Knapp 500 Mio. € für 8,3 km 26.08.2026, 19:54 Uhr

Für diese Tram baut München eine komplette Autobahnbrücke neu

Knapp 500 Mio. € für 8,3 km Tram: München verlegt Hunderte Leitungen und ersetzt für die Westtangente sogar eine komplette A96-Brücke.

Visualisierung des Laimer Kreisels

Visualisierung des Laimer Kreisels nach dem Ausbau der Tram-Westtangente. Die neue Straßenbahnstrecke führt künftig durch den Münchner Westen und verknüpft mehrere U- und S-Bahn-Linien miteinander.

Foto: SVM/Rakete

Gut 8 km neue Straßenbahnstrecke, 17 Haltestellen und knapp 498 Mio. € Kosten: Für Münchens Tram-Westtangente werden nicht nur Gleise verlegt. Entlang der Strecke müssen Leitungen weichen, Straßen und Kreuzungen umgebaut werden. Über der A96 entsteht sogar ein komplett neuer Brückenkomplex mit eigenem Teilbauwerk für die Tram.

Am 26. August 2026 haben die Stadtwerke München bekannt gegeben, dass nun auch für den südlichen Abschnitt Baurecht vorliegt. Damit ist die gesamte Strecke vom Romanplatz bis zur Aidenbachstraße genehmigt. Für den zweiten Planfeststellungsabschnitt besteht die Baugenehmigung nach Angaben der MVG seit dem 19. August 2026.

497,6 Mio. € – und längst nicht alles davon steckt im Gleisbau

Die Stadtwerke München veranschlagen für beide Planfeststellungsabschnitte zusammen 497,6 Mio. €. In dieser Summe stecken auch Leistungen aus früheren Jahren. Dass die Kosten so hoch ausfallen, hat einen simplen Grund: Die Westtangente wird mitten in eine bestehende Großstadt gebaut. Neue Gleise müssen sich ihren Platz mit Straßen, U-Bahn-Zugängen, Versorgungsleitungen und bestehender Infrastruktur teilen.

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Nach Angaben der Projektbeteiligten gehören unter anderem der Neubau einer Hauptwasserleitung, rund 350 weitere Leitungsmaßnahmen und die Verlegung von drei U-Bahn-Zugängen zum Projekt. Auch der Untergrund hat die Planung bereits ausgebremst. Die MVG nennt schlechten Baugrund, die Verlegung der Hauptwasserleitung 5 und die Koordination der Sparten als Ursachen für Verzögerungen.

Über der A96 bekommt die Tram ihre eigene Brücke

Besonders aufwendig wird es an der Fürstenrieder Straße. Dort überquert eine Brücke aus den 1970er-Jahren die A96 München–Lindau. Sie wird vollständig abgebrochen. An ihre Stelle treten drei neue Teilbauwerke. Das östliche und westliche Bauwerk sind für den Straßenverkehr vorgesehen. In der Mitte entsteht ein eigener Überbau für den zweigleisigen Trambetrieb.

Dort werden später nicht nur die Gleise, sondern auch die Oberleitung installiert. Zum Ersatzneubau gehören Verbauarbeiten, Baugruben, Tiefgründungen, neue Unterbauten und die drei Überbauten. Hinzu kommen Abdichtung, Entwässerung, Geländer und Fahrbahnübergänge. Allein für dieses Bauwerk sind rund 16 Mio. € vorgesehen. Die Arbeiten laufen von 2026 bis 2028.

Wie anspruchsvoll ein Brückenersatz unter laufendem Autobahnverkehr werden kann, zeigt auch ein aktuelles Projekt am Autobahnkreuz Memmingen. Dort werden rund 2.090 t Beton und Stahl in wenigen nächtlichen Sperrfenstern abgetragen. ingenieur.de hat beschrieben, wie die Autobahnbrücke dort unter Verkehr ersetzt wird.

