Angreifer abschrecken 11.07.2016, 13:13 Uhr

Bahn zieht Notbremse: Sicherheitskräfte testen Körperkameras

Als Schutz gegen tätliche Angriffe werden Sicherheitskräfte der Bahn mit Körperkameras ausgestattet. Erprobt werden die Bodycams auf den großen Bahnhöfen in Berlin. Grund: Die Gewalt gegen DB-Mitarbeiter hat zugenommen. Auch die Polizei schützt sich zunehmend durch Bodycams.

Wie die Polizei testet jetzt auch die Deutsche Bahn Bodycams. Sicherheitskräfte an Berliner Bahnhöfen sollen mit den Körperkameras ausgerüstet werden. Der Hinweis "Videoüberwachung" soll potentielle Gewalttäter abschrecken. 

Wie die Polizei testet jetzt auch die Deutsche Bahn Bodycams. Sicherheitskräfte an Berliner Bahnhöfen sollen mit den Körperkameras ausgerüstet werden. Der Hinweis "Videoüberwachung" soll potentielle Gewalttäter abschrecken. 

Foto: Bundespolizei

Angriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn zählen inzwischen zum Alltag: Allein im ersten Halbjahr 2016 gab es 950 Attacken – eine Steigerung um 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.  Betroffen davon sind laut Bild am Sonntag vor allem die Sicherheitskräfte. Jetzt zieht die Bahn die Notbremse und rüstet im ersten Schritt die Mitarbeiter auf Berliner Bahnhöfen mit den Bodycams an der Jacke aus. Weitere Bahnhöfe sollen folgen.

Die Bundespolizei benutzt Bodycams von Reveal. 

Die Bundespolizei benutzt Bodycams von Reveal.

Quelle: Bundespolizei

Deutschlandweit sind 3700 DB-Sicherheitskräfte im Einsatz. „Erste Erfahrungen zeigen: Die Mini-Monitore der Bodycam schrecken Täter ab“, sagte Bahn-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke gegenüber der Bild am Sonntag. Erkennen kann man die vernetzten Bahn-Mitarbeiter am Hinweis „Videoüberwachung“.

Videobeweis für empfindlichere Strafen

Bei der Polizei werden die mobilen Bodycams bereits in etlichen Bundesländern getestet. Die Körperkameras werden zur Abschreckung eingesetzt, aber auch um bei Attacken Beweise zu sichern. „Die zunehmende Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber der Polizei verlangt nach einem zusätzlichen Schutz für unsere Beamtinnen und Beamten“, sagte zu Jahresbeginn Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin bei Bonn beim Start des Pilotprojektes bei der Bundespolizei. „Ich verspreche mir durch die Videokameras eine präventiv-abschreckende Wirkung gegen Gewalttäter.“

Außerdem erhofft sich die Bundespolizei durch die Möglichkeit des Videobeweises „empfindlichere Strafen für Gewalttäter“, so Wurm. Die Beamten wurden speziell geschult und mit einer zusätzlichen Funktionsweste ausgestattet.

Extrem robust, wasserfest und einfach zu handhaben beschreibt Vievu die von Polizisten für Polizisten entwickelte Bodycam. 

Extrem robust, wasserfest und einfach zu handhaben beschreibt Vievu die von Polizisten für Polizisten entwickelte Bodycam.

Quelle: Vievu

Hersteller von Bodycams sind Reveal, Taser, Vievu („von Cops für Cops“) und Zepcam. In den USA werden Bodycams schon seit Jahren von der Polizei genutzt.

Kamera läuft nur bei konkreter Gefahr

Laut Bundespolizei sind die Körperkameras nicht dauerhaft in Betrieb. Sie werden nur bei konkreter Gefahr eingeschaltet, beispielsweise wenn eine offenkundig gewaltbereite Person kontrolliert werden soll. Und auch Aufzeichnungen werden nur dann gespeichert, wenn diese zur Beweissicherung in einem etwaigen Strafverfahren von Bedeutung sein können.

In Frankfurt ein Drittel weniger Angriffe auf Polizisten

Die hessische Polizei testete die Bodycams bereits von Mai 2013 bis Mai 2014. Laut Polizeipräsidium Frankfurt am Main waren dort die Angriffe auf Polizeibeamte durch den Einsatz der Videokamera um ein Drittel zurückgegangen. Entsprechend gab es deutlich weniger verletzte Polizisten.

Verkehrsüberwachungstechnik von Siemens: In Großbritannien gibt es inzwischen mehr als 10.000 Überwachungskameras, die statistisch jedes fahrende Auto viermal pro Stunde erfassen. Daraus lassen sich problemlos Bewegungsprofile erstellen. Werden zur Fahndung ausgeschriebene Autos entdeckt, bekommen Polizeistreifen in der Nähe ein Signal.

Verkehrsüberwachungstechnik von Siemens: In Großbritannien gibt es inzwischen mehr als 10.000 Überwachungskameras, die statistisch jedes fahrende Auto viermal pro Stunde erfassen. Daraus lassen sich problemlos Bewegungsprofile erstellen. Werden zur Fahndung ausgeschriebene Autos entdeckt, bekommen Polizeistreifen in der Nähe ein Signal.

Quelle: Siemens

Die automatisierte Überwachung des Autoverkehrs in Großbritannien ist ein anderes Thema, für das sich Datenschützer interessieren dürften. 35 Millionen Autokennzeichen dort aktuell jeden Tag von Überwachungskameras erfasst. Vor fünf Jahren waren es erst 14 Millionen. Inzwischen können die Behörden fast lückenlose Bewegungsprofile erstellen.

 

Ein Beitrag von:

  • Martina Kefer

    Diplom-Medienpädagogin und Ausbildung zur Journalistin beim Bonner General-Anzeiger

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