InnoTrans 2016 20.09.2016, 15:02 Uhr

Wenn der Zug mit dem Auto am Bahnübergang spricht

Wenn heute die ersten Fachbesucher über die InnoTrans in Berlin gehen, werden sie sehr ungewöhnliche Entdeckungen machen können: Züge, die mit Autos sprechen, autonom fahrende U-Bahnen und als einen Höhepunkt den ersten Zug mit Brennstoffzelle. 

Premiere auf der InnoTrans hat auch der Hochgeschwindigkeitszug EC250 von Stadler: 140 Weltpremieren sollen auf der InnoTrans 2016 vorgestellt werden.

Premiere auf der InnoTrans hat auch der Hochgeschwindigkeitszug EC250 von Stadler: 140 Weltpremieren sollen auf der InnoTrans 2016 vorgestellt werden.

Foto: InnoTrans

123 neue Züge und Loks bestaunen können, neueste Schienenverkehrstechnik und neueste Mess- und Steuerungstechnik: Die InnoTrans, die am Mittag Violeta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr, und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eröffnet haben, ist gespickt mit Welt- und Europapremieren.

Alstom präsentiert den weltweit ersten Personenzug, der auf nicht elektrifizierten Strecken fahren kann und seinen Strom selbst mit einer Brennstoffzelle erzeugt. Das DLR stellt eine neue Kommunikationstechnik vor, über die Züge und Autos miteinander vernetzt werden, um Unfälle an Bahnübergängen zu vermeiden. Siemens zeigt fahrerlose U-Bahnen und den neuen, besonders effizienten Regionalzug Mireo.

Gerade auf der InnoTrans 2016 eingetroffen: Der neue Velaro Türkei von Siemens.

Gerade auf der InnoTrans 2016 eingetroffen: Der neue Velaro Türkei von Siemens.

Foto: InnoTrans

Auch die Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik IPM haben sich ins Zeug gelegt und zeigen eine Messtechnik, die noch bei Tempo 350 Fahrdrähte auf ihren Zustand untersuchen kann und dabei die Position einer Schwachstelle ganz genau festhält.

Hier in unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen aktuelle Neuheiten. Und wenn das nicht genug ist: Weitere Messehighlights finden Sie hier.

Der erste Zug mit Brennstoffzelle von AlstomDer französische Bahnkonzern Alstom lässt auf der InnoTrans mit dem weltweit ersten Wasserstoffzug aufhorchen, der seine Energie aus einer Brennstoffzelle bezieht. Alstom nutzt die konventionelle Diesel-Baureihe Coradia Lint (Foto), die mit der Wasserstofftechnik aufgerüstet wird.Der Wasserstoffzug soll Ende 2017 Bremerhaven mit Cuxhaven und Buxtehude verbinden. Vor allem auf Strecken, die nicht elektrifiziert sind und bislang mit Dieselloks versorgt wurden, soll die saubere Brennstoffzellentechnik eingesetzt werden.Der Wasserstofftank liegt auf dem Dach, die Reichweite soll zwischen 600 und 800 km liegen. Der Elektrozug kann bis zu 140 km/h schnell fahren (ausführlicher Bericht folgt).

Foto: Alstom

Das DLR lässt Züge und Autos miteinander sprechenDas DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik in Braunschweig stellt seine Car2X-Technologie vor. Die Forscher nutzen die Kommunikationstechnik aus der Autoindustrie, die Automobile zunehmend vernetzt, um Informationen über Straßenzustand, Geisterfahrer oder Stausituationen auszutauschen. Warum sollen nicht auch Züge mit Autos kommunizieren?Künftig soll ein herannahender Zug über Rail2X dem Bahnübergang übermitteln, wann er diesen passiert. Der Autofahrer erhält zeitgleich von dem Bahnübergang eine Warnmeldung in seinem Head-Down-Display und kann frühzeitig reagieren. Umgekehrt könnte aber auch der Bahnübergang dem Lokführer mitteilen, dass die Schranken geschlossen sind und er ohne Gefahr passieren kann.Möglich wäre mit der neuen Technik auch die Einführung von Bedarfshalten. Ein schwerer Zug hält nur noch dann, wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen wollen und dies signalisieren. Am Bahnsteig könnte das per Smartphone oder Knopf am Bahnsteig erfolgen. Meldet sich niemand, kann der Zug ohne Halt durchfahren, im Fall von Verspätungen sogar Zeit aufholen.In ersten Tests im Braunschweiger Hafen haben die DLR-Ingenieure bereits erfolgreich einen Zug mit Autos kommunizieren lassen. Derzeit läuft die Standardisierung der Software mit den Sicherheitsanforderungen der Bahn.

