Bis 68 km/h schnell 19.04.2016, 13:29 Uhr

Fahrerloser Bus im öffentlichen Verkehr unterwegs

Mit kleineren fahrerlosen Bussen wird in Europa schon eine Weile experimentiert. In China ist aber kürzlich ein großer fahrerloser Bus auf die Reise geschickt worden. Dabei bewegte sich der Bus auch auf Schnellstraßen, passierte 26 Verkehrsampeln, wechselte wiederholt die Fahrspur und überholte auch eigenständig andere Fahrzeuge auf den Straßen. 

Hände weg vom Steuer: Für den Busfahrer gibt es auf der Testfahrt nichts zu tun. Die 32 km lange Strecke konnte der autonom fahrende Yutong-Bus erfolgreich ohne Zwischenfälle bestreiten.

Hände weg vom Steuer: Für den Busfahrer gibt es auf der Testfahrt nichts zu tun. Die 32 km lange Strecke konnte der autonom fahrende Yutong-Bus erfolgreich ohne Zwischenfälle bestreiten.

Foto: Yutong

Der fahrerlose Bus fuhr im öffentlichen Verkehr. Er legte die 32,6 km lange Strecke zwischen den Städten Zhengzhou und Kaifeng in der Provinz Henan mit einer Geschwindigkeit von bis zu 68 km/h zurück.

Drei Jahre lang hat der 1963 gegründete und heute größte chinesische Bushersteller, die Zhengzhou Yutong Bus Co. Ltd., an der Entwicklung seines ersten fahrerlosen Busses gearbeitet. Der Steuerung des Fahrzeugs dienen eine Vielzahl von Kameras und Lidar-Sensoren auf beiden Seiten des Busses. Diese versorgen allesamt den Zentralrechner mit den erforderlichen Daten für eine sichere Fahrt.

Die Lidar-Sensoren stammen von Velodyne aus Kalifornien. Dabei soll es sich um einen neuen, besonders leistungsstarken Typ aus der Serie Velodyne 64 handeln.

 

Auf beiden Seiten des autonom fahrenden Busses sind Kameras und Lidar-Sensoren angebracht. Diese versorgen den Zentralrechner mit den erforderlichen Daten für eine sichere Fahrt. 

Auf beiden Seiten des autonom fahrenden Busses sind Kameras und Lidar-Sensoren angebracht. Diese versorgen den Zentralrechner mit den erforderlichen Daten für eine sichere Fahrt.

Quelle: Yutong

Nach Aussage des Unternehmens spricht vor allem die verbesserte Sicherheit fahrerloser Busse  für deren relativ schnelle Einführung im Massenverkehr. Dahinter steht die Überzeugung, dass schon bald der fahrerlose Bus sehr viel sicherer als der von einem Menschen gelenkte sein wird, weil kein Fahrer abgelenkt oder in anderer Weise behindert werden kann.

Was die Sicherheit aller Busse aus der eigenen Produktion betrifft, so unternimmt Yutong schon seit einigen Jahren nicht nur Crash-Tests mit Bussen, sondern setzt die Fahrzeuge in den Tests auch seitlichen Unfällen aus, bei denen der Bus nach der Seite hin von der Straße abkommt und sich dabei mehrfach überrollt.

Yutong rechnet mit drei Jahren bis zur Serienreife

Yutong veranschlagt den Zeitbedarf bis zur Serienreife des fahrerlosen Busses auf weitere drei Jahre. Und ist sich offenbar ziemlich sicher, den Zeitplan halten zu können: Das Jahr 2019 wird ausdrücklich genannt. Bis dahin werden immer wieder Testfahrten auf öffentlichen Straßen in China unternommen werden. Eine Produktion des fahrerlosen Busses in großen Stückzahlen peilt Yutong für das Jahr 2021 an.

Die Technik hat den Verkehr rund um den Bus im Blick. 

Die Technik hat den Verkehr rund um den Bus im Blick.

Quelle: Yutong

Yutong kommt bei den Entwicklungsarbeiten zugute, dass das Unternehmen, das unter anderem auch Baumaschinen herstellt, sehr finanzstark ist und allein in der Entwicklungsabteilung für Busse mehr als tausend Menschen beschäftigt.

Bei einem Weltmarktanteil von zwölf Prozent im Busgeschäft und Exportlieferungen in 150 Länder ist Yutong von Anbeginn an besonders darauf ausgerichtet, die eigenen fahrerlosen Busse so schnell wie möglich auch in anderen Ländern und dabei gerade auch in Europa zu verkaufen.

Auch andere Unternehmen aus China entwickeln fahrerlose Busse

Yutong ist keineswegs der einzige chinesische Produzent, der auf den fahrerlosen Bus setzt: Ein anderes Unternehmen, das in die gleiche Richtung zielt, ist die chinesische Search Engine Baidu. Auch Baidu erwartet, dass sich der fahrerlose  Bus eher als der fahrerlose Personenwagen im Straßenverkehr durchsetzen wird.

 

Von Peter Odrich
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