Visualisierung der Kreuzung Fürstenrieder Straße/Agnes-Bernauer-Straße aus der Vogelperspektive. Hier wird die Tram-Westtangente in den bestehenden Straßenraum integriert und mit dem übrigen Verkehr verknüpft. Foto: SVM/Rakete

Fünf Fahrstreifen sollen während des Baus erhalten bleiben

Die A96 soll während des Neubaus grundsätzlich geöffnet bleiben. Dafür wird die Verkehrsführung mehrfach umgebaut. Nach Angaben der Autobahn GmbH sollen in Fahrtrichtung München in der Regel drei Fahrstreifen zur Verfügung stehen, Richtung Lindau zwei.

Bevor die alte Brücke verschwinden konnte, mussten außerdem Leitungen aus dem Baufeld verlegt werden. Dafür entstand ein sogenannter Spartenbypass. Diese Änderung kostete Zeit: Laut MVG verzögerte sich der Bauablauf dadurch um mehrere Monate.

Auf 1,5 km fahren bereits Straßenbahnen

Während im Süden noch geplant und vorbereitet wird, läuft auf einem ersten Neubauabschnitt bereits der Betrieb.

Seit dem 28. Februar 2026 fährt die Linie 14 zwischen Fürstenrieder Straße und Ammerseestraße über rund 1,5 km neue Strecke. Nach Angaben der MVG nutzen die Linie werktags etwa 11.000 Fahrgäste. In den ersten 100 Betriebstagen kamen knapp eine Million Fahrgäste zusammen.

Die Westtangente verbindet fünf Stadtbezirke

Die neue Strecke wird nach Angaben der MVG rund 8,3 km lang und erhält 17 Haltestellen. Sie verbindet fünf Münchner Stadtbezirke und verknüpft unter anderem die U-Bahn-Linien U3, U5 und U6 mit dem S-Bahnhof Laim. Das bestehende Tramnetz wächst damit um rund 10 %.

Verkehrsplanerisch schließt die Strecke eine Lücke im Münchner Netz. Viele schnelle Verbindungen laufen radial auf die Innenstadt zu. Die Westtangente schafft dagegen eine Nord-Süd-Verbindung im Westen und verknüpft mehrere dieser Achsen miteinander. Fahrten zwischen westlichen Stadtteilen sollen damit häufiger ohne Umweg über das Zentrum möglich werden.

So soll die Haltestelle Fürstenrieder Straße künftig aussehen. Sie ist Teil der rund 8,3 km langen Tram-Westtangente mit insgesamt 17 Haltestellen. Foto: SVM/Rakete

Am Bahnhof Laim hängt der Termin auch an der Deutschen Bahn

Eine weitere Schlüsselstelle liegt am Bahnhof Laim. Dort soll die Tram durch die neue Umweltverbundröhre geführt werden. Das Bauwerk entsteht im Zuge des Bahnhofsumbaus durch die Deutsche Bahn. Neben der Straßenbahn sollen später auch die Buslinie 168 sowie Fußgänger und Radfahrer die Röhre nutzen. Auch die neue Tramhaltestelle Laim Bahnhof wird dort eingerichtet.

Nach aktuellem Zeitplan soll die Deutsche Bahn das Bauwerk in der zweiten Jahreshälfte 2027 an die Stadtwerke übergeben. Erst danach beginnt der Ausbau für die Straßenbahn. Die termingerechte Übergabe gehört deshalb zu den Voraussetzungen dafür, dass die komplette Westtangente wie geplant im Dezember 2028 in Betrieb gehen kann.

Mehr als 1200 Verkehrszeichenpläne für eine einzige Strecke

Dass der Bau mitten im laufenden Stadtverkehr stattfindet, schlägt sich auch in der Verkehrsplanung nieder. Die Bernard Gruppe, die für Bauphasen- und Verkehrsplanung zuständig ist, hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 1200 Verkehrszeichenpläne für einzelne Bauzustände erstellt.

Hinzu kommen mehr als 20 provisorische und dauerhafte Lichtsignalanlagen sowie über 120 Signalprogramme, die je nach Baufortschritt angepasst werden.

Parallel laufen entlang der Strecke weitere große Infrastrukturprojekte. Bernard nennt unter anderem die Erneuerung einer 5,5 km langen Hauptwasserleitung, Arbeiten an der A95 und den Umbau der P+R-Anlage an der Aidenbachstraße.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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