TGV soll autonom fahren 19.06.2017, 13:52 Uhr

Französische Bahn entwickelt Autopilot für Hochgeschwindigkeitszüge

In Frankreich sollen die schnellen TGV-Züge bald so aufgerüstet werden, dass sie weitgehend autonom fahren können. Lokführer sollen nur noch im Notfall eingreifen. 2019 beginnen die ersten Tests, 2023 sollen die autonomen TGV im regulären Fahrplan auftauchen.

Halt eines TGV in Stuttgart: Die französische Bahn SNCF will schon in vier Jahren die ersten Hochgeschwindigkeitszüge ohne Lokführer fahren lassen.

Halt eines TGV in Stuttgart: Die französische Bahn SNCF will schon in vier Jahren die ersten Hochgeschwindigkeitszüge ohne Lokführer fahren lassen.

Foto: Marijan Murat/dpa

TGV ist die Abkürzung für „train à grande vitesse“, also ein Zug mit hoher Geschwindigkeit. Bis zu 320 km/h erreicht der französische Hochgeschwindigkeitszug auf offener Strecke und hat sich in den vergangenen 35 Jahren zu einer Art Nationalsymbol Frankreichs entwickelt.

Jetzt soll der TGV nach dem Willen der Eisenbahngesellschaft SNCF zukunftsfähig gemacht werden und das bedeutet in der Mobilitätsbranche derzeit vor allem autonomes Fahren der Fahrzeuge.

Größere Präzision beim Rangieren und Sicherheitsabstand

Die ersten Testreihen sollen ab 2019 mit Güterzügen gestartet werden, gefolgt von Regionalzügen 2021. In den Jahren danach sollen die ersten autonom fahrenden Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Paris und dem Süden Frankreichs verkehren.

Die sogenannten „Drohnen-Züge“ (auch wenn sie nicht fliegen können), werden mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, deren Daten die wesentlichen Entscheidungen im Fahrverhalten des Zuges beeinflussen. Das heißt, der Zug wird selbstständig beschleunigen, bremsen und die Geschwindigkeit halten. Das bedeutet wiederum mehr Präzision. Die ist vor allem bei Rangiermanövern in den Bahnhöfen gefragt, so dass der Zugverbund schneller zusammengestellt werden kann.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/in (m/w/d) in der Bildungsstätte Dresden BG ETEM
Dresden Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
Network Engineer Kommunikationsnetze (m/w/d) TenneT
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter Wohnungsbau (m/w/d) für Neubau und Modernisierung auf Bauherrenseite Allbau Managementgesellschaft mbH
Orano GmbH-Firmenlogo
Strahlenschutzingenieur / Strahlenschutztechniker (m/w/d) Orano GmbH
Nürnberg Zum Job 
UPM - The Biofore Company-Firmenlogo
Production Engineer (m/f/d) UPM - The Biofore Company
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter / Stationärer Projektleiter (m/w/d) für Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung im Bereich Fertigteilbau KLEBL GmbH
Gönnern Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Betriebsingenieur/in (gn) für Technisches Sicherheitsmanagement und Sonderprojekte Stadtwerke Essen AG
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieure (m/w/d) für die Bildverarbeitung & Softwareentwicklung OCS Optical Control Systems GmbH
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur (m/w/d) für Automatisierungssysteme OCS Optical Control Systems GmbH
Spritz-Plast GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Spritz-Plast GmbH
Laufenburg (Baden) Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt-Firmenlogo
Projektmanager Altlastensanierung (m/w/d) Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt
Magdeburg Zum Job 
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter Export - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH
Nordrach Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Business Development Manager - Western Europe (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Projektingenieur Kraftwerk (d/m/w) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Doppelstöckiger TGV: Durch den automatischen Zugbetrieb hofft die SNCF, mehr Züge auf den gleichen Strecken betreiben zu können.

Doppelstöckiger TGV: Durch den automatischen Zugbetrieb hofft die SNCF, mehr Züge auf den gleichen Strecken betreiben zu können.

Quelle: Bernd Weissbrod/dpa

Aber auch auf offener Strecke, wo sich mehrere Züge eine Trasse teilen, hat präziseres Fahren große Auswirkungen. So hofft die Bahngesellschaft SNCF, dass der Sicherheitsabstand, der zwischen Zügen auf derselben Strecke liegen muss, von 180 auf 108 Sekunden gedrückt werden kann. Durch diese Zeitersparnis von über einer Minute könnten sich auf bestimmten Strecken bis zu 25 % mehr Zeitfenster öffnen, in denen Züge fahren können. Von der größeren Verkehrsdichte erhofft sich die SNCF einen Zuwachs an Passagieren und damit an Einnahmen.

