Wasser 3.0 28.08.2019, 15:13 Uhr

Karlsruher Start-up will Mikroplastik per Flüssiginjektion aus dem Wasser holen

Kläranlagen leisten Großes in der Abwasserbehandlung. Doch um Schadstoffe wie Mikroplastik aus dem Wasser zu filtern, fehlen die Verfahren. Bis jetzt.

verschmutzter Fluss

Foto: panthermedia.net/YAYMicro

Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Doch allzu häufig ist es nicht mehr sauber. Ob Pestizide, Rückstände von Medikamenten, Schwermetallen oder Mikroplastik – die Wasserqualität leidet durch die rücksichtslose Land- und Wertstoffnutzung des Menschen. Aber auch modernste Kläranlagen scheitern bisweilen an organisch-chemischen Verbindungen wie Medikamentenrückständen und Mikroplastik. Katrin Schuhen sagt diesen Mikroschadstoffen den Kampf an. Um Wasser auf der ganzen Welt wieder sauber zu machen.

Dafür beendete die Juniorprofessorin für Organische und Ökologische Chemie der Universität Koblenz-Landau im Mai 2018 ihre wissenschaftliche Karriere und widmete sich dem Aufbau eines eigenen Unternehmens. Mit der Ausgründung Wasser 3.0 möchte Schuhen gemeinsam mit zwei Mitarbeitern das Thema Wasserqualität sichtbarer machen und Industrie und Wirtschaft bei der effizienten Reinigung von Wasser unterstützen. Das Start-up hat seinen Sitz in Karlsruhe.

3 Verfahren gegen Wasserverschmutzung

Wasser 3.0 arbeitet derzeit mit 3 Verfahren zur Entfernung von Plastikpartikeln, Pestiziden, Pharmazeutika und anderen Schadstoffen aus Wasser. Zwei davon basieren auf eigens entwickelten Hybridkieselgelen, an deren poröse Oberflächen Partikel anhaften können. Zunächst gingen die Wissenschaftler mit dem Projekt „Wasser 3.0 Stressfix“ gegen reaktive organische Stressoren vor. Zu ihnen zählen etwa Medikamente, Rückstände von Pharmazeutika sowie Pestizide.

Nun ist es auch gelungen, das Projekt „Wasser 3.0 PE-X“ erfolgreich zu testen. Mit dem Verfahren gehen Schuhen und ihr Team gegen inerte organisch-chemische Stressoren wie Mikroplastik im Wasser vor.

Mikroplastik wird zum Wachsen angeregt

Mit dem Verfahren Wasser 3.0 PE-X zeigen die Wissenschaftler um Katrin Schuhen, dass es keine komplexen Filteranlagen braucht, um selbst kleinste Plastikteilchen aus dem Wasser zu fischen. Stattdessen setzt das Team auf Bindung. In Pilotversuchen injizierte das Team eine Lösung aus anorganisch-organischen Hybridkieselgelen ins Wasser. Diese flüssige Lösung ist biologisch abbaubar und vollkommen ungiftig und sie wirkt wie ein Kleber. Die Kunststoffpartikel mit einer Größe von 250 bis 350 Mikrometer verklumpten. Die schwimmenden Plastikklumpen hatten schließlich eine Größe von wenigen Zentimetern und konnten mit einem einfachen Filter ohne Probleme aus dem Wasser der Kläranlage Landau gefischt werden.

Eine universelle Lösung bietet Wasser 3.0 nicht an. Vielmehr setzt das junge Unternehmen auf individuelle Beratung und die Installation von Pilotanlagen bei ihren Kunden.

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Wasser 3.0 #rethink – Wasserverbrauch zügeln

Schuhen geht aber nicht nur technisch gegen die Verunreinigung von Wasser vor. Sie ist auch an einer politisch-gesellschaftlichen Lösung interessiert, weil sie überzeugt ist: Die verheerende Wasserqualität geht auf ein Verteilungsproblem zurück. Denn gerade wirtschaftlich starke Nationen verbrauchen ein Vielfaches dessen, was ihnen dank natürlicher Ressourcen an Wasser zur Verfügung stünde.

Schuhen bemüht dafür den Wasserfußabdruck, der neben der Güterproduktion landwirtschaftlicher und industrieller Art und dem häuslichen Gebrauch auch das importierte Wasser (Wasser, das in einem anderen Land aufgewendet wurde, um Güter herzustellen, die schließlich im Zielland genutzt werden) und den Wasserverbrauch für exportierte Güter einbezieht. „Solange wir auf der richtigen Seite der Weltkugel wohnen, entziehen wir uns viel zu häufig der Verantwortung“, meint Schuhen. Denn der Überverbrauch an Wasser wird nicht bei uns, sondern in anderen Teilen der Welt offensichtlich.

Welchen Unterschied es macht, ob man den direkten oder den umfassenden Wasserverbrauch  betrachtet, haben wir bereits 2014 in unserem Artikel „Durstige Baumwolle: 8.000 Liter Wasser für eine Jeans“ gezeigt.

Die Natur wird unser Plastikproblem nicht für uns lösen. Wieso nicht, das haben wir Wolfgang Streit, Professor am Institut für Allgemeine Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Hamburg, gefragt: „Können Lebewesen eines Tages unseren Plastikmüll eliminieren?

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  • Lisa Diez-Holz

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