InnoTrans 2016 21.09.2016, 10:54 Uhr

Der erste Wasserstoffzug mit Brennstoffzelle rollt an

Den ersten Zug der Welt, der seinen Strom aus Wasserstoff in einer Brennstoffzelle erzeugt, zeigt der französische Bahnkonzern Alstom auf der InnoTrans in Berlin. Der Zug ist keine Vision, sondern soll ab 2017 im Regionalverkehr rund um Bremen eingesetzt werden. Die Alternative für tausende Dieseltriebwagen in Deutschland? 

Großes Medieninteresse: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat auf der InnoTrans den ersten Serienzug von Alstom mit Brennstoffzelle vorgestellt. Der Zug erzeugt seinen Strom selbst und wird ab Ende 2017 auf nicht elektrifizierten Regionalstrecken in Niedersachsen fahren.

Großes Medieninteresse: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat auf der InnoTrans den ersten Serienzug von Alstom mit Brennstoffzelle vorgestellt. Der Zug erzeugt seinen Strom selbst und wird ab Ende 2017 auf nicht elektrifizierten Regionalstrecken in Niedersachsen fahren.

Foto: InnoTrans

Großes Medieninteresse: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat auf der InnoTrans den ersten Serienzug von Alstom mit Brennstoffzelle vorgestellt. Der Zug erzeugt seinen Strom selbst und wird ab Ende 2017 auf nicht elektrifizierten Regionalstrecken in Niedersachsen fahren.

Foto: InnoTrans

Foto: Alstom

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Leise, abgasfrei, komfortabel und doch recht schnell: Das ist der „Coradia iLint“. Der klangvolle Name steht für den ersten Zug mit Brennstoffzelle, den der französische Technologiekonzern Alstom entwickelt hat und schon in wenigen Jahren die derzeit rund 2.700 Dieselzüge ablösen könnte, die in Deutschland auf nicht elektrisierten Strecken unterwegs sind.

Alstom hat den Zug jetzt auf der Bahnmesse InnoTrans in Berlin vorgestellt. Er ist das Ergebnis eines Projektes, an dem die deutsche Politik großes Interesse hat: Gefördert vom Bund mit acht Millionen Euro, unterstützt von mehreren Bundesländern, die den Wasserstoffzug auf Regionalstrecken einsetzen wollen.

Reichweite bis zu 800 Kilometer

Der Wasserstoffzug basiert auf dem konventionellen Dieselzug Coradia Lint 54. Alstoms Coradia-Reihe ist ein modularer Regionalzug, den es seit mehr als 16 Jahren im Fahrbetrieb gibt und von dem schon über 2.400 Züge weltweit verkauft wurden. Der Zug wird in Salzgitter gebaut. Dort entsteht auch die Wasserstoffvariante des Coradia. Die ersten Züge der Wasserstoffvariante sind bereits gebaut, derzeit läuft das Zulassungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt.

Die Wasserstofftanks sind auf dem Dach des Coradia iLint untergebracht, die Batterien im Boden. Die Reichweite beträgt bis zu 800 km mit einer Tankfüllung.

Die Wasserstofftanks sind auf dem Dach des Coradia iLint untergebracht, die Batterien im Boden. Die Reichweite beträgt bis zu 800 km mit einer Tankfüllung.

Foto: Alstom

Fast auf der gesamten Dachfläche des Zuges sind Tanks für Wasserstoff und Sauerstoff verteilt, dort findet auch die Reaktion beider statt, aus der elektrischer Strom entsteht. Und der wird in Lithium-Ionen-Batterien geleitet, die unter dem Zug angebracht sind. Sie dienen als Speicher nicht nur für die erzeugte, sondern auch für die aus Bremsvorgängen zurückgewonnene Energie.

Die Kapazität der Tanks und Akkus soll für 600 bis 800 Kilometer reichen. Damit ist der Zug ideal geeignet für Regionalstrecken, auf denen sich eine Elektrifizierung nicht lohnt. Um die Reichweite zu steigern, will Alstom an den Regionalstrecken, auf denen der iLint fährt, Wasserstofftankstellen bauen.

Am Wasserstoffzug Coradia iLint haben neben Niedersachsen auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und der Verkehrsverbund Rhein-Main in Frankfurt Interesse.

Am Wasserstoffzug Coradia iLint haben neben Niedersachsen auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und der Verkehrsverbund Rhein-Main in Frankfurt Interesse.

Foto: Soeren Stache/dpa

Bis zu 300 Passagieren bietet der Wasserstoffzug Platz, für die Hälfte der maximalen Zahl an Fahrgästen stehen Sitzplätze zur Verfügung. Und 140 km/h Spitze sind möglich – für relativ kurze Strecken mit einem engen Stationsnetz reicht das.

Alstom will Wasserstofftankstellen für Züge bauen

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselzug ist der Elektroantrieb deutlich leiser. Kein Wunder also, dass die Politik auf die Technik setzt. Zur Energie- oder gar der gesamten Ökobilanz des Wasserstoffzuges sagt Alstom indes bislang nichts. Das Unternehmen spricht von „emissionsfreiem“ Antrieb, aber hier gilt natürlich dasselbe wie beim E-Auto: „lokal emissionsfrei“ ist richtiger. Denn der Wasserstoff muss ja irgendwo herkommen.

Nun berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass Alstom dieses Problem gelöst haben will, weil man Wasserstoff verwende, der als Abfallprodukt in der Chemieindustrie sonst „einfach verbrannt“ werde. Den gibt es zwar in durchaus beträchtlichen Mengen, aber er wird zum allergrößten Teil in chemischen Prozessen weitergenutzt, nur zu etwa fünf Prozent verbrannt – und das auch nicht auf dem Acker, sondern in Anlagen, die Prozesswärme erzeugen. Wird hier Wasserstoff abgezweigt, muss er also als Energiequelle ersetzt werden.

Innenraum des Coradia iLint: Weil die Wasserstofftanks und Batterien in Dach und Boden untergebracht sind, bietet der iLint Fahrgästen so viel Platz wie andere Regionalzüge auch.

Innenraum des Coradia iLint: Weil die Wasserstofftanks und Batterien in Dach und Boden untergebracht sind, bietet der iLint Fahrgästen so viel Platz wie andere Regionalzüge auch.

Foto: Alstom

Für lärmgeplagte Anwohner könnten die neuen Züge indes ein echter Gewinn sein. Nächstes Jahr wird der Testbetrieb aufgenommen, ab 2018 soll der Coradia iLint in Deutschland im Regelbetrieb fahren. 14 Züge sind zunächst geplant, die auf der Strecke Buxtehude-Bremerhaven-Cuxhaven verkehren werden.

Ausgesprochen kurz war die Entwicklungszeit des Zuges, der ja auf einem bewährten Konzept aufbaut. „Diese Innovation zeigt, dass wir in der Lage sind, in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden einen Zug in nur zwei Jahren zu entwickeln”, erklärte Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge auf der InnoTrans.

Und Interessenten gibt es offenbar genug. Für den Zug interessieren sich auch die Länder Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie der Rhein-Main-Verkehrsverbund in Frankfurt.

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