Foto: DLR

Fahrdrahtkontrolle bei 350 km/hEine Messtechnik für Oberleitungen, die berührungslos zehn Fahrdrähte gleichzeitig kontrollieren kann, stellt das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM auf der InnoTrans vor. Das neue Contact Wire Inspection System CIS, laut Fraunhofer ein weltweit einzigartiges Oberleitungsmesssystem, überprüft in einem einzigen Messvorgang Lage und Abnutzung von bis zu zehn Fahrdrähten gleichzeitig. Das erfolgt berührungslos bei Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h.Das CIS erfasst die Lage der Drähte mithilfe eines Laserscanners, die Drahtabnutzung wird per Kamera kontrolliert. Die Technik zu den Messerergebnissen enthält auch genaue Positionsdaten der Schäden.FormularendeBei kreisrunden Fahrdrähten werden aus der Breite des Schleifspiegels die Restdicke des Drahtes und der Abnutzungsgrad errechnet. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h wird alle 13 mm ein Wert ermittelt. Dank einer eigenen Beleuchtungseinheit arbeitet das CIS zuverlässig auch bei Nacht, in Tunnels und unter Brücken.

Foto: Fraunhover IPM

Siemens zeigt den sparsameren Zug MireoNeue Fahrgastinformationssysteme, verbessere Zugsicherungssysteme, Fahrassistenzsysteme und als Krönung der Zug Mireo: Siemens stellt auf der InnoTrans zahlreiche Innovationen vor.Der Mireo ist dabei eines der Highlights: Er ist dank Leichtbaustruktur in Aluminium-Integralbauweise besonders leicht, hat ein innengelagertes Drehgestell und Gliederzug-Konzept, ist deshalb besonders flexibel und hat eine verbesserte Aerodynamik, kombiniert mit einer besonders effizienten Antriebstechnik. Siemens verspricht bei gleicher Kapazität einen um 25 % geringeren Energieverbrauch. Der Zug ist zu 95 % recyclingfähig.Neben dem Mireo präsentiert Siemens zudem sechs weitere Zugsysteme auf dem Außengelände der InnoTrans, darunter die fahrerlose U-Bahn, die künftig autonom in Riad fahren wird, der Hochgeschwindigkeitszug Velaro für die Türkei und die Vectron-Breitspur-Lokomotiven, die ab dem nächsten Jahr in Finnland fahren.

Foto: Siemens

Bosch präsentiert Kollisionswarnsystem für StraßenbahnenEin Kollisionswarnsystem für Stadt- und Straßenbahnen hat Bosch entwickelt, um Straßenbahnfahrer insbesondere bei unübersichtlichen Verkehrsverhältnissen in Innenstädten mit querendem Autoverkehr zu unterstützen und so frühzeitig wie möglich zu warnen.Das System besteht aus einer Multifunktionskamera, einem Radarsensor und einem Steuergerät. Es erfasst in Echtzeit den Schienenverlauf bis zu 80 m im Voraus und damit auch Hindernisse, die sich vor dem Fahrzeug befinden. Erkennt das System eine potenzielle Kollisionsgefahr, warnt es den Fahrer. Reagiert der nicht oder zu spät kann das Kollisionswarnsystem eine automatische Bremsung einleiten.

Foto: Bosch

Hochgeschwindigkeitszug aus der SchweizDen elfteiligen Hochgeschwindigkeitszug EC250 präsentiert der Schweizer Hersteller Stadler in Berlin. Es ist der erste Hochgeschwindigkeitszug von Stadler. Der Zug ist bis zu 250 km/h schnell und legt besonders großen Wert auf Komfort und Kundenfreundlichkeit, insbesondere für Familien, Senioren und Personen mit eingeschränkter Mobilität.Dazu gehört stufenfreies Eintreten an allen Bahnsteigen zwischen 55 und 76 cm Höhe durch einen variablen Einstieg. Die Schweizer Bahn SBB hat bereits 29 Züge bestellt. Ab Dezember 2019 verbinden diese Züge Zürich mit Mailand über den neuen Gotthardbasistunnel. Wenn auch in Deutschland die Lücken im Hochgeschwindigkeitsnetz geschlossen sind, sollen die Züge Frankfurt mit Mailand verbinden.

Foto: Stadler / Nose Design

Flexible U-Bahn-Plattform von BombardierDer kanadische Bahntechnikanbieter Bombardier zeigt auf der InnoTrans zum ersten Mal seine U-Bahn-Plattform Movia Maxx präsentieren. Die für hohe Kapazitäten ausgelegte Metro wurde für schnell wachsende Städte auf der ganzen Welt entwickelt. Basierend auf einem modularen und flexiblen Plattformsystem lässt sich die Movia Maxx den jeweiligen Wünschen und Anforderungen der Betreiber anpassen.Zudem präsentiert Bombardier die dritte Generation seines Regionalzuges Talent, der in Deutschland auf vielen Nahverkehrsstrecken unterwegs ist. Der neue Talent verbraucht weniger Energie und kann auf verschiedenen europäischen Bahnstromsystemen eingesetzt werden. 

Foto: Bombardier

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