Fernverkehr in Norwegen 01.08.2016, 07:12 Uhr

Autobahn soll im Wasser schweben

Fjorde versperren Nord-Süd-Reisenden den Weg. Man kann sie umfahren oder per Fähre passieren. Das dauert. Jetzt wollen die Norweger feste Verbindungen schaffen. Geplant sind Betonröhren, die an Pontons hängen und durchs Wasser schweben. Wie das funktioniert?

Norwegen arbeitet an den Plänen für einen schwimmenden Verkehrstunnel. Die beiden in einer Wassertiefe von 30 m schwebenden Röhren aus Beton wären eine Weltpremiere, die an die Ingenieure nie gekannte Anforderungen stellt. 

Norwegen arbeitet an den Plänen für einen schwimmenden Verkehrstunnel. Die beiden in einer Wassertiefe von 30 m schwebenden Röhren aus Beton wären eine Weltpremiere, die an die Ingenieure nie gekannte Anforderungen stellt. 

Foto: The Norwegian Public Roads Administration

Zahlreiche Fjorde versperren Autofahrern, die von der norwegischen Stadt Bergen nach Norden fahren wollen, den Weg. Einige lassen sich in weiten Bögen umfahren, andere per Fähre überwinden. Für eine Entfernung, für die Autofahrer in anderen Ländern gerade mal zehn Stunden brauchen, müssen Norwegen-Reisende schnell das Doppelte einplanen.

Der Sognefjord ist die größte Herausforderung

Einen der gewaltigsten Einschnitte im Süden des Landes, den Sognefjord, sollen die Norweger künftig auf einer Straße überqueren können. Das auf Grund von Öl- und Gasvorkommen wohlhabende Land plant eine Weltneuheit: eine Tunnelröhre, die an Pontons hängt, also im Wasser schwebt. Normalerweise befinden sich Straßen- und Eisenbahntunnel, die Wasserarme durchqueren, auf dem Grund.

Die Tunnelröhre hängt an Pontons.

Die Tunnelröhre hängt an Pontons.

Quelle: The Norwegian Public Roads Administration

Im Fall Sognefjord ist das unmöglich. Mit einer Tiefe von 1308 m ist er der tiefste in Europa. 204 km dringt er ins Land vor, sodass er in zumutbarer Zeit auch nicht umfahren werden kann. Bleibt bisher nur die elektrisch betriebene Fähre zwischen Lavik und Oppedal, die 20 Minuten braucht, um den rund 3.700 m breiten Einschnitt zu überwinden.

Diese Gründe sprechen gegen eine Brücke

Die Straßenverwaltung sieht drei Möglichkeiten, den Fjord zu überwinden: eine Hänge-, eine Schwimm- und eine Schwebebrücke, wobei die schwimmende gleich ausfällt. Dann wären attraktive Schiffsreisen auf dem Fjord bis tief ins Land nicht mehr möglich.

Die Entscheidung könnte zugunsten der Unterwasserverbindung fallen, weil das Passieren von Brücken bei Sturm, starkem Schneefall und Vereisung gefährlich ist. Weil der Fjord so tief ist, müssten die Pylone in Ufernähe errichtet werden. Das bedeutete eine gewaltige Spannweite.

Eine schwimmende Brücke als Alternative scheidet aus: Dann wären attraktive Schiffsreisen auf dem Fjord bis tief ins Land nicht mehr möglich. 

Eine schwimmende Brücke als Alternative scheidet aus: Dann wären attraktive Schiffsreisen auf dem Fjord bis tief ins Land nicht mehr möglich.

Quelle: The Norwegian Public Roads Administration

Die beiden in einer Wassertiefe von 30 m schwebenden Röhren aus Beton wären eine Weltpremiere, die an die Ingenieure nie gekannte Anforderungen stellt. Sie sollen an gewaltigen Schwimmkörpern – Pontons – hängen. An einer Stelle soll der Abstand zwischen den Pontons größer sein, um Schiffen die Passage zu ermöglichen. Möglicherweise reicht diese Konstruktion für eine ausreichende Steifigkeit der Röhren nicht aus. Dann müssten stählerne Halteseile im Boden des Fjords verankert werden, eine zusätzliche Herausforderung angesichts der Wassertiefe.

Kosten von 23 Milliarden Euro?

Das US-Magazin Wired schreibt, dass insgesamt sieben Fjorde auf diese Weise passierbar gemacht werden sollen, wobei der Sognefjord der mit Abstand breiteste ist. Das soll den Staat umgerechnet 23 Milliarden Euro kosten. Die Fahrzeit zwischen Kristiansand und Trondheim würde sich dadurch auf elf Stunden fast halbieren. 2035 soll die erste schwebende Autobahn fertig sein.

Die zehn längsten Brücken der Welt können Sie sich hier anschauen. Und einen Bericht über die längste Hängeseilbrücke Deutschlands finden Sie hier.

 

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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