Deutscher Schiffbau in Schieflage 11.01.2022, 07:00 Uhr

Geht das Werften-Sterben in die nächste Runde?

Sie galten einst als Vorzeigeunternehmen im Schiffsbau, doch die goldenen Zeiten der großen Werften scheinen vorbei. Und die Corona-Pandemie mit all ihren Auswirkungen bringt nun das nächste Schwergewicht der Branche in Schwierigkeiten: Die MV Werften müssen wohl Insolvenz anmelden. Doch warum haben es die Werften aktuell so schwer?

das größte Kreuzfahrtschiff aus der MV Werft

Die Global-Class sollte Kreuzfahrtschiffe auf ein neues Niveau bringen. Nun steht die MV Werft vor großen Schwierigkeiten.

Foto: MWV

Die Bremer Vulkan AG, Meyer Werft, MV Werften, Bloom + Voss, Lürssen, Thyssenkrupp – der Schiffsbau hat in Deutschland Tradition. Und das vor allem in den vier norddeutschen Bundesländern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es schon einmal ein großes Werften-Sterben. Droht das nun im Zuge der Corona-Pandemie erneut zum Problem zu werden? Das damalige Werften-Sterben hatte etwas andere Hintergründe: Angefangen mit der Ölkrise in den 1970er-Jahren lag es vor allem an der Konkurrenz aus Asien, die aufgrund deutlich niedriger Löhne Schiffe wesentlich günstiger bauen und sie auch preislich attraktiver auf dem europäischen Markt anbieten konnten. Dabei mitzuhalten war für die deutschen Traditionsunternehmen nahezu unmöglich.

Die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt

Werften bauen hauptsächlich Container-, Kreuzfahrt- und Kriegsschiffe sowie Tanker und sogenannte Bulk-Carrier, auch Massengutfrachter genannt, Luxusyachten für Privatleute sowie Plattformen und Versorgungsschiffe für die Öl- und Erdgasindustrie. Das lukrativste Geschäft ist dabei aber immer noch der Bau von Kreuzfahrtschiffen. Europäische Werften sollen 80% ihrer Umsätze mit solchen Luxusschiffen erzielen. Doch genau das Geschäft stagniert seit Beginn der Corona-Pandemie. Hinzu kommt, dass sowohl Kreuzfahrtschiffe als auch Kriegsschiffe in der Regel Exportprodukte sind. Und auch der Export leidet derzeit aufgrund der globalen Pandemie. Schließlich sind dadurch Kosten ungeahnten Ausmaßes entstanden, die kein Land und kein Unternehmen vorab eingeplant hatte. Die Folge: Andere Investitionen werden verschoben, auf Eis gelegt oder komplett gestrichen. Das bekommen auch die Werften zu spüren.

Aktuell hat es die MV Werften erwischt, eine Insolvenz ist bereits angemeldet. Die Zahlung von Löhnen und Gehältern wurde laut diverser Pressemeldungen wohl um eine Woche verschoben. Hintergrund soll die Verhandlung über ein Rettungspaket sein, über das seit Wochen keine Einigung erzielt wurde. Und das obwohl die Werft aktuell an dem größten Passagierschiff, das jemals in Deutschland gebaut wurde, und dem technologisch fortschrittlichsten arbeitet – die Global Class.

Lässt Corona die Werften sterben?

Im vergangenen Herbst hatte die IG Metall Küste ihre jährliche Schiffbauumfrage gestartet. Das Ergebnis unter den Betriebsräten der 39 größten deutschen Werften: Die Corona-Krise gehe der Branche an die Substanz. Man betrachte deshalb mehr als ein Drittel der 18.000 Arbeitsplätze auf den deutschen Werften als akut gefährdet. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der der Schiffbau in Deutschland gerade anfing, sich zu stabilisieren. Das sei laut der IG Metall Küste vor allem deshalb gelungen, weil man sich eben auf Spezialschiffe, vor allem den Bau von Kreuzfahrtschiffen, spezialisiert habe. Dadurch habe die Beschäftigung fünf Jahre in Folge zugenommen. Die Pandemie sorgte für einen Einbruch, es fehle Arbeit und Geld für die Finanzierung. Die Gewerkschaft erwartet deshalb einen massiven Arbeitsplatzabbau sowie die Schließung weiterer Standorte, weil sie von einer deutlich schlechteren Auftragslage ausgingen für 2021 und auch 2022. Das beträfe vor allem die Werften, die Kreuzfahrtschiffe bauten.

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Eine Studie vom November 2020 von PricewaterhouseCoopers (PwC) bestätigt die trüben Aussichten. Auch wenn viele Aufträge zu dem Zeitpunkt noch nicht storniert worden wären, müsste man aber von genau solchen Szenarien in den kommenden Monaten ausgehen. Laut der Studie ziehe jede sechste Reederei in Erwägung, 2021 Aufträge abzusagen. Darüber hinaus möchten zwei von drei Gesellschaften ihre Investitionen erst einmal aufschieben.

Werften-Sterben hängt auch mit Lieferketten zusammen

Damit ein Schiff, zum Beispiel ein Kreuzfahrtriese, fertig gebaut werden kann, ist eine hochtechnisierte Werft aber auch auf ihre Zulieferer angewiesen. Nur wenn alles termingerecht ineinandergreift, können diese Schiffe wie mit dem Auftraggeber vereinbart, vom Stapel gelassen werden. Dabei kommen schnell gut 3.000 Partnerunternehmen zusammen, auf die eine Werft angewiesen ist. Kommt also diese Lieferkette durch irgendwelche Einflüsse in Schwierigkeiten oder gar ins Stocken, wirkt sich das natürlich direkt auf die Werft und die Mitarbeiter aus. Man muss sich das wie ein großes, globales Puzzle vorstellen. Sind nicht alle Teile zum vereinbarten Liefertermin vor Ort, kann niemand weiterarbeiten. Und genau das zieht noch weitere Kreise: Denn Auftraggeber bezahlen in der Regel erst nach Lieferung. Für die Werft bedeutet also ein zeitlicher Verzug durch beispielsweise corona-bedingt unterbrochene Lieferketten eine hohe finanzielle Belastung, die sie überbrücken muss. Jedes noch so gesunde Unternehmen, kann bei solch hohen Summen, um die es in der Branche geht, diesen Belastungen auch nur für einen bestimmten Zeitraum standhalten.

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Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat Geschichte und Kunstgeschichte (M.A.) studiert. Unter anderem hat sie für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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