Test im Mercedes-Werk 16.12.2013, 06:19 Uhr

Autoteile schneller und fehlerfreier mit einer Datenbrille kommissionieren

Können Lagerarbeiter und Kommissionierer Teile schneller finden und an den gewünschten Ort bringen, wenn sie von einer Datenbrille geleitet werden? Diese Frage wird derzeit im Mercedes-Werk in Bremen beantwortet. Erste Ergebnisse: Die Teile werden schneller gefunden bei reduzierter Fehlerrate.

Kommissionierer mit Datenbrille: Solche Brillen beschleunigen das Finden von Teilen und reduzieren die Fehlerquote. Ein solches System wird derzeit im Mercedes-Werk in Bremen erprobt.

Kommissionierer mit Datenbrille: Solche Brillen beschleunigen das Finden von Teilen und reduzieren die Fehlerquote. Ein solches System wird derzeit im Mercedes-Werk in Bremen erprobt.

Foto: TZI

Fast jedermann kennt inzwischen Google Glass – eine leichte Datenbrille, mit deren Hilfe die Benutzer Fotos und Videos aufnehmen, Infos zu Orten ins Gesichtsfeld eingeblendet bekommen (Augmented Reality) oder sich navigieren lassen können. Google hat sein Head-Mounted-Display für Verbraucher konzipiert – aber es gibt auch Datenbrillen anderer Hersteller, die ähnlich leicht und dabei robust genug sind für den industriellen Einsatz.

Eines der möglichen Einsatzfelder für solche Datenbrillen ist die Kommissionierung in der Produktionslogistik. Diese Technik erproben gerade das Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen und die Firma xCon Partners im Mercedes-Werk in Bremen. Der Praxistest erfolgt im Rahmen des von der Wirtschaftsförderung Bremen geförderten einjährigen Transferprojekts „xPick“.

Pilotprojekt im Mercedes-Werk in Bremen

Die Kommissioniermitarbeiter (Picker) im Mercedes-Werk werden zunächst mit einem am Wagen angehängten Tablet-PC zu den richtigen Regalen und Fächern für die jeweils gesuchten Einzelteile geführt. „Wir rechnen mit einer konkreten Leistungssteigerung in den operativen Prozessen, die uns diese flexible Low-Cost-Lösung bringen wird“, sagt Thorsten Schmidt, der bei Daimler für das Arbeitsgebiet Abgriffüberwachung und Kommissioniertechnologie im Bereich Montage und Logistikplanung zuständig ist.

Die xPick-Lösung bietet den Mitarbeitern alle relevanten Informationen, die grafisch auf einem mobilen Endgerät wie einer Datenbrille oder einem Tablet-PC dargestellt werden. „Das Visuelle prägt sich besser und leichter ein. Das führt zu einer Kommissionierung, die schneller abläuft und geringere Fehlerraten mit sich bringt als die üblichen Picklisten auf Papier oder Audiolösungen, die Mitarbeiter per Sprachsteuerung zu den richtigen Regalen und Fächern führen“, erläutert Professor Michael Lawo, der Projektleiter vom TZI. Schnelligkeit und Fehlerrate sind die zentralen Ansatzpunkte, um Kosten bei der Kommissionierung zu sparen. „Denn je nach Branche entfallen auf die Kommissionierung zwischen 55 und 70 Prozent der gesamten Lagerhallenkosten“, erläutert Dr. Hannes Baumann, der xPick-Produktleiter bei xCon Partners.

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Intelligente Fehlererkennung durch Wiegen der Ersatzteile

Zur Verbesserung der Kommissionierung mit xPick arbeiten die Partner im Rahmen des Transferprojekts auch an der visuellen Lösung mit der Datenbrille. Mit einem Plausibilitäts-Wiegeverfahren soll kontrolliert werden, ob der Picker wirklich das richtige Teil entnommen und in die richtige Sammelbox gelegt hat. „Wir messen das Gewicht, und wenn es nicht dem Gewicht des benötigten Teils entspricht, bekommt der Kommissionierer eine Fehlermeldung in sein Display eingeblendet. So kann man auch sicherstellen, dass er die richtige Anzahl pro Teil entnommen hat“, sagt Lawo.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten und Projekte

Moderne Datenbrillen lassen sich vielseitig anwenden: von der Arztvisite über den Notfalleinsatz der Feuerwehr oder die Qualitätskontrolle in der Automobilindustrie bis hin zu Wartungsarbeiten an Flugzeugen. Doe Anwendungsbereiche gehören zum Forschungsbereich Wearable Computing, in dem das TZI seit über zehn Jahren Know-how aufgebaut hat.

„Es gibt wenig Wissen im Markt der Wearables“, sagt Dr. Hendrik Witt, Geschäftsführer von xCon Partners, der am TZI in diesem Forschungsbereich promoviert hat. In Transferprojekten mit Industriepartnern wie „wearIT@work“ und „SiWear“ legten die TZI-Forscher die Grundlagen für die heute möglichen marktreifen Lösungen. So entstanden auch die Kooperationen mit Daimler und dem SAP-Kompetenzzentrum, in denen aktuell an Anbindungen der mobilen Lösungen an ERP-Software zur Ressourcenplanung gearbeitet wird. 

Ein Beitrag von:

  • Klaus Ahrens

    Klaus Ahrens fühlt sich im Bereich Techniknews Zuhause. Vor allem die Bereiche Programmierung, Wissenschaft und Technik begeistern ihn.

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