E-Mobilität im Luxussegment 28.05.2026, 10:00 Uhr

Ferrari verliert seine Seele: Der Luce entfacht eine Grundsatzdebatte

Ferrari präsentiert mit dem „Luce“ sein erstes Elektroauto – und löst Kritik, Kursverluste und eine Debatte über die Markenidentität aus.

Der vollelektrische Ferrari „Luce“

Der „Luce“ markiert Ferraris Einstieg in die Elektromobilität und entfacht eine Debatte über die Zukunft der Kultmarke.

Foto: Ferrari N.V.

1050 PS, vier Elektromotoren und ein Preis von mehr als einer halben Million Euro – technisch wirkt der neue Ferrari „Luce“ wie ein Manifest der Zukunft. Doch genau dieses Auto bringt die Marke plötzlich in eine Identitätskrise. Statt Begeisterung dominieren Spott, Enttäuschung und scharfe Kritik.

Fans vergleichen den luxuriösen Viertürer mit einem Familienauto, ehemalige Ferrari-Manager warnen vor der Zerstörung eines Mythos und selbst die Börse reagiert nervös. Hinter der Debatte steckt weit mehr als nur ein neues Modell. Es geht um eine Grundsatzfrage, die derzeit die gesamte Sportwagenbranche erschüttert: Was bleibt von Ferrari übrig, wenn der Klang des Verbrennungsmotors verstummt?

Zweifel an Ferraris Identität

Das erste vollelektrische Serienmodell der Marke löst im Netz viel Spott, wenig Begeisterung und eine Grundsatzdiskussion darüber aus, was ein Ferrari überhaupt noch sein darf.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
AllTerra Deutschland GmbH-Firmenlogo
Support Mitarbeiter Vermessungslösungen / Vermessungstechnik (m/w/d), 80-100 % (Wunstorf bei Hannover, Hamburg, Berlin oder Leipzig) AllTerra Deutschland GmbH
Berlin, Leipzig, Hamburg, Wunstorf bei Hannover Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur als Sachgebietsleiter - Betriebsservice U-Bahn, Bauprojekte (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH
Langenbrettach Zum Job 
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH-Firmenlogo
Traineeprogramm für Ingenieure (all genders) - befristet für 24 Monate Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Frankfurt am Main Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Maschinenbau Silberhorn GmbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) (Sonder-)Maschinenbau Maschinenbau Silberhorn GmbH
Parsberg (Lupburg) Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / Technischer Zeichner (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Energieanlagen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
PERI Group-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Klettertechnik & Automation (m/w/d) PERI Group
Weißenhorn Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Sales Manager (m/w/d) Sorting Solutions Steuerungstechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Sicherheitstechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Gebäudetechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Produktentwickler / Konstrukteur (m/w/d) EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG
Wuppertal Zum Job 
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Straßenplanung und Entwurf Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Zweigniederlassungsleiter Großprojekte West (m/w/d) über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft
Nordrhein-Westfalen Zum Job 

„Ich bin tatsächlich sprachlos und hau jetzt mal meine völlig subjektive persönliche Meinung raus: entweder die Kamera verzerrt brutal oder die Designer haben soviel billigen Grappa gesoffen bis ihnen die Proportionen und Formen völlig entglitten sind“, schreibt Autojournalist Alexander Bloch in einem Kommentar auf LinkedIn

Besonders die Reaktionen auf das Design fielen hart aus. Autojournalisten und Ferrari-Fans kritisieren dabei die Abkehr vom klassischen Ferrari-Stil. Statt aggressiver Sportwagenoptik präsentiert sich der „Luce“ als luxuriöser Viertürer mit minimalistischer Linienführung. Dazu gibt es fünf Sitze, einen großen Kofferraum und ein hohes Dach. Fast schon familienfreundlich. In sozialen Netzwerken wurde das Modell teils mit einem Nissan Leaf verglichen. Nur kostet der „Luce“ 550.000 €.

„Wir riskieren, einen Mythos zu zerstören“

„Wenn ich sagen würde, was ich denke, würde ich Ferrari schaden. Wir riskieren, einen Mythos zu zerstören, und das tut mir sehr leid“, sagte der ehemalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo am Rande der Confindustria-Konferenz gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Er hoffe, dass man sich dazu entscheide, das Logo mit dem springenden Pferd von dem Auto zu entfernen.

