 m lang, 10 m breit und zwischen 22 m und 33 m hoch. 

Quelle: Denis Düttmann/dpa

Auch große Tanker mit Flüssiggas können nun Zeit und Kosten sparen, da sie nicht mehr um das südamerikanische Kap Hoorn herumfahren müssen. Und wie teuer ist die Durchfahrt? Hapag-Lloyd rechnet mit 800.000 $ Gebühren für ein Frachtschiff mit 10.000 Containern. Das spült jährlich mehr als 3 Milliarden $ in die Kassen der Kanalverwaltung.

Auffangbecken: Beim Schleusen geht weniger Süßwasser verloren

Die neuen Schleusen sparen zudem Süßwasser. Denn die Planer haben Auffangbecken bauen lassen, die jeweils so viel Wasser fassen wie 18 Olympiaschwimmbecken. Früher flossen bei jedem Schleusgang 200 Millionen Liter Süßwasser ins Meer und gingen dem künstlich angelegten Gatúnsee verloren.

Neben den Schleusen befinden sich riesige Auffangbecken. Sie verhindern, dass pro Schleusgang 200 Millionen Liter Süßwasser ins Meer fließen. 60 % des Wasser lässt sich wiederverwenden. 

Neben den Schleusen befinden sich riesige Auffangbecken. Sie verhindern, dass pro Schleusgang 200 Millionen Liter Süßwasser ins Meer fließen. 60 % des Wasser lässt sich wiederverwenden. 

Quelle: Kanalverwaltungsgesellschaft ACP/dpa

Und das war aufgrund des Wassermangels nicht immer möglich, sodass der Panamakanal die täglichen Passagen oft Drosseln musste. Mit den Auffangbecken lassen sich 60 % Prozent des Wassers wiederverwenden.

14.000 Schiffe passieren den Kanal jedes Jahr

Der Panamakanal verbindet den Atlantik mit dem Pazifik und zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Er beginnt in der Hafenmetropole Colon auf der karibischen Seite im Norden und endet rund 80 km weiter nahe Panama-Stadt im Süden. Pro Jahr passieren etwa 14.000 Schiffe den Kanal, die  6 % des Welthandels abwickeln – jeden Tag zwischen 35 und 40. „Das ist eines der wichtigsten Bauwerke der Welt“, sagt Jorge Quijano, Chef der Kanalverwaltung. „Vielleicht nicht das teuerste, aber zweifelsohne das folgenreichste für die Welt. Hier fahren Schiffe aus 160 Ländern durch.“

Allerdings ist eine Konkurrenzstrecke im Bau. Nicaragua will einen Teil vom Kuchen abhaben und will in diesem Jahr mit dem Bau des Nicaraguakanals beginnen.

Von Patrick Schroeder
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