InnoTrans 2026 23.09.2026, 11:04 Uhr

Batteriezüge, digitale Loks und KI: Techniktrends der Bahn

Batterieelektrische Triebzüge sollen auf Strecken ohne durchgehende Oberleitung Dieselfahrzeuge ersetzen. Neue Lokomotivplattformen setzen auf Software, während digitale Messsysteme und künstliche Intelligenz (KI) Betrieb und Infrastruktur verbessern sollen. Die InnoTrans 2026 in Berlin zeigt, welche Lösungen die Hersteller dafür entwickeln.

Menschen betrachten einen Zug auf einer Messe

(260923) -- BEIJING, Sept. 23, 2026 (Xinhua) -- People visit the 2026 International Trade Fair for Transport Technology (InnoTrans 2026) in Berlin, Germany, Sept. 22, 2026. (Xinhua/Zhang Haofu)

Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Zhang Haofu

Mit ihrem Ausstellungsangebot bildet die InnoTrans 2026 das „System Bahn“ in nahezu allen Facetten ab. Den Schwerpunkt bildet das Segment Schienenverkehrstechnik, im Messejargon Railway Technology. Hinzu kommen Railway Infrastructure, Tunnel Construction, Public Transport und Interiors.

Im Rahmenprogramm geht es um die Themen, die der Branche derzeit auf den Nägeln brennen: Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI), alternative Antriebe, leistungsfähigere Infrastruktur und die Frage, wie sich der öffentliche Verkehr flexibler organisieren lässt.

Batteriezüge für Strecken ohne durchgehende Oberleitung

Ein besonderer Fokus liegt weiterhin auf alternativen Antrieben. Mehrere Hersteller zeigen Lösungen, mit denen sich insbesondere auf nicht oder nur teilweise elektrifizierten Strecken Dieselfahrzeuge ersetzen lassen.

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Wo Strecken nicht oder nur teilweise elektrifiziert sind, rücken batterieelektrische Triebzüge in den Fokus. Sie können unter der Oberleitung fahren und ihre Batterien laden. Auf Abschnitten ohne Oberleitung nutzen sie den gespeicherten Strom.

Der spanische Hersteller Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) zeigt mit dem Civity BEMU einen solchen Zug. BEMU steht für „Battery Electric Multiple Unit“. Die für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bestellten Fahrzeuge können je nach Anforderungen der Einsatzstrecke mit unterschiedlich vielen Batteriepacks ausgestattet werden.

Siemens Mobility präsentiert den Mireo Plus B. Triebzüge dieses Typs sollen künftig auch im Netz der S-Bahn Mitteldeutschland fahren. Vorgesehen sind 16 zweiteilige Fahrzeuge für die Linie S1 zwischen Leipzig, Grimma und Döbeln. Stadler Rail zeigt mit dem FLIRT Akku ebenfalls einen batterieelektrischen Regionalzug.

Wasserstoff und maßgeschneiderte Stadtbahnen

Auch Wasserstoff bleibt Teil der technischen Entwicklung für Strecken ohne Oberleitung. Stadler Rail präsentiert sieben Fahrzeuge. Dazu zählen der Regionalzug FLIRT Akku und nach Angaben des Herstellers der weltweit erste Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken. Bestellt wurde das Fahrzeug vom sardischen Verkehrsunternehmen ARST.

Hinzu kommen eine TINA-Straßenbahn für Rostock und die Stadtbahn S-DT8.16 für die Stuttgarter Straßenbahnen. Letztere ist auf die engen Kurvenradien und starken Steigungen des Stuttgarter Stadtbahnnetzes zugeschnitten. TINA steht für „Total Integrierter Niederflur-Antrieb“. Das Konzept verbindet einen durchgehend niederflurigen Fahrgastraum mit großen Fensterflächen und breiten Durchgängen.

Der chinesische Konzern China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) hat eine Wasserstoff-Brennstoffzellen-Hybridlokomotive nach Berlin gebracht. Siemens Mobility präsentiert mit der Vectron X eine neue, softwaredefinierte Lokomotivplattform. Stadler zeigt mit der EURO DuFour eine für den internationalen Güterverkehr ausgelegte Lokomotive.

