Brücke, Straße, Schiene: Vier von fünf Deutschen drängen auf Sanierung
Mobilitätsmonitor 2026: Vier von fünf Deutschen fordern Sanierung von Straßen, Schienen und Brücken – zugleich wächst die Offenheit für Elektromobilität.
Viele Befragte wünschen sich einen verstärkten Ausbau der Ladeinfrastruktur. Andere Studien kommen zu dem Schluss: Es gibt bereits mehr Ladepunkte als nötig.
Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte
Fragt man die Deutschen nach Wünschen bei ihrer Mobilität, stehen Sanierungsmaßnahmen bestehender Infrastrukturnetze ganz oben auf ihrer Agenda – und zwar fast gleichermaßen was Straße, Schiene und Brücken betrifft. Ein weiteres Ergebnis des seit 2020 jährliche durchgeführten Mobilitätsmonitors von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und dem Institut für Demoskopie Allensbach ist das Interesse an der Elektromobilität und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Inhaltsverzeichnis
- Hoher Modernisierungsdruck bei der Verkehrsinfrastruktur
- Digitalisierung und integrierte Verkehrssysteme
- Pkw bleibt dominierendes Verkehrsmittel
- Wachsende Offenheit gegenüber Elektromobilität
- Technische und wirtschaftliche Hemmnisse
- Ladeinfrastruktur als Schlüsselfaktor
- Ladeinfrastruktur: Zwischen Wahrnehmung und Realität
- China dominiert das Image bei Elektrofahrzeugen
Hoher Modernisierungsdruck bei der Verkehrsinfrastruktur
Die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur zählt inzwischen zu den wichtigsten politischen und technischen Zukunftsaufgaben. Die Zustimmungswerte für entsprechende Maßnahmen sind im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen. Gleichzeitig nimmt die Bevölkerung Defizite bei Verfügbarkeit, Zustand und Zuverlässigkeit der Infrastruktur zunehmend als wirtschaftliches und gesellschaftliches Risiko wahr. Dies geht aus dem Mobilitätsmonitor 2026 hervor, einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.
Wichtige Ergebnisse der Umfrage:
- 83 % der Befragten bewerten die Sanierung des Straßennetzes als prioritär.
- 80 % unterstützen die Erneuerung des Schienennetzes.
- 77 % halten die Sanierung von Brücken für besonders wichtig.
- 71 % sprechen sich für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs aus.
- 46 % sehen den Ausbau der Ladeinfrastruktur als vordringlich an.
- Öffentliche Ladepu
Digitalisierung und integrierte Verkehrssysteme
Neben klassischen Infrastrukturmaßnahmen erwartet die Bevölkerung verstärkte Investitionen in digitale Mobilitätslösungen. Mehr als die Hälfte der Befragten fordert einen stärkeren Einsatz digitaler Technologien zur besseren Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsträger. Große Erwartungen bestehen insbesondere bei der intelligenten Verkehrssteuerung, digital vernetzter Mobilität, multimodalen Verkehrskonzepten sowie Hochgeschwindigkeitsverbindungen im Schienenverkehr.
73 %der Befragten erwarten durch technologische Innovationen eine effizientere Verkehrssteuerung. Mehr als die Hälfte sehen Potenziale in integrierten Verkehrsinfrastrukturen, die verschiedene Verkehrsmittel besser miteinander verbinden. Zudem glauben drei von vier Befragten, dass Innovationen die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs verbessern können.
Pkw bleibt dominierendes Verkehrsmittel
Trotz der Diskussion um eine Mobilitätswende bleibt der private Pkw der Umfrage nach das zentrale Verkehrsmittel in Deutschland. 53 % der Bevölkerung nutzen täglich ein Auto, weitere 22 % mehrmals pro Woche. Für 77 % der Nutzer gilt das Auto weiterhin als unverzichtbar, die Nutzungsintensität ist damit seit Jahren weitgehend konstant. Das Fahrrad erreicht mit 35 % regelmäßiger Nutzung den zweiten Platz, während der öffentliche Nahverkehr deutlich seltener verwendet wird.
Die Daten der Umfrage verdeutlichen, dass sich individuelle Mobilitätsmuster bislang nur langsam verändern. Eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf alternative Verkehrsträger findet bisher nur begrenzt statt.
Wachsende Offenheit gegenüber Elektromobilität
Die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen nimmt weiter zu. Inzwischen ziehen 26 % der Befragten den Kauf eines Elektroautos in Betracht, gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem weiteren Anstieg. Besonders ausgeprägt ist die Offenheit in einkommensstarken Bevölkerungsgruppen. Dort liegt der Anteil potenzieller Käufer bei 46 %. In einkommensschwächeren Gruppen beträgt er dagegen lediglich 11 %.
Regional zeigt sich ebenfalls ein Unterschied: Während das Interesse in Westdeutschland wächst, stagniert es in Ostdeutschland. Zusätzliche Dynamik erhielt der Markt offenbar durch steigende Kraftstoffpreise. Im März 2026 stiegen die europäischen Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen deutlich an; bereits jede vierte Neuzulassung entfiel auf ein batterieelektrisches Fahrzeug.
Technische und wirtschaftliche Hemmnisse
Trotz steigender Akzeptanz bestehen weiterhin wesentliche Hürden für die breite Marktdurchdringung der Elektromobilität. Die wichtigsten Hemmnisse sind laut Umfrage hohe Anschaffungskosten, begrenzte Reichweite, lange Ladezeiten, unzureichende Ladeinfrastruktur. Dabei zeigt sich jedoch, dass die Reichweitenwahrnehmung teilweise hinter dem technologischen Stand zurückbleibt. Rund ein Viertel der Bevölkerung unterschätzt die heute verfügbaren Reichweiten moderner Elektrofahrzeuge deutlich.
Ladeinfrastruktur als Schlüsselfaktor
Laut Umfrage beeinflusst die Verfügbarkeit von Ladepunkten die Kaufbereitschaft erheblich. Unter den Besitzern von Elektrofahrzeugen geben zwar 80 % an, gut erreichbare Lademöglichkeiten zu haben. Auch bei potenziellen Käufern ist die Einschätzung überwiegend positiv. Dagegen sehen viele Personen, die ein Elektrofahrzeug grundsätzlich ausschließen, Defizite bei der Ladeinfrastruktur oder können deren Verfügbarkeit nicht beurteilen.
Dies deutet darauf hin, dass neben dem tatsächlichen Ausbau auch Sichtbarkeit, Nutzererfahrung und Informationsvermittlung entscheidend sind. Langfristig verbessere sich die Wahrnehmung jedoch: Vor fünf Jahren gingen nur 28 % der Bevölkerung von einer guten Ladeinfrastruktur aus, inzwischen sind es 37 %.
Ladeinfrastruktur: Zwischen Wahrnehmung und Realität
Die Schlagworte „unzureichende Ladeinfrastruktur“ und „Ladeinfrastrukturausbau“ fallen immer wieder in Diskussionen rund um die Elektromobilität. Fakt ist aber auch, dass bereits 2024 eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zu dem Schluss kam, dass im Schnitt nur rund 17 % aller öffentlich zugänglichen Ladepunkte zeitgleich belegt seien. Das bedeutet, dass vier von fünf Ladesäulen kaum ausgelastet sind. In manchen Regionen seien zu einem beliebigen Zeitpunkt im Schnitt nur drei Prozent der Ladepunkte belegt.
97 % seien aus Perspektive eines E-Auto-Fahrers demnach frei. Als Konsequenz hat daraus hat der Karlsruher Energiekonzern EnBW sein Ausbauziel bereits gedrosselt – das Ausbauziel für 2030 sei von 30.000 auf 20.000 Ladepunkte reduziert worden. EnBW-Vorstandsmitglied Dirk Güsewell bemerkte: „Nach unserer Einschätzung gibt es Stand heute keinen Engpass bei der Ladeinfrastruktur“.
Laut Bundesnetzagentur lag der Bestand von Ladepunkten bundesweit bei 162.000, ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. 36.000 davon waren Schnellladepunkte, fast 40 % mehr als im Jahr zuvor. Eine Knappheit bei öffentlichen Ladepunkten ist also – zumindest theoretisch – nicht vorhanden, vielleicht aber ballt sie sich in Deutschlands Metropolen überproportional, während die Landbevölkerung nach Lademöglichkeiten suchen muss.
China dominiert das Image bei Elektrofahrzeugen
Bei der technologischen Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen liegt China inzwischen klar vor Deutschland. Die Hälfte der Befragten sehen chinesische Hersteller als führend bei Elektroautos. Deutschland folgt mit deutlichem Abstand bei 27 %. Der Vorsprung Chinas habe sich laut Umfrage innerhalb eines Jahres erheblich vergrößert. Dies deute auf eine hohe Wahrnehmung chinesischer Innovationskraft, Produktionskompetenz und Marktdynamik im Bereich Elektromobilität hin. Für deutsche Hersteller ergibt sich daraus erheblicher Innovations- und Wettbewerbsdruck, insbesondere bei Batterietechnologien, Softwareintegration, Ladeperformance und Preisgestaltung.
Der Mobilitätsmonitor 2026 zeigt eine klare Prioritätenverschiebung: Infrastrukturmodernisierung und Elektromobilität stehen zunehmend im Zentrum gesellschaftlicher Erwartungen. Besonders der Ausbau der Ladeinfrastruktur entwickele sich dem Umfrageergebnis zufolge zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die Transformation des Verkehrssektors.
Während das Auto seine dominante Rolle nach wie vor behalte, wachse zugleich die Bereitschaft, auf elektrische Antriebe umzusteigen. Entscheidend für den weiteren Markthochlauf seien laut Mobilitätsmonitor wettbewerbsfähige Fahrzeugpreise, leistungsfähige Ladeinfrastrukturen sowie technologische Innovationen bei Energieversorgung, Verkehrssteuerung und vernetzter Mobilität sein.
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