Keine Hinderniserkennung auf offener Strecke

Gänzlich ohne Lokführer kann der autonome TGV aber nach derzeitigem technischem Stand nicht auskommen. Der Fahrer muss nach wie vor das Öffnen und Schließen der Türen überwachen, denn hier sind – unberechenbare – Menschen beteiligt. Auch auf offener Strecke lauern Gefahren, die eventuell ein menschliches Eingreifen nötig machen.

„Wenn U-Bahnen automatisiert fahren, hat man ein Sensorengitter an den Haltestellen und danach fährt der Zug in einen Tunnel“, sagte Matthieu Chabanel, der stellvertretende Direktor des SNCF gegenüber „FranceInfo“. „Aber draußen sind wir in einer offenen Umgebung mit Bäumen, Tieren und Menschen, die den Zug in seiner freien Fahrt stören könnten. Dafür brauchen wir einen Fahrer, der in gefährlichen Situationen handelt.“

Aktuell  gebe es noch keine Hinderniserkennung auf offener Strecke, sagt Luc Laroche, Projektmanager der SNCF für autonomes Fahren. Der Grad der Automatisierung werde aber immer größer werden, desto länger die Prototypen getestet würden, sagte Laroche gegenüber „gopressmobility“. Dort hieß es auch, dass die SNCF für ihr Projekt mit der Deutschen Bahn, Forschungsinstitutionen wie Railenium und Spezialisten im Schienenverkehr und Automatisierung wie Alstom, Bombardier und Siemens zusammen arbeitet.

Einweihung der automatischen U-Bahn in Nürnberg im Juni 2008: Die U3 ist die erste fahrerlose U-Bahnstrecke Deutschlands. Die Automatisierungstechnik hat Siemens geliefert.

Einweihung der automatischen U-Bahn in Nürnberg im Juni 2008: Die U3 ist die erste fahrerlose U-Bahnstrecke Deutschlands. Die Automatisierungstechnik hat Siemens geliefert.

Quelle: Siemens

Siemens hat schon viele Erfahrungen mit autonom fahrenden Zügen. In Nürnberg fährt die einzige U-Bahn Deutschlands ohne Lokführer, ebenso in Singapur.

Weltweit fahren bereits in Dutzenden Städten fahrerlose U-Bahnen, vor allem in Europa, Nordamerika und Asien.

Auch die Deutsche Bahn experimentiert schon mit fahrerlosen Zügen, glaubt aber, dass solche Züge erst in 10 bis 20 Jahren einsatzfähig sind.

Fahrerlose Züge sind die Menschen in Singapur gewohnt. Dort wird seit 2003 die mit 20 Kilometern längste fahrerlose Strecke der Welt betrieben. 

Fahrerlose Züge sind die Menschen in Singapur gewohnt. Dort wird seit 2003 die mit 20 Kilometern längste fahrerlose Strecke der Welt betrieben.

Quelle: Land Transport Authority

Der TGV bekommt ab Juli einen neuen Namen

Übrigens wird dem TGV, abgesehen von seiner geplanten Automatisierung, eine weitere Neuerung bevorstehen. Wie Ende Mai bekannt wurde, soll der „train à grande vitesse“ in InOui umbenannt werden. Ab 2. Juli 2017 wird die Umstellung schrittweise erfolgen. Bis Ende des Jahres werden 30 %, bis Ende 2018 etwa 80 % aller Züge mit neuem Logo fahren. Hintergrund ist die geplante Liberalisierung des Hochgeschwindigkeitsnetzes, für die die staatliche SNCF ab 2021 ihr Monopol verliert.

Deshalb will die SNCF ihren Marktauftritt als Transportunternehmen vereinheitlichen und ihre Marken Ouigo, Ouibus und OuiCar wiederkennbar machen. Bei den Franzosen kommt die Umbenennung derweil weniger gut an. Nimmt man die sozialen Medien wie Twitter als Stimmungsbarometer, ist der neue Name – abgesehen von den üblichem Ärger über Verspätung und Überfüllung der Züge – vor allem Anlass für Unverständnis und Spott.

Autonomer Zug auf virtuellen Schienen

Eine Bahn, die auf virtuellen Schienen direkt auf einer Asphaltfahrbahn fährt, entwickeln derzeit chinesische Ingenieure. Der Zug soll ebenfalls autonom ohne Lokführer durch den Straßenverkehr fahren.

 

Ein Beitrag von:

  • Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck ist seit 2001 journalistisch unterwegs in Print- und Online-Medien. Neben Architektur, Kunst und Design hat sie sich vor allem das spannende Gebiet der Raumfahrt erschlossen.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.