90 Tonnen Nutzlast 06.04.2017, 08:23 Uhr

Drohnen für den Warentransport so groß wie eine Boeing

Kann man Drohnen bauen, die so groß sind wie eine Boeing 777 und 90 Tonnen Ladung über den Atlantik und Pazifik fliegen können? Das wäre die größte Drohne der Welt! Und genau das plant das amerikanische Start-up Natilus. Diesen Sommer sollen die ersten Flugversuche mit einem kleinen Modell beginnen.

Ein amerikanisches Start-up will eine Drohne bauen so groß wie eine Boeing 777. Sie soll 90 t Nutzlast zwischen den USA und Europa und zwischen den USA und Asien transportieren können.

Ein amerikanisches Start-up will eine Drohne bauen so groß wie eine Boeing 777. Sie soll 90 t Nutzlast zwischen den USA und Europa und zwischen den USA und Asien transportieren können.

Foto: Natilus

Es hört sich wirklich utopisch an. Aber warum soll es eigentlich nicht doch gelingen, eine Drohne zu bauen, die mit 60 m Länge fast so groß ist wie die Basisversion der Boeing 777 und trotzdem ohne Pilot große Distanzen überwindet? Schließlich fliegen ja Flugzeuge auch heute schon dank Autopiloten große Strecken ohne Eingriffe der Piloten.

Erstflug einer verkleinerten Version im Sommer

Die Größe der Boeing 777, die in der Frachtversion immerhin 102 t Nutzlast transportieren kann und eine Reichweite von 9.000 km hat, ist Vorbild des Start-ups, das in Kalifornien gegründet wurde. Der CEO Alexander Matuschev kündigte jetzt an, dass eine kleine, nur 9 m kurze Version der Transportdrohne im Sommer zum Erstflug abheben soll.

Das Modell soll 318 kg Fracht an Bord haben, wenn es zum Testflug von Los Angeles nach Hawaii startet. Der Flug soll 30 Stunden dauern. Der Test ist bereits von der amerikanischen Aufsichtsbehörde FAA genehmigt.

Mit einem erfolgreichen Flug will das Unternehmen Kapital einsammeln. Derzeit arbeiten nur drei Entwickler für das Projekt, ausgestattet von Erstinvestoren mit einer Million US-Dollar. Immerhin glaubt Tim Draper an Natilus. Draper ist einer der erfolgreichsten Investoren im Silicon Valley und hat 750.000 Dollar in das Start-up investiert.

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Natilus will Transportkosten für Luftfracht halbieren

Die Idee: Drohnen in der Größe von Flugzeugen sollen Waren zwischen Kontinenten transportieren – zu deutlich geringeren Preisen als heute. Starten und landen sollen die Transportdrohnen auf dem Meer, weshalb sie kein Fahrwerk haben. Wie Schiffe im Hafen sollen auch die Natilus-Drohnen auf dem Wasser be- und entladen werden

Angetrieben werden soll die Drohne mit einer Rumpflänge von 60 m von zwei Turboprop- und Turbofan-Triebwerken.

Angetrieben werden soll die Drohne mit einer Rumpflänge von 60 m von zwei Turboprop- und Turbofan-Triebwerken.

Quelle: Natilus

Angetrieben werden soll die Natilus-Drohne von konventionellen Turboprop- und Turbofan-Triebwerken, die auch mit üblichem Flugzeug-Treibstoff arbeiten. Die beiden Triebwerke sind in den ersten Konzeptaufnahmen ganz hinten am Ende des Rumpfes oberhalb der Tragflächen montiert.

Geplant ist Drohne mit 90 Tonnen Nutzlast

Die 60 m lange Drohne soll rund 90 t Fracht transportieren können. Fliegen soll die Natilus in rund 6.000 m, also unterhalb der Flughöhe normaler Verkehrsflugzeuge. Die Drohne wird langsamer fliegen als eine Boeing 777, aber dabei die Transportkosten halbieren.

Für die Route von Los Angeles nach Shanghai haben die Konstrukteure eine Flugzeit der Drohne von 30 Stunden berechnet. Eine Boeing 747 braucht für die gleiche Strecke nur elf Stunden, ein Schiff dagegen drei Wochen.

Preislich ist das Schiff dafür unschlagbar, so die Natilus-Rechnung: Die 90 t Fracht kostet mit dem Schiff demnach rund 61.000 Dollar, mit der schnellen Boeing dagegen 260.000 Dollar. Natilus will für den 30-Stunden-Flug 130.000 Dollar berechnen, also die Frachtkosten für den Lufttransport halbieren.

Erstflug der Großversion für 2020 geplant

Und wann fliegt die erste große Drohne? Natilus hat den ersten Prototypen der 60-Meter-Drohne für 2020 angekündigt. Bis dahin müssen allerdings zahlungskräftige Investoren gefunden werden.

Mit 90 t stößt die Natilus wirklich in völlig neue Dimensionen vor, was Drohnen angeht. So hat erst im Dezember das norwegische Unternehmen Griff Aviation „neue Maßstäbe für professionell eingesetzte Drohnen“ gesetzt und eine Drohne vorgestellt, die 225 kg tragen kann. Das nächstgrößere Modell soll 800 kg transportieren können.

Das ist eine Menge. Mal sehen, ob Natilus wirklich 90 t schafft.

Die Drohne Griff 300 kann bis zu 225 kg Nutzlast transportieren.

Die Drohne Griff 300 kann bis zu 225 kg Nutzlast transportieren.

Quelle: Griff Aviation

 

Ein Beitrag von:

  • Axel Mörer-Funk

    Axel Mörer-Funk ist Gesellschafter der Medienagentur S-Press in Bonn. Nach einem Volontariat beim Bonner Generalanzeiger und dem Besuch der Journalistenschule Hamburg arbeitete er u.a. als freier Journalist für dpa, Bunte und Wirtschaftswoche.

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