Besonders die Börsenreaktion zeigte, wie skeptisch Investoren den Strategiewechsel hin zur Elektrifizierung bewerten. Zeitweise verlor die Aktie in Mailand fast 8 % an Wert. Denn: Ferrari lebt wirtschaftlich von künstlicher Verknappung, extremer Markenbindung und auch der emotionalen Aufladung durch Verbrennungsmotoren und deren Sound. Genau diese Elemente stehen bei einem Elektro-Ferrari zur Debatte.

Das Designproblem der Elektroautos

Ferrari ist nicht der einzige Hersteller, der beim Design seiner E-Autos zunächst neue Wege einschlägt. Auch Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW versuchten, ihre Elektroautos mit futuristischen Designs bewusst von klassischen Verbrenner-Modellen abzugrenzen und stießen dabei teils auf massive Kritik.

Vor allem Volkswagen musste beim Start der ID-Reihe feststellen, dass viele Kunden die Modelle als „zu wenig VW“ wahrnahmen. Dabei wollte sich der damalige Konzernchef Herbert Diess bewusst von den Verbrennern abheben, um „neue Wege zu gehen“.

Bei Mercedes kamen die zunächst stark auf Aerodynamik ausgelegten EQ-Modelle mit ihrer glatten, fast eiförmigen Silhouette bei vielen Käufern nicht gut an. Besonders der Wechsel des klassischen Kühlergrills auf schwarze Flächen wurde stark diskutiert. Konzernchef Ola Källenius kehrte daraufhin zu bewährten Designentscheidungen zurück: Neue Elektro-Modelle sollen wieder unverkennbar wie klassische Mercedes wirken.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in der Kontinuität des Designs einen entscheidenden Erfolgsfaktor: Gerade Premiumhersteller müssten darauf achten, dass Elektroautos trotz neuer Technik weiterhin klar als Fahrzeuge ihrer Marke erkennbar bleiben.

Ferraris elektrisches Dilemma

„Wir schlagen ein neues Kapitel auf, das unsere Vision Wirklichkeit werden lässt und Ferraris Tradition stärkt, die Zukunft vorwegzunehmen und zu gestalten“, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender John Elkann.

Doch Ferrari kommt mit seinem ersten Elektroauto vergleichsweise spät. Möglicherweise auch, weil man intern nicht vollständig von der Elektrifizierung im Luxussegment überzeugt ist. Andere Hersteller wie Lamborghini und Porsche fahren ihre Elektrostrategien bereits zurück, da die Nachfrage hinter den Erwartungen bleibt.

Auch Ferrari hat seine Ziele schon nach unten korrigiert: Ursprünglich plante das Unternehmen, bis 2030 mindestens 40 % seiner Fahrzeuge zu elektrifizieren. Ein Jahr später wurde dieses Ziel schon auf 20 % reduziert.

Warum Luxusmarken plötzlich auf Elektro setzen

Gleichzeitig steht Ferrari zunehmend unter regulatorischem Druck. Vor allem in Europa verschärfen sich die CO₂-Vorgaben für Autohersteller kontinuierlich. Zwar produziert Ferrari im Vergleich zu Massenherstellern nur relativ wenige Fahrzeuge pro Jahr, doch auch Luxusmarken können sich den politischen und technologischen Veränderungen der Branche langfristig kaum entziehen.

Dennoch treiben nicht nur strengere Vorschriften die Elektrifizierung im Luxussegment voran. Elektroautos bieten gerade für Sportwagenhersteller auch technische Vorteile: Elektromotoren liefern ihr maximales Drehmoment sofort, ermöglichen extreme Beschleunigungswerte und lassen sich vergleichsweise leicht mit digitalen Fahrassistenz- und Performance-Systemen kombinieren.

Für Ferrari entsteht dadurch ein strategisches Dilemma:

  • Einerseits lebt die Marke von hoch emotionalisierten Verbrennungsmotoren, markantem Motorsound und mechanischer Fahrdynamik.
  • Andererseits zwingt der weltweite Wandel hin zur Elektromobilität selbst traditionsreiche Sportwagenhersteller dazu, ihre Modellpalette neu auszurichten.

Der „Luce“ ist für das Unternehmen daher mehr ein Test, ob sich Ferraris Luxus- und Motorsport-Identität in das Elektrozeitalter übertragen lässt.

Ein Beitrag von:

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.