Mobile Paketzustellung 23.04.2015, 12:15 Uhr

Amazon, Audi und DHL testen den Kofferraum als Lieferadresse

Nach dem Motto „My home is my car“ lässt sich der moderne Online-Shopper das Paket mit seinem Einkauf an das eigene Automobil liefern. DHL Paket, Amazon Prime und Audi haben die Kofferraumzustellung als gemeinsamen Service entwickelt und testen ihn ab Mai in München.

Paketzustellung: Postboten klingeln oft vergeblich an der Haustür. Gemeinsam haben DHL, Amazon und Audi deshalb einen Logistik-Service entwickelt, bei dem der Kofferraum des Kunden als Schließfach für die Lieferung fungiert. 

Paketzustellung: Postboten klingeln oft vergeblich an der Haustür. Gemeinsam haben DHL, Amazon und Audi deshalb einen Logistik-Service entwickelt, bei dem der Kofferraum des Kunden als Schließfach für die Lieferung fungiert. 

Foto: Stephanie Pilick/dpa

Shoppen im Internet ist bequem – und würde dem Handel sicher noch viel mehr Kundschaft eröffnen, wenn das Problem mit der Paketzustellung nicht wäre. Denn wer arbeitet oder viel unterwegs ist, verpasst, wenn der Postmann zuhause klingelt.

Nun muss man nur darauf kommen, dass der mobile Mensch unterwegs fast immer sein eigenes Schließfach dabei hat – in seinem Auto. Die Idee, den Kofferraum als Briefkasten für Pakete zu nutzen, ist zwar nicht neu. Doch die Projektpartner, die die Paketlieferung in den Kofferraum des Kunden als gemeinsamen Logistik- Service entwickelt haben, haben auch Potenz genug, den Service in Deutschland zu etablieren: Als Online-Händler bietet Amazon Prime – ein kostenpflichtiger Premium-Dienst des Online-Versandhändlers – seinen Kunden an, ihren Einkauf in den eigenen Pkw liefern zu lassen. DHL übernimmt die Zustellung und Audi liefert die Technik, die das Auto zum mobilen Briefkasten macht.

Briefkasten im vernetzten Auto

Und das geht so: Der Kunde bestellt im Internet und gibt als Lieferadresse seinen Wagen – in diesem Fall einen Audi – an. Der ist per SIM-Karte vernetzt. Um den neuen Online-Dienst mit der Bezeichnung „Audi connect delivery service“ in Anspruch nehmen zu können, muss der Kunde der Ortung seines Audis für den Zeitraum der Lieferung zustimmen.

In dem Angebot, das eigene Auto als mobile Lieferadresse zu nutzen, sehen Amazon, DHL und Audi vor allem für Pendler eine attraktive Alternative.

In dem Angebot, das eigene Auto als mobile Lieferadresse zu nutzen, sehen Amazon, DHL und Audi vor allem für Pendler eine attraktive Alternative.

Quelle: Deutsche Post DHL Group

Über eine eigens entwickelte Smartphone- oder Tablet-App wird der zuständige DHL-Zusteller über den genauen Standort des Fahrzeugs informiert. Außerdem erhält er eine digitale Zugangsberechtigung zum Kofferraum des Kunden‑Fahrzeugs. Die gilt einmalig für einen festgelegten Zeitraum und erlischt, sobald der Zusteller den Kofferraum wieder schließt.

Wie das Öffnen des Kofferraums technisch umgesetzt wird, könne man noch nicht sagen, erklärt Audi-Sprecher Moritz Drechsel gegenüber Ingenieur.de. Nachdem der Zusteller das Paket in den Kofferraum gepackt und ihn wieder geschlossen hat, wird der Kofferraum automatisch verriegelt. Der Zusteller erhält über die App nochmals eine Bestätigung und der Fahrzeughalter wird per E-Mail über die erfolgreiche Zustellung informiert.

Pilotprojekt in München

„Für technologische Details ist es in diesem Stadium des Projekts noch zu früh“ informiert Drechsel. „Wir werden noch verschiedene Techniken prüfen.“ Vom Grundprinzip läuft die Kommunikation zwischen DHL-Zusteller und Kunden-Fahrzeug über einen Server beim Autohersteller. Bei Audi steht also das Back-End-System, in dem auch mehrstufige Prüfungsprozesse zur Sicherung der Verbindung ablaufen.

Wie die Öffnung des Kofferraums letztlich technisch umgesetzt werden soll, steht noch nicht fest.

Wie die Öffnung des Kofferraums letztlich technisch umgesetzt werden soll, steht noch nicht fest.

Quelle: Deutsche Post DHL Group

Im Mai starte ein Pilotprojekt in München, bei dem ausgewählte Kunden den Service testen können. Dann soll sich auch herausstellen, ob zum Beispiel Bedenken begründet sind, dass ein Zusteller mal vergisst, den Kofferraum wieder zu schließen.

Neu ist das alles übrigens nicht: Schon im Frühjahr 2013 berichteten deutsche Medien über das belgische Unternehmen Cardrops – einen „neuartigen“ Lieferservice, der ebenfalls die Paketzustellung in den Kofferraum anbot. Und vor einem Jahr war ein vergleichbares Pilotprojekt des schwedischen Autoherstellers Volvo Thema.

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