Auch Škoda präsentiert eine maßgeschneiderte Lösung: Die fünfteilige Einrichtungsstraßenbahn des Typs ForCity Plus Praha 52T wurde für enge Kurven und starke Steigungen im Prager Straßenbahnnetz entwickelt.

Hitachi und Hyundai Rotem sind mit Hochgeschwindigkeitszügen vertreten: dem weiterentwickelten ETR 1000 Frecciarossa und dem EMU-320. Beide Fahrzeugtypen erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. Alstom zeigt außerdem mehrere Traxx-Lokomotiven mit neuer Bordsignaltechnik.

Bei Lokomotiven geht die Entwicklung über neue Antriebe hinaus. Siemens Mobility stellt mit der Vectron X eine softwaredefinierte Lokomotivplattform vor. Der Begriff beschreibt einen Ansatz, bei dem Software für die Funktionen und die Weiterentwicklung des Fahrzeugs eine größere Rolle spielt.

Infrastruktur: Messen, überwachen und steuern

Leistungsfähigere Fahrzeuge allein reichen für einen zuverlässigeren Bahnverkehr nicht aus. Ebenso entscheidend sind Gleise, Oberleitungen sowie Signal- und Leittechnik. Im Bereich Railway Infrastructure und Tunnel Construction zeigen Unternehmen deshalb auch Planungs-, Überwachungs- und Messsysteme.

Diese Technik soll helfen, den Zustand der Infrastruktur zu erfassen und Arbeiten gezielter zu planen. Digitalisierung und KI spielen auch im Tunnelbau und -betrieb eine Rolle: Zwei Foren der InnoTrans Convention befassen sich unter anderem mit digitalen Verfahren für unterirdische Verkehrsinfrastruktur.

KI für Betrieb, Wartung und Fahrgastinformation

Im AI Mobility Lab präsentieren 47 Aussteller Anwendungen aus den Bereichen KI, Automatisierung, Robotik und Cybersicherheit. Mögliche Einsatzfelder reichen von der Betriebsführung über die Wartung und Sicherheit bis zur Fahrgastinformation.

Welche Anwendungen bereits einen messbaren Nutzen bringen, bleibt dabei eine zentrale Frage. Auch außerhalb des Sonderbereichs wird darüber diskutiert: Bei Alstom sprechen Fachleute unter dem Titel „AI in rail – hype or real value?“ über den praktischen Wert von KI für die Bahn.

Digitale Dienste verbinden Verkehrsangebote

Technische Vernetzung betrifft auch den öffentlichen Verkehr jenseits des Zugbetriebs. Digitale Tickets, intelligente Verkehrsplanung und barrierefreie Navigation sollen die Nutzung verschiedener Angebote erleichtern. Hinzu kommen Konzepte für autonome Busse und Schienenfahrzeuge sowie flexible Verkehrsangebote auf Abruf.

IWie eng Fahrzeuge, Infrastruktur und digitale Services inzwischen miteinander verbunden sind, zeigt das Segment Public Transport. Mit dem Ausstellungsbereich Mobility+ hatte die Messe bereits 2022 auf die wachsende Nachfrage nach ergänzenden und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittenen Mobilitätsangeboten reagiert.

Solche Dienste sollen Versorgungslücken im klassischen Linienverkehr schließen und Probleme auf der ersten und letzten Meile lösen. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf digitalen und vernetzten Angeboten sowie neuen Konzepten für einen flexibleren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Vom digitalen Ticket über intelligente Verkehrsplanung und barrierefreie Navigation bis zu autonomen Bussen und Schienenfahrzeugen zeigt die Messe, wie klassische Bahn- und Busangebote, On-Demand-Verkehre und Sharingdienste zusammenwachsen

Die größte InnoTrans zum 30. Jubiläum

Die InnoTrans 2026 bringt bis zum 25. September die internationale Bahn- und Mobilitätsbranche in Berlin zusammen. Nach Angaben der Messe präsentieren 3.170 Aussteller aus 59 Ländern ihre Neuheiten in 42 Hallen sowie auf dem Frei- und Gleisgelände. Das vollständig belegte Messegelände umfasst rund 200.000 m² Bruttofläche. Angekündigt sind 180 Weltpremieren. Damit ist die 15. Ausgabe die bislang größte InnoTrans – 30 Jahre nach der Premiere im Oktober 1996 mit 172 Ausstellern.

Ein Beitrag von:

  • Anne Schneller

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