Bahn-Sanierung ohne Streckensperrung: Diese Berliner Großbaustelle zeigte, dass es auch anders geht
Wie DB-Ingenieure Großbaustellen einrichten, ohne den Zugverkehr zu stoppen: Christian Reder erklärt kreative Lösungen und Baukonzepte im laufenden Betrieb.
Der Rote Portalkran zusammen mit einem Ausgefuchsten Konzept zur Ladungssicherung erlaubte die Sanierung des Beliner Ostbahnhofs bei laufendem Betrieb.
Foto: picture alliance/dpa | Soeren Stache
Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert, die Sanierungsarbeiten bei der Bahn stärker an den Bedürfnissen der Reisenden auszurichten. Zahlreiche Großbaustellen im Rhein-Main-Gebiet könnten den Zugverkehr am Bahnknoten Frankfurt bedrohen. Was Pro Bahn in Hessen fordert gilt natürlich auch für andere wichtige Knoten, wie Köln und Düsseldorf im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW oder Hannover in der Mitte Deutschlands. Besonders unklare Informationen, kurzfristige Änderungen und vermeidbare Anschlussverluste sorgten laut Pro-Bahn für Frust und untergrüben das Vertrauen in die Bahn. Doch es geht auch anders.
Dass auch komplizierte Sanierungen durchaus ohne Unterbrechungen möglich sind, hat die Bahn schon gezeigt, weiß Christian Reder, Leiter der Bauüberwachungszentrale Berlin bei der DB Engineering and Consulting. Mit seinem Team hat er bereits die Bahnhofshallen des Berliner Ostbahnhofs unter „rollendem Rad“ saniert, also ohne dass der Verkehr dadurch unterbrochen werden musste.
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„Wir haben bei der Bahn einen großen Spagat zu leisten: Wir müssen die Infrastruktur modernisieren, aber wollen auch gleichzeitig, dass die Züge fahren“, sagt Reder im VDI-Podcast „Technik aufs Ohr“. Wenn das Ziel sei, möglichst viel zu bauen bei möglichst wenig betrieblichen Sperrungen, dann gehe das nur mit Kreativität. Doch selbst die komme manchmal ans Limit: „Ja, es geht nicht alles ohne eine Sperrung“, sagt der Experte.
Sanierung in laufendem Betrieb in Berlin weckt internationales Interesse
Internationales Interesse erweckte das Team von Reder bei der Sanierung der beiden großen Hallendächer des Berliner Ostbahnhofs aus dem 19. Jahrhundert. Bei Untersuchungen wurden enorme Tragfähigkeitsprobleme festgestellt und eine drohende Einsturzgefahr. Zur Lösung wurde eine spektakuläre fahrbare Zwischenebene gebaut, die als Arbeitsbereich die Sanierung am Dach ermöglichte und zugleich den Gleisbereich von den Bauarbeiten absicherte. „Wir mussten sehr viele Führungen für interessierte Kollegen machen, die sagten: ‚Mensch, was habt ihr da gemacht? Geht das für uns vielleicht auch?'“, erinnert sich Reder. Sowohl Kollegen aus dem Inland als auch aus dem Ausland, aus Kanada, USA, Indien und Polen seien zu Besuch auf der Berliner Baustelle gewesen.
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Diese zwei kreativen Lösungen verhinderten eine Sperrung des Bahnhofs
Besonders zwei kreative Ansätze erlaubten dem Team die Sanierung der Bahnhofsdächer ohne Sperrung der Gleise darunter.
- Die fahrbare Leichtbau-Arbeitsebene: Um direkt unter dem Hallendach arbeiten zu können, wurde oberhalb der Gleise eine Arbeits- und Materialplattform auf normalen Baugerüsten errichtet. Da diese Ebene aus Brandschutzgründen nicht die gesamte Halle überspannen durfte, wurde sie auf Rollen gesetzt. So konnte die Plattform flexibel von einem Hallendrittel zum nächsten verschoben werden, ohne sie jedes Mal neu auf- und abbauen zu müssen. Dies ermöglichte den sicheren und schnellen Austausch von sanierungsbedürftigen Zugbändern des Daches bei laufendem Zugverkehr.
- Die Schutzbrücke mit Hebezeug: Da schwere Lasten laut Sicherheitsvorschriften niemals über befahrenen Gleisen schweben dürfen, fiel ein normaler Kranbetrieb aus. Die Lösung war ein riesiger, speziell konstruierter Portalkran mit einem integrierten, geschlossenen Schutzkorb. Schwere Lasten wurden dann außerhalb des Bahnhofs angehoben und in diesem Korb eingeschlossen. Mit der Sicherung durch den Schutzkorb konnten die Bauteile dann sicher transportiert werden.
Besonders war an diesem Projekt, dass die Arbeiten bei vollem Bahnhofsbetrieb stattfanden. Wenn es Sie interessiert, welche Herausforderungen diese Lösungen noch mit sich brachten und warum der Projektleiter seinem Team am Ende Sonnenbrillen schenkte, können Sie das ganze Gespräch mit Christian Reder im Podcast Nr. 248 